Düsseldorfer „Bares für Rares“-Händler sitzt auf Berg von gefragten Filmrequisiten

Viele kennen ihn aus der ZDF-Sendung "Bares für Rares": Der Düsseldorfer Markus Wildhagen ist einer der führenden Requisiten-Verleiher für Filmproduktionen.
Der Kunst und Antiquitätenhändler Markus Wildhagen
Markus Wildhagen sitzt in seinem Geschäft zwischen Antiquitäten in Düsseldorf. Foto: David Young/dpa
Markus Wildhagen sitzt in seinem Geschäft zwischen Antiquitäten in Düsseldorf. Foto: David Young/dpa

ZDF-Zuschauer werden ihn bereits kennen. Denn dort ist er beim Dauerbrenner „Bares für Rares“ mit dabei. Markus Wildhagen ist seit mehr als sechs Jahren und 400 Sendungen einer der Händler, die regelmäßig Raritäten ersteigern. Was deutlich weniger Menschen wissen: Ob Schreibmaschinen für „Der Untergang“ oder Möbel und Lampen für „Grand Budapest Hotel“ – wenn ein opulentes Film-Epos mit historischem Set gedreht werden soll, fällt oft sein Name.

Der Antiquitäten-Händler hat über die Jahrzehnte einen Fundus von 20.000 bis 30.000 Stücken aufgebaut, der als einer der größten in Europa gilt. Auf 1300 Quadratmetern einer ehemaligen Schnapsfabrik in Düsseldorf-Unterbilk hängen rund 1000 verschiedene Lampen aus 140 Jahren an der Decke.

Markus Wildhagen: Keine historische Filmproduktion kommt ohne ihn aus

Der Fundus in Babelsberg sei natürlich größer, aber selbst „Babylon Berlin“ kam nicht ohne ein paar Stücke aus Wildhagens Refugium aus. Gerade waren die Netflix-Macher für die Ausstattung der „Hunger Games“ zu Besuch. Seine Kunden sind Filmausstatter wie der oscarnominierte Bernhard Henrich.

„Die Manns“ wurden ebenfalls mit Requisiten aus Düsseldorf bestückt und das TV-Drama um das Luftschiff „Hindenburg“: „Die 200 alten Koffer, mit denen die Passagiere zum Luftschiff laufen, sind alle von hier“, sagt Wildhagen.

Seine Unikate waren in „Das Parfum“ zu sehen, in „Hotel Lux“ oder „Das Adlon“. Für das „Wunder von Bern“ steuerte er Möbel und Fahrräder aus den 1950ern bei. Für „Das Parfum“ waren es Labor-Utensilien.

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Devotionalien bis unter die Decke komprimiert

Ein rostender Oldtimer weist den Weg zu diesen Stücken. Im Düsseldorfer Hinterhof muss der Besucher erstmal gegen die Reizüberflutung ankämpfen: Designstücke der vergangenen Epochen sind hier bis unter die Decke komprimiert.

Auch viele Werbekampagnen wurden aus diesem Fundus bestückt. „Oft ist es gar nicht New York, sondern Unterbilk“, sagt Wildhagen. Wer eine Stilikone aus den Design-Epochen Bauhaus, Art Déco oder Jugendstil sucht, hat besonders gute Chancen, bei ihm fündig zu werden.

Ob eine alte Telefonzelle aus Holz oder ein gewaltiger Scheinwerfer von einem Marineschiff aus DDR-Produktion, die Auswahl ist gewaltig. Etwa 100 LKW-Ladungen hat er in den vergangenen Jahrzehnten zusammengekauft, schätzt Wildhagen.

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Vom Großvater mit der Ästhetik-Leidenschaft infiziert

Für den Film „Good Bye Lenin“ vom Ende der DDR hätten die Macher eigentlich noch genug Requisiten vor Ort in Berlin finden können, könnte man glauben, aber falsch: Auch für diesen Film kamen Requisiten aus den 1970er-Jahren aus Düsseldorf zum Einsatz.

Mitten in dem Gewimmel der alten Fabrikräume steht in einem Seitentrakt ein weißes Strandhaus im Sand. „Für Bademoden-Shootings auch im Winter.“ Wildhagen stattet auch Ladenlokale, Schaufenster und Messestände aus.

30 Jahre gibt es seinen Antiquitätenhandel, Wildhagen ist aber schon seit 43 Jahren im Geschäft. Mitschuld an seiner ungewöhnlichen Laufbahn habe wohl sein Großvater, ein Architekt, der ihn mit seinem Bewusstsein für schöne Dinge infiziert habe.

Markus Wildhagen: Seit „Bares für Rares“ zu viele Anfragen, um alles zu bearbeiten

Seit „Bares für Rares“ hat sich für Wildhagen vieles verändert: „Ich bekomme am Tag bis zu 300 Fotos geschickt mit der Bitte um Expertise. Viele verstehen dabei nicht, wie viel Arbeit das ist, die man nicht mal eben so aus dem Ärmel schütteln kann.“

Viele Angebote muss der 56-Jährige inzwischen ausschlagen: „Ich werde nach Mallorca oder Meran eingeladen, um dort Sammlungen zu schätzen, oder für Haushaltsauflösungen angefragt.“

Dabei wäre es mit seiner eigenen TV-Karriere fast nichts geworden: „Ich habe zwei Jahre lang Nein gesagt – mich dann aber zum Glück doch noch umstimmen lassen.“

dpa