Richy Müller Tatort Thorsten Lammert
Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Hätte er nicht vor der Kamera gestanden bei seinem ersten großen Filmerfolg Ende der 70er, dann würde nun ein schauspielernder Hans-Jürgen aus dem smarten alten braunen Porsche aussteigen und auf Verbrecherjagd gehen und kein Richy.

Denn seinen Künstler-Vornamen verdankt Hans-Jürgen „Richy“ Müller seiner gleichnamigen Rolle als jugendlicher Außenseiter im ersten Filmerfolg „Die große Flatter“ (1979). Sie ebnete dem Charakterkopf den Weg auf die Bühnen und in die TV- und Filmproduktionen.

Jahrzehnte später gehört Müller zur ersten Garde der deutschen Schauspieler – und zu den erfolgreichsten TV-Cops bei seinen sonntäglichen Auftritten als Stuttgarter „Tatort“-Kommissar Thorsten Lannert.

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Dabei hätte Lanne…. sorry, nein, Müllers Karriere auch völlig anders verlaufen können. Denn der gebürtige Mannheimer, der am 26. September 65 Jahre alt wird, ist eigentlich gelernter Werkzeugmacher wie sein Vater.

Acht Jahre lang stählte er sich in seiner Jugend zudem als Leistungsturner, landete aber schließlich für zwei Jahre an der Bochumer Schauspielschule, bevor er nach Berlin zog. Lange hat es gedauert, bis Müller das Image des raubeinigen Machos und harten Lederjacken-Typs aus dem ersten Filmerfolg wieder los wurde.

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„Es hat mich 15 Jahre Kampf gekostet, aus dem Rollenklischee rauszukommen“, sagte er vor einiger Zeit in einem Zeitungsinterview. Produzenten oder Regisseure hätten sich damals nicht vorstellen können, dass er auch ganz andere Figuren verkörpern könne.

Konnte er durchaus und hat es seitdem auch abseits des „Tatort“ bewiesen. Nach Theaterrollen vor allem in den 80ern kehrte er zurück vor die Kamera, übernahm Hauptrollen in „Irren ist männlich“, als getriebener Ex-Terrorist und Vater in „Die innere Sicherheit“ von Christian Petzold und in der Gudrun Pausewang-Verfilmung „Die Wolke“.

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Für seine Rolle als Gutsverwalter im Spielfilm „Poll“ wurde er 2011 mit dem Deutschen Filmpreis für die beste männliche Nebenrolle ausgezeichnet. „Es war immer mein Ziel, in die Haut anderer Menschen zu schlüpfen“, sagt Müller über seine Rollenauswahl. „Die Figuren sind wichtig, nicht die Darsteller.“

Aber Bühne und Kamera, das sind nicht die einzigen Leidenschaften des Wahlbayern vom Chiemsee und zweifachen Vaters: Müller hat ein Faible fürs Tempo und für den Motorsport. Er war bereits bei Autorennen mit dabei.

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Beim Porsche Cup gab er zwischen 2011 und 2013 selbst Gas und trat in derselben Zeit als TV-Experte für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans auf. „Mein Vater ist der sicherste Autofahrer der Welt“, lobt ihn seine Tochter, die Autorin Paulina Czienskowski.

Seit Anfang der 2000er fährt Müller Porsche. Seine Begeisterung für die Marke hat auch das alte braune Modell in die „Tatort“-Drehbücher gebracht. „Das war so ein Wunsch von mir“, verrät Müller im Interview mit der ARD.

„Ich fand Lannert schnell im Kopf, körperlich fit, und dazu würde ein alter Sportwagen aus Stuttgart passen.“ Für Müller hat der Wagen mittlerweile auch ein Image: „Das Auto ist zur Schimanski-Jacke des 21. Jahrhunderts geworden“, scherzt er.

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Einziges Problem: „Um jemanden abzuführen, ist es ein bisschen eng.“ Die Bücher seien nun immer so geschrieben, dass sein Rollen-Kollege, Kriminalhauptkommissar Sebastian Bootz, auch stets mit dem Auto am Ort sei.

Das dürfte auch trotz der bislang 25 Fälle des „Tatort“-Duos noch das eine oder andere Mal der Fall sein: „Für mich wirkt es nach wie vor so, als hätte ich gerade angefangen“, sagt Müller der ARD.

Quelle: dpa