Joker Joaquin Phoenix
Foto: Niko Tavernise/Warner Bros. Entertainment/dpa

Schon vor dem offiziellen Kinostart warnten Kritiker vor der gezeigten Gewalt in der Comic-Adaption „Joker“, jetzt dürften sie sich bestätigt fühlen. Zuschauer verließen den Film mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle vorzeitig und sprachen zudem eine Warnung aus.

Satte 93,5 Millionen Dollar (etwa 85 Millionen Euro) spielte der Thriller „Joker“ in den USA und Kanada an seinem ersten Wochenende ein – Rekord für ein Debüt im Oktober, wie der „Hollywood Reporter“ berichtete. Und dennoch gefiel offenbar längst nicht jedem Kinobesucher das, was er auf der Leinwand zu sehen bekam.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter häufen sich die Meldungen derer, die den Film, der hierzulande am 10. Oktober in den Kinos startet, entweder nicht zu Ende schauen konnten oder auch danach noch stundenlang über das nachdenken mussten, was sie da gesehen haben.

„Der ‚Joker'“ hat mich mental fertiggemacht und ehrlich gesagt habe ich bislang kaum einen Film erlebt, der einen so großen Einfluss auf meine geistige Verfassung hatte. Ich wusste, dass der Film gut werden würde, aber ich war nicht bereit für das posttraumatische Filmerlebnis“, schreibt etwa ein Twitter-User. Ein anderer kommentiert: „Habe gerade den Film verlassen. Konnte es einfach nicht aushalten.“

https://twitter.com/RidzwanYakub/status/1179810426587996160

Vermehrt warnen Zuschauer auch davor, dass Menschen, die depressiv oder nicht in guter psychischer Verfassung seien, den Film auf jeden Fall meiden sollten. „Der ‚Joker‘ sollte eine Trigger-Warnung haben. Alle, die an Depressionen oder psychischen Störungen leiden, sollten gewarnt sein. Ich hatte nach 20 Minuten eine verdammte Panikattacke“, heißt es etwa in einem Beitrag.

In einem anderen Tweet ist zu lesen: „Wenn ihr ein starker Befürworter der psychischen Gesundheit seid, empfehle ich, dem Film fernzubleiben. Ich bin noch nie zuvor während eines Films gegangen, bis gestern.“

Bereits vor dem Kinostart des Films, der ab 16 Jahren freigegeben ist, sah sich das Hollywoodstudio „Warner Bros.“ zu einer Klarstellung genötigt. Grund war ein besorgter offener Brief von Familien, die vor sieben Jahren bei einem Massaker in einem Kino in Aurora im Bundesstaat Colorado Angehörige verloren hatten.

Damals hatte ein Angreifer am 20. Juli 2012 bei einer Premiere des Films „Batman – The Dark Knight Rises“ wahllos ins Kinopublikum gefeuert, zwölf Menschen getötet und 70 weitere verletzt. Vor Gericht erschien der Täter später mit orangerot gefärbten Haaren wie der „Joker“.

Das Filmstudio erklärte schließlich in einer Reaktion auf den offenen Brief: „Seien Sie sich sicher: Weder der fiktionale Charakter von „Joker“ noch der Film sind eine Billigung realer Gewalt jeglicher Art. Es ist nicht die Absicht des Films, der Filmemacher oder des Studios, diesen Charakter als Held hochzuhalten“. Hier könnt ihr euch zumindest im Trailer einen ersten, eigenen Eindruck machen:

Die Opferfamilien erklärten zuvor, es gebe ihnen zu denken, dass die Entwicklung des Film-„Joker“ mitfühlend beschrieben werde. Der Angreifer von Aurora sei sozial isoliert gewesen und habe sich von der Gesellschaft schlecht behandelt gefühlt – ähnlich wie nun auch die Kinofigur.

Denn der „Joker“ ist ein unter Depressionen leidender Mann, der sich als Stand-Up-Comedian versucht, von der Gesellschaft immer wieder zurückgewiesen wird und dann zu extremer Gewalt greift.

Quelle: mit Agenturmaterial (AFP/dpa)