Phil Collins 2016
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Wer in Paris lebt, isst rund um die Uhr Croissants. Verbringt die Mittagspausen bei Traumwetter in den schönsten Parks. Und der Eiffelturm ist auch immer mit im Spiel – genauso wie Champagner und eine Ménage à trois.

Wenn es nach der neuen Netflix-Serie „Emily in Paris“ geht, sieht das Pariser Leben genauso aus. Die Geschichte über eine junge Amerikanerin aus Chicago, die aus beruflichen Gründen in die Seine-Metropole zieht, trieft nur so vor Klischees. Das ist einerseits lustig anzusehen, andererseits aber auch problematisch. Star von „Emily in Paris“ ist übrigens Lily Collins, die Tochter von Musiklegende Phil Collins.

In Frankreich schmunzelt man über die Serie von US-Autor Darren Star, der schon die Idee zu „Sex and the City“ hatte. In Deutschland kletterte „Emily in Paris“ direkt nach dem Start vor rund einer Woche an die Spitze der Netflix-Charts.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Emily Cooper (Lily Collins) arbeitet bei einer Marketingfirma in den USA – und soll eine Tochterfirma in Paris beraten. Paris, ein Traum für Emily. Diese kann leider nur „Bonjour“ und „Merci“ auf Französisch. Ihre neue Chefin Sylvie (Philippine Leroy-Beaulieu) hält von Emilys Social-Media-Ideen herzlich wenig.

Emily begegnet in Paris so ziemlich jedem Klischee, dass es über die Stadt und die Menschen gibt: Die Kellner sind unfreundlich, die Stadt dafür wunderschön und alle rauchen immer, sind aber faul. Der Nachbar eine Etage weiter unten ist nicht nur hübsch, sondern auch ein super Koch. Emily stolpert durch das Disneyland-Paris mit hohen Hacken und Baskenmütze und wird nebenbei mit ihren Instagram-Posts von Croissants und Baguette auch noch zur Influencerin.

Schon Emilys Ankunft in Paris gestaltet sich als märchenhafte Stadtrundfahrt. Wer jemals mit Taxi vom Flughafen Charles-de-Gaulle in die Stadt gefahren ist, kennt die menschenunwürdigen Migrantencamps an den Stadttoren. So wird man in Paris begrüßt – und nicht vom Triumphbogen oder der Opéra Garnier. Emily bezieht dann, so erklärt es ihr Makler, ein sogenanntes Chambre de bonne. Die Dienstmädchenzimmer befinden unter dem Dach, mehr als Bett und Tisch haben darin keinen Platz. Emilys Zimmer ist jedoch weder unter dem Dach, noch hat es die Größe einer Streichholzschachtel. Egal.

Und Paris sei über Generationen zum Mythos geworden, zu einer Marke, so die Autorin. Welche Amerikanerin, welcher Amerikaner ist in Paris nicht auf den Spuren von Autor Ernest Hemingway – der verlorenen Generation Intellektueller, die in Pariser Bars Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Heimat fanden. Bestes Beispiel dafür ist Woody Allens „Midnight in Paris“. Oft endet diese Suche dann in einem überteuerten Touristen-Restaurant am Place de la Contrescarpe, wo Hemingway viel Zeit verbrachte. Ganz in der Nähe wohnt auch Emily – mit Literatur hat sie allerdings nichts am Hut.

Und während bei «Emily in Paris» französische Männer natürlich à la Emmanuel Macron reifere Frauen lieben und Frauen nichts von „MeToo“ halten, kommt auch Emily als Amerikanerin als wandelndes Klischee daher: prüde, ignorant, naiv. Alles vielleicht nur Satire? Nein, eher nicht. Es sei aber gut, dass sich die Amerikaner durch diese Serie auch beleidigt fühlen, resümiert das französische Filmportal Premiere.

Quelle: dpa