Foto: Instagram/hollywiththemd
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Holly Warland aus dem australischen Queensland leidet unter einer unheilbaren Krankheit, die ihre Muskeln zerstört und ausweichlich zum Tod führt. Auf Instagram lässt sie ihre Follower am Sterbeprozess teilhaben. Warum?

Als Holly elf Jahre alt war, erhielt sie die schockierende Diagnose: Die heute 27-Jährige leidet an einer Gliedergürteldystrophie. Eine chronische Muskelerkrankung, bei der die Muskeln im Schulter- und Beckengürtelbereich allmählich gelähmt werden. Holly quält sich durch den Alltag. Heilung? Unmöglich.

Bis vor zwei Jahren führte sie noch ein relativ „normales“ Leben, erreichte einen guten Schulabschluss, wollte den Doktor in Neurowissenschaften machen und verliebte sich in ihren Freund Luke. „Ich dachte, nichts kann mich stoppen. Ich lehrte an der Uni, besuchte Konferenzen. Ich fühlte mich glücklich und gesund. Ich hatte die Kraft auf Konzerte und Essen zu gehen“, berichtet sie im Online-Magazin „Bored Panda„.

Doch dann schlug die Krankheit zu: Übelkeitsattacken, rasender Puls, unkontrollierbares Zittern und schmerzende Muskeln sind seither fester Bestandteil ihres Alltags. Die junge Australierin, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kann sich kaum noch fortbewegen. An manchen Tagen ist sie so schwach, dass sie nicht einmal aus dem Bett kann. Und genau dieses Leiden teilt sie seit 2017 mit der ganzen Welt auf Social Media.

„Ich bin Realistin. Für mich geht es nur noch abwärts“, macht sie in einem Video keinen Hehl aus ihrem Leid. Ein anderer Schock-Satz: „Ich bin nicht stolz auf meinen behinderten Körper. Ich habe in der Gen-Lotterie verloren. Hier bin ich.“ Holly ist sich bewusst, dass sie bald sterben wird. Nur wann das sein wird, ist unklar.

Holly geht es nicht um Mitleid, sondern Ehrlichkeit. Unter einem Nacktbild, das sie selbst zeigt, schreibt sie: „Das hier ist mein Körper. Die Sehnen meines Ellbogengelenks sind verkürzt. Mein rechtes Bein ist permanent nach innen gedreht. Mein unterer Rücken ragt hervor. Meine Schulterblätter sind krumm und unförmig.“ Äußerlichkeiten interessieren sie nicht: „Das hier kommt ohne Photoshop-Bearbeitung oder Filter. Wenn Ärzte seit 15 Jahren an dir herumfummeln, verlierst du die Angst vor Nacktheit. Ich sehe meinen Körper als Maschine, die arbeiten muss. Ob mich andere attraktiv finden, ist mir scheißegal. Unglaublich für eine junge Frau.“

Vielmehr will die Australierin auf etwas aufmerksam machen, das mit ihrem letzten Wunsch zusammenhängt: Sich selbst aussuchen zu können, wann sie nicht mehr leben will. Denn wie in den meisten Ländern der Welt, ist aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen, in Australien verboten.

Holly unterstützt die Organisation „Dying with Dignity“, „Sterben mit Würde“. Wenn die Schmerzen und die Hilflosigkeit unterträglich werden, möchte sie selbst den Schlussstrich ziehen. Dazu müsste die aktive Sterbehilfe jedoch erlaubt werden. Nur im australischen Bundesstaat Victoria wird ab Juni 2019 die Tötung auf Verlangen legalisiert, doch nur unter bestimmten Bedingungen, die Holly nicht erfüllt. Daher kämpft die 27-Jährige weiter auf ihren letzten Wunsch hin.

Auch in Deutschland ist die aktive Sterbehilfe verboten. Helfen Angehörige einer unheilbar kranken Person beim Sterben, bleiben diese jedoch zumeist straffrei.

Wenn ihr selbst depressiv seid, Selbstmord-Gedanken haben, kontaktiert bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhaltet ihr Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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