„Bagatelle“ boykottiert Indianer-Kostüme an Karneval – kölscher Indigener wehrt sich

Indianer – ja oder nein? Es ist eine hitzige Debatte um das bunte Federkostüm, die "Bagatelle"-Chef Daniel Rabe derzeit umtreibt.
Bagatellle
Artist Orlando kommentiert das Bagatelle-Statement. Foto: Tonight.de
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Artist Orlando kommentiert das Bagatelle-Statement. Foto: Tonight.de

Mal setzt er sich öffentlich für Flüchtlinge ein, mal für Homosexuelle: „Bagatelle“-Chef Daniel Rabe bringt sich gerne mit allgemeinem Gutmenschentum ins Gespräch. Seine jüngste Idee: der Boykott von Indianer-Kostümen an Karneval. „Kauft euch kein Ticket, wenn ihr Ganzkörpertierkostüme tragt, ihr kommt damit nicht rein. Gleiches gilt für SWAT und Menschen, die aus Protest gegen ’ne linke, woke Grundhaltung Indianer:in werden“, postet er auf der Facebook-Seite seines beliebten Lokals „Bagatelle“.

Der Beitrag schlägt große Wellen auf Social Media – und er polarisiert. Ein „echter Indianer“ meldete sich nun bei Tonight News zu Wort. „Ich finde, jeder sollte sich verkleiden dürfen wie er möchte“, sagt Artist Orlando. Der Kölner Künstler, der den südamerikanischen Indigenen abstammt, fühlt sich von Indianer-Kostümen nicht diskriminiert: „Die Kultur hat sich weiterentwickelt. Niemand trägt ein Indianer-Kostüm, um sich kolonial zu verhalten oder um sich eine fremde Kultur anzueignen.“ Orlando holt aus: „Köln ist doch immer so stolz auf Multikulti. Dann muss man das auch leben.“ Der gebürtige Kolumbianer geht sogar noch einen Schritt weiter: „Den Leuten so ein Kostüm zu verbieten, das ist die eigentliche Diskriminierung und das ist auch koloniales Verhalten, wenn man nämlich hingeht und Leuten sagt, wie sie zu leben haben.“

Orlando

Orlando ist selbst indigen, hier mit traditioneller Kriegsbemalung. Foto: Artist Orlando

Artist Orlando  halte das Posting der „Bagatelle“ sogar für „eine sehr gut eingefädelte Werbekampagne auf Kosten der Indigenen.“ Will man sich in der „Bagatelle“ etwa mit fremden Federn schmücken, während man Karnevalisten genau das verbietet? „Nein“, sagt Daniel Rabe im Gespräch mit Tonight News. Der Wirt rudert zurück: „Das war gar nicht so gemeint. Wenn jemand aus normalen Gründen Indianer werden möchte, kommt er selbstverständlich auch so herein. Nur, wenn das Leute aus Protest machen, weil sie sagen ‚Ich lasse mir von den Grünen nicht das Kostüm verbieten‘, dann nicht.“ Wie die Unterscheidung dieser beiden „Lager“ vonstatten gehen soll, bleibt wohl vorerst noch ein gut gehütetes Betriebsgeheimnis…