Iranische Firmen auf der Medica: Stadt verteidigt Messeteilnahme

Auf der Medizinmesse Medica waren auch 22 Firmen aus dem Iran vertreten. Von mehreren Seiten wird dies heftig kritisiert. Die Messegesellschaft verweist auf die Rechtslage. Düsseldorfs Oberbürgermeister Keller kann den Unmut dennoch "sehr gut verstehen".
Medizinmesse Medica
Eine Tüte auf der diesjährigen "MEDICA"-Messe in Düsseldorf. Foto: Roberto Pfeil/dpa
Medizinmesse Medica
Eine Tüte auf der diesjährigen "MEDICA"-Messe in Düsseldorf. Foto: Roberto Pfeil/dpa

Unmut nach der Medizinmesse Medica in der Stadt Düsseldorf. Dort wurde die umstrittene Teilnahme iranischer Unternehmen an der Donnerstag zu Ende gegangenen Messe gegen Kritik verteidigt. „Keines der iranischen Unternehmen war mit Sanktionen belegt. Die geltenden Verträge wurden lange vor der aktuellen Protestbewegung geschlossen“, erklärte Messechef Wolfram Diener laut einer Mitteilung der Stadt vom Sonntag. Daher sei es juristisch nicht möglich gewesen, die Messeteilnahme zu verhindern. Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) sagte: „Wenn ausländische Aussteller über gültige Visa verfügen, können wir sie nicht hindern, an unserer Messe teilzunehmen.“

Unter anderem hatte am Samstag die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisiert, dass auf der „international größten Messe für Medizintechnik das verbrecherische Regime des Iran ungehindert für sich und seine Geschäfte werben“ könne. Kritik kam auch von den Düsseldorfer Jusos. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag) hatte über den Protest einer Zahnärztin mit iranischem Hintergrund an den Ständen der iranischen Firmen berichtet.

Auf der Fachmesse (14. bis 17. November) hatten knapp 4500 Unternehmen aus 69 Ländern ihre Produkte präsentiert. Nach Angaben der Messegesellschaft kamen 22 Unternehmen aus dem Iran. Die Stadt Düsseldorf ist Mehrheitsgesellschafterin der Messegesellschaft.

Strack-Zimmermann hatte Konsequenzen gefordert: „Es muss geklärt werden, wie es zu dieser Genehmigung kommen konnte und wer dafür verantwortlich ist“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Es sei nicht zu tolerieren, dass ein Regime, das Menschenrechte mit Füßen trete und Frauen willkürlich töte, im liberalen Düsseldorf für sich werben könne. Die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete ist Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags und Ratsmitglied in der Landeshauptstadt.

Der Oberbürgermeister könne den Unmut vieler Menschen über die Teilnahme iranischer Unternehmer an der Medica „sehr gut verstehen“, teilte die Stadt weiter mit. Um eventuelle Missverständnisse auszuräumen und Wege der konkreten Unterstützung besprechen zu können, lade der Oberbürgermeister für die kommende Woche Vertreterinnen und Vertreter der iranischen Community zu einem persönlichen Gespräch ins Rathaus ein.

dpa