Tatort Schoggiläbe
Foto: ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek

Dass manche auf der Schokoladenseite des Lebens geboren werden und manche nicht, ist Grundthema des Schweizer „Tatorts“. Um Schokolade geht es auch ihrem zweiten Einsatz, den das Duo fast nicht überlebt.

Ein Schokoladenfabrikant wird tot in seiner Villa in Zürich gefunden – offensichtlich erschossen oder erschlagen. Ein Machtkampf in der Firma? Ein Erbstreit? Eine Beziehungstat? Eine Erpressung? Der Kreis der Verdächtigen ist groß, ziemlich oft stellt Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) die immer gleiche Frage: „Was haben Sie am Samstagabend gemacht?“

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Die Schweizer schicken im „Tatort“-Fall „Schoggiläbe“ – also Schokoladenleben, auf hochdeutsch etwa: auf der Sonnenseite geboren – zum zweiten Mal Grandjean und ihre Partnerin Tessa Ott (Carol Schuler) ins Rennen um die Gunst des Sonntagabend-Publikums (20.15 Uhr, Das Erste). 7,45 Millionen haben im Oktober eingeschaltet.

Grandjean, die es aus kleinen Verhältnissen mit einem Jurastudium nach oben geschafft hat, fühlt sich sichtlich unwohl im Reichen-Milieu des Schoko-Fabrikanten Hans-Konrad Chevalier. Ott ist dagegen ganz in der Nähe privilegiert aufgewachsen und kennt die Chevaliers sogar. Gemeinsamen decken beide den Machtkampf zwischen Chevaliers Mutter Mathilde (Sibylle Brunner) und seiner Tochter Claire (Elisa Plüss) auf, und sie finden den Stricher (Csémy Balazs), mit dem der schwule Chevalier ein Verhältnis hatte.

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Natürlich ist alles komplizierter als im ersten Moment gedacht. Seit der Mordnacht untergetaucht ist die Haushälterin von Chevalier, eine junge Ausländerin ohne Arbeitserlaubnis. Mathilde hat die Zeugung von Claire mit mehr Einsatz organisiert, als das Mädchen ahnt, um trotz schwulem Sohn die Familiendynastie aufrechtzuerhalten. Zu allem Überfluss ist Claire auch noch ist mit dem Anwalt ihres Vaters verlobt, der ganz eigene Pläne für die Zukunft der Firma hat. Auch den Stricher verbindet mehr als nur Zuneigung mit Chevalier.

Während Grandjean und Ott das Knäuel der Spuren entwirren, geraten sie in eine tödliche Gefahr. Ott versagt in der kritischen Situation. Sie bringt sich und ihre Kollegin in Lebensgefahr, weil sie es nicht übers Herz bringt zu schießen. Ermittler im wahren Leben dürften bei dieser Darstellung kritisch hinschauen. Das „Tatort“-Duo kassierte bei seinem Debüt im vergangenen Oktober („Züri brännt“) schon Häme, weil Grandjean den Waffenholster falsch herum trug. Der Griff der Waffe zeigte nach hinten – für die Kommissarin wäre es unmöglich gewesen, zu ziehen.

Eines ist auch im zweiten „Tatort“ mit diesem Duo klar: Grün sind sich die beiden noch nicht. Zwischen ihnen liegt immer Rivalität und Spannung in der Luft. Grandjean will zeigen, dass es eine aus kleinen Verhältnissen in der französischsprachigen Schweizer Provinz sehr wohl in der Großstadt Zürich schaffen kann. Ott will sich von den Fesseln ihrer privilegierten Herkunft befreien.

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Es gibt in der „Tatort“-Reihe spöttische, witzige, charmante, warmherzige und kaltschnäuzige Kommissarinnen und Ermittler. Es gibt solche, die ihre Kollegen in den Schatten stellen und Duos, die nur im Doppelpack genial sind. Woran die Zuschauer mit dem Schweizer Paar sind, muss sich noch zeigen. Mit Spott, Witz, Charme, warmem Herzen oder kalter Schnauze punkten sie jedenfalls nicht.

Die Ermittlerinnen laborieren vielmehr an ihrer Vergangenheit. Grandjean ist nicht souverän. Es fällt noch schwer, ihr die ganz großen Auftritte zuzutrauen. Ott scheint von Frust getrieben. Wie sie den bei einem alkoholgetränkten Clubabend entfesselt mit einem Typen in der Sofaecke abreagiert, ist auch nicht gerade vertrauenserweckend.

„Mir war wichtig zu zeigen, dass die Hauptfiguren ambivalent und vielschichtig sind, mit einer selbstbewussten Weiblichkeit und einer Freude und Stolz, Frau zu sein“, sagt Regisseurin Viviane Andereggen.

Quelle: dpa