Duden 28. Auflage 12. August 2020
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Gebannt hängen die 18 Mädchen und Jungen einer Kita in Luby an den Lippen von Pavlína Kellerová. Sie erzählt von einem Pfannkuchen, der um keinen Preis verspeist werden möchte. Während die Geschichte in den Köpfen der kleinen Tschechen zum Leben erwacht, saugen sie ganz nebenbei deutsche Vokabeln wie Hase, Bär oder Fuchs auf.

„Mir geht es vor allem darum, dass die Kinder keine Vorbehalte gegenüber dem Nachbarland haben und ihre Neugier geweckt wird“, sagt die Tschechin, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Ihre Tochter sei zweisprachig aufgewachsen und im wöchentlichen Wechsel in Bad Elster und Luby in die Kita gegangen.

„Dadurch konnte sie zu 100 Prozent in die Sprache eintauchen.“ So kommt ein „Dobrý den“ (Guten Tag) leicht über die Lippen; im Polnischen hieße es „Dzień dobry“. Kurioserweise heißt „ganz egal“ im Polnischen „ganz egal“

Das Konzept verfolgt Kellerová auch mit ihrer Sprachanimation. Drei Kindergärten auf tschechischer und sieben auf deutscher Seite sowie zwei Grundschulen besucht sie jede Woche. Die Quereinsteigerin hat sich dafür beim Deutsch-Tschechischen Jugendaustausch Tandem, einem EU-Projekt, weiterbilden lassen.

Rund 200 Sprachanimateure seien seit 1997 in den Koordinierungszentren in Regensburg und Pilsen ausgebildet worden, berichtet die Mitarbeiterin Jana Kučerová. Aktuell arbeiten rund 80 zertifizierte Sprachanimateure in beiden Ländern, im direkten Grenzgebiet sind es mehr als 20.

Entlang der Grenze gibt es nach Angaben der Landesstelle für frühe nachbarsprachige Bildung rund 50 sächsische Kindergärten, die sich in unterschiedlicher Form mit Tschechisch oder Polnisch beschäftigen. Das Angebot reicht von länderübergreifenden Kita-Partnerschaften über regelmäßige Sprachangebote bis hin zur Betreuung durch Muttersprachler im Kita-Alltag.

In Sachsens Schulen lernen aktuell rund 5200 Kinder und Jugendliche die Sprachen der Nachbarn. Die Zahl hat sich nach Angaben des Kultusministeriums in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Am stärksten wuchs demnach die Schar der Polnisch-Lerner in Sachsens Grundschulen: von 401 auf aktuell 1032.

Regina Gellrich, Leiterin der Landesstelle für frühe nachbarsprachige Bildung, plädiert dafür, überall in den Grenzregionen ein durchgängiges Erlernen der polnischen oder tschechischen Sprache zu ermöglichen. Hier gebe es im Freistaat noch viel zu tun. Auch etliche Kitas seien noch recht zurückhaltend.

Immerhin seien viele Eltern in den vergangenen Jahren offener geworden, hat Gellrich beobachtet. Die Menschen müssten erfahren, dass es sich lohnt, Tschechisch oder Polnisch zu lernen. Nicht zuletzt gehörten beide Länder zu den zehn wichtigsten Wirtschaftspartnern Deutschlands. Damit seien entsprechende Sprachkenntnisse auch auf dem Arbeitsmarkt zunehmend relevant.

Quelle: dpa