Foto: Shutterstock/Blackregis
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Jean Todt ist Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA. Damit ist der Franzose, der früher Ferrari-Teamchef in der Formel 1 war, auch für die „Königsklasse des Motorsports“ verantwortlich und es wäre nicht besonders verwunderlich, würde er sich unkritisch über die Formel 1 äußern. Doch der gute Freund von Formel-1-Legende Michael Schumacher hat ein großes Problem mit den deutschen TV-Übertragungen der Formel 1 auf RTL – und nimmt bei seiner Kritik am Kölner Privatsender kein Blatt vor den Mund.

Der Auslöser seiner Wut? Der Sender zeige zu wenig Sport, dafür aber umso mehr Werbung. „Ich habe durch Zufall kürzlich die Übertragung des Großen Preises von Brasilien bei RTL gesehen und wurde dadurch zum maximal frustriertesten Fernsehzuschauer, den man sich vorstellen kann“, sagte der 72-Jährige im Interview mit der „Welt am Sonntag“.

„Weil ich mehr Werbung geliefert bekam als ein Formel-1-Rennen. Wenn ich ein deutscher Formel-1-Fan wäre und RTL sehen würde, sorry, dann wäre ich über die Formel 1 frustriert“, argumentierte der Franzose – und spricht damit wohl vielen deutschen Formel-1-Fans aus der Seele.

Die Antwort von RTL ließ nicht lange auf sich warten. „Seit 1991 übertragen wir nun die Formel 1, das Geschäftsmodell ist seither immer das Gleiche geblieben“, verteidigte RTL-Sportchef Manfred Loppe das Geschäftsmodell des Privatsenders. „Wir sind nicht beitragsfinanziert und deshalb müssen wir unser Geld durch Werbung verdienen“, führt er aus.

Nur so sei man in der Lage, „den vielen Millionen Fans diesen hochattraktiven und entsprechend teuren Sport kostenlos frei Haus liefern zu können – anders übrigens als in vielen anderen Motorsportnationen.“ Zugleich verwies er darauf, dass RTL maximal zwölf Minuten Werbung pro Stunde senden dürfe: „Entsprechend ist Jean Todts Rechnung nicht richtig.“ Die Aussagen des französischen FIA-Chef decke sich nach Loppes Worten auch nicht mit dem „deutlichen Anstieg unserer Zuschauerzahlen in diesem Jahr und der großen Wertschätzung, die uns Lizenzgeber Liberty Media entgegenbringt“.

RTL zeigt seit dieser Saison die Formel 1 exklusiv im deutschen TV, nachdem zuvor jahrelang auch der Pay-TV-Sender Sky, der bei der Ausstrahlung auf Werbeunterbrechungen verzichtete, die Rennen live übertragen hatte. Sky war vor dieser Saison ausgestiegen, weil der Sender die Rennen exklusiv in Deutschland ausstrahlen wollte.

Das macht aber jetzt RTL – mindestens bis zum Saisonende 2020. Und mit ordentlich Werbung. Jean Todt hat es gut, er wird wahrscheinlich nur die wenigsten Rennen im deutschen TV ertragen müssen.

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