saimaa finnland
Foto: Alex Stemmer/shutterstock

In Finnland gibt es 187.888 Seen, die über 500 Quadratmeter groß sind. Der größte See in Finnland ist der Saimaa-See mit einer Fläche von 1377 Quadratkilometern.

Der Saimaa-See in Finnland bildet seine Ufer ab wie ein riesiger Spiegel: die kleinen Stege ebenso wie die Möwen, die knapp über der Wasseroberfläche dahingleiten. Nur selten unterbricht das Brummen eines Motorbootes die Ruhe. Wer sich in der Region rund um den See bewegt, wird mit traumhaften Blicken und Stille belohnt.

„Vorsicht, jetzt wird’s steil“, ruft Ilmo, der Fahrradführer. Dann braust er den Berg hinunter. Die schmale Straße führt zwischen großen Fichten und Kiefern hindurch, vorbei an Schonungen und Lichtungen und endet an einer Brücke über eine schmale Wasserzunge. „Das ist schon der Saimaa-See.“ Der Saimaa ist Europas viertgrößter See. Zerfasert in Arme, Buchten und kleinere Seen, reicht er gut 250 Kilometer nordöstlich von Helsinki gelegen fast bis an die russische Grenze.

Wer im Seengebiet unterwegs ist, stößt zwangsläufig auf Ufer und Brücken. Von Anttola aus, einer Kleinstadt am nördlichen Ufer, geht es mit dem Rad gen Süden. Vom gemütlichen Radeln kann dabei keine Rede sein: „Die Berge am See sind immerhin bis zu 160 Meter hoch“, erzählt Ilmo.

Nach einer letzten Steigung auf der Insel Laajavuori steigt Ilmo mitten im Wald vom Sattel. „Wir sind in Finnland, ihr müsst nicht abschließen.“ Dann geht es los. „Das war eindeutig ein Elch, und er hatte es eilig“, sagt Ilmo nach nur wenigen Minuten und zeigt auf den Weg. Im Boden zeichnen sich Hufabdrücke ab. Ob eine Begegnung gefährlich wäre? „Der Elch hätte mindestens so viel Angst wie ihr.“

Über Stock und Stein führt der Weg: Matschiger Waldboden wechselt sich mit Granit ab. Manchmal sind die Steine mit Moos oder Flechten bewachsen, die silbrig-grau schimmern. Auch das Unterholz hat oft diese seltsame Farbe. Die zahllosen Blaubeersträucher brauchen noch einige Wochen, ehe die Ernte beginnt.

Gekennzeichnet wird der Weg durch farbige Bänder an Bäumen oder Steinen. Das hilft Ortsfremden, weil sich die finnischen Namen mit ihren vielen Buchstaben kaum jemand merken kann. Viele Rastplätze haben einen Laavu, ein Unterstand mit schrägem Dach. Dazu gehört eine Feuerstelle mit Bänken direkt am See.

Wer zu Fuß, per Rad, auf einem Pferd oder Skiern unterwegs ist, genießt in Finnland mehr Rechte als anderswo. Das „Jedermannsrecht“ regelt, dass sich jeder in der Natur frei bewegen kann, auch auf dem Land anderer, solange er keinen Schaden anrichtet. Wanderer dürfen ihr Zelt für einige Tage aufbauen und Fische zur eigenen Versorgung fangen, sofern sie dazu nur eine einfache Angel mit Wurm verwenden.

Wer nicht auf sein Angler-Glück vertraut, kann sich einen Rucksack fürs Picknick packen: Eine traditionelle Verpflegung ist Muikkukukko – ein Brot mit eingebackenen geräucherten Fischen. Ilmo deutet auf einige Steine in Ufernähe: „Eine Sauna.“ Den ungläubigen Besuchern erklärt er: „Zunächst macht man unter den Steinen ein Feuer.“ Zwei Stunden werden sie erhitzt, darum steht ein provisorisches Zelt. Für Abkühlung zwischen den Saunagängen sorgt ein Sprung in den See.

Dessen klares Wasser lässt sich auch von einem Boot aus genießen – etwa in einem so genannten Kirchenboot: „Die schlichten Ruderboote aus Holz gehörten früher einer ganzen Gemeinde zusammen“, sagt Tiina Leinonen, eine Führerin für Kanu-, Wander- und Radtouren. „Jede Familie bediente eine Ruderbank.“ So ging es am Sonntag zur Kirche.

Lautlos gleitet das Boot an den Landzungen und Schären des Saimaa vorbei. „Das Seengebiet ist sehr dünn besiedelt“, erzählt Tiina. Mit Glück können Touristen auf die seltene Saimaa-Ringelrobbe stoßen. Sie ist das am stärksten bedrohte Säugetier Finnlands. Öfter anzutreffen sind Fischadler, Pirol oder Birkhühner. An einigen Ufern sind auch Biber oder Hermelin zu Hause.

Wer im Juni am Saimaa unterwegs ist, wird gegen Abend mit einem Schauspiel belohnt: Rund um den Mittsommer ist der See in bläuliches Dämmerlicht gehüllt. An der Wasseroberfläche zieht Nebel auf, über den Wipfeln leuchtet der Himmel dunkelblau. Am Ufer tauchen Felsen auf: «Um den Fräuleinberg rankt sich eine Sage», sagt Tiina. Eine unglücklich verliebte Jungfrau habe sich vom Felsen gestürzt.

Der Aufstieg führt einen engen Pfad hinauf. Auf der Felsplattform angekommen, breitet sich der Saimaa wie eine riesige Malerpalette vor dem Betrachter aus: Seine Arme und Becken leuchten in Blautönen und Grauvarianten. Grüne Landzungen schieben sich in die Wassermassen und dunkle Felsen ragen heraus. Hütten oder Häuser sind nicht zu sehen – beim Radeln, Wandern oder Rudern am Saimaa begleiten mehr Möwen als Menschen den Urlauber.