Explosion in Liverpool: Großbritannien verschärft Terrorwarnstufe

Nach der Explosion vor einem Krankenhaus in Liverpool hat Großbrittanien die Terrorwarnstufe erhöht. Durch seine Geistesgegenwart konnte ein Taxifahrer eine Detonation im Krankenhaus selbst verhindern.
Terror in Liverpool: Großbritannien verschärft Terrorwarnstufe
Foto: Peter Byrne/PA Wire/dpa

Die Terrorwarnstufe in Großbritannien ist nach einer tödlichen Explosion in Liverpool angehoben worden. Dies teilte Innenministerin Priti Patel am Montag mit. Hintergrund sei, dass es sich um den zweiten mutmaßlichen terroristischen Vorfall binnen eines Monates handele. Bis Montag hatte die Bedrohungslage als „erheblich“ gegolten, was dem Mittelwert auf der fünfstufigen Skala entspricht. Nun aber stufte das zuständige Joint Terrorism Analysis Centre die Gefahr als „gravierend“ ein. Dies bedeutet, dass ein möglicher Terrorakt sehr wahrscheinlich ist.

Messerattacke im vergangenen Monat: Abgeordneter David Amess getötet

Erst im Oktober war der konservative Abgeordnete David Amess bei einer Messerattacke getötet worden, die Polizei sprach von Terror durch einen Anhänger der Extremistengruppe Islamischer Staat.

Am Sonntag explodierte nach Behördenangaben ein selbst gebauter Sprengsatz in einem Taxi in Liverpool. Der Fahrgast wurde getötet, der Fahrer verletzt. Er wurde in einer Klinik behandelt und später entlassen.

Der Taxifahrer habe den Fahrgast zuvor etwa zehn Autominuten entfernt aufgenommen, sagte der Leiter der Anti-Terror-Einheit im Nordwesten Englands, Russ Jackson. Der Passagier habe darum gebeten, zu dem Liverpooler Frauenkrankenhaus gefahren zu werden. Als das Taxi vor dem Gebäude gehalten habe, sei es in dem Wagen zu einer Detonation eines Sprengsatzes gekommen, den der Fahrgast bei sich gehabt habe.

Taxifahrer verhindert „absolut schreckliche Katastrophe im Krankenhaus“

Die Bürgermeisterin von Liverpool, Joanne Anderson, erklärte, der Taxifahrer habe die Türen des Fahrzeugs verriegelt, damit der Fahrgast nicht habe aussteigen können. Dem Fahrer sei es gelungen, „eine absolut schreckliche Katastrophe im Krankenhaus“ zu verhindern, sagte Anderson der BBC. Premierminister Boris Johnson sagte, dass der Taxifahrer augenscheinlich mit „unglaublicher Geistesgegenwart und Tapferkeit“ agiert habe. Später sprach Johnson vor Reportern von einer „widerlichen Attacke“ vor dem Krankenhaus. Das britische Volk werde sich aber „niemals von Terrorismus einschüchtern lassen“.

Verdacht erregte der Zeitpunkt der Explosion – kurz vor 11.00 Uhr am Remembrance Sunday, dem Tag, an dem in ganz Großbritannien Gedenkfeierlichkeiten zu Ehren der Kriegstoten stattfinden. Jackson sagte, die Ermittler hätten keine Verbindung zu den Zeremonien gefunden, „aber das ist ein Ermittlungsansatz, den wir verfolgen“.

Terror in Liverpool: Vier Verdächtige festgenommen

Die Ermittlungen konzentrierten sich Jackson zufolge darauf, wie der Sprengsatz gebaut wurde, was das Motiv für die Tat war und ob es weitere Beteiligte gibt. Drei Männer im Alter von 21 bis 29 Jahren wurden am Sonntag unter dem britischen Anti-Terror-Gesetz festgenommen und befanden sich auch am Montag noch in Haft. Ein vierter Mann wurde am Montag festgenommen, wie Jackson erklärte. Bei allen soll es sich um Bekannte des toten Fahrgasts handeln, teilte die Polizei mit.

Ermittler untersuchten zwei Adressen in Liverpool in Verbindung mit dem getöteten Taxi-Passagier standen. Dabei hätten sie vorsichtshalber eine kontrollierte Explosion ausgelöst, teilte die Polizei mit. Außerdem seien „wichtige Gegenstände“ sichergestellt worden.

AP European News Wire