„Tatort“ heute: Das passiert in „Das Herz der Schlange“ aus Saarbrücken

Dieser "Tatort" ist besonders. Ein Fall, der einem perfekten Verbrechen nahekommt. Und der die Saarbrücker Kommissare an ihre Grenzen führt.
Tatort: Das Herz der Schlange
Der Saarbrücker Tatort "Das Herz der Schlange" wird am 23. Januar 2022 ausgestrahlt. Foto: SR/Manuela Meyer
Tatort: Das Herz der Schlange
Der Saarbrücker Tatort "Das Herz der Schlange" wird am 23. Januar 2022 ausgestrahlt. Foto: SR/Manuela Meyer

Eigentlich fing alles so schön an. Doch kaum nähern sich die jungen „Tatort“-Ermittler in Saarbrücken gerade etwas an, wird ihre Freundschaft gleich auf eine harte Probe gestellt. Der dritte Fall „Das Herz der Schlange“ läuft am Sonntag 20.15 Uhr.

Denn als Hauptkommissar Adam Schürk (Daniel Sträßer) beim gemeinsamen Restaurantbesuch eine SMS von seinem gewalttätigen, verhassten Vater bekommt („Adam, es geht um deine Mutter! Bitte komm!“) ist der nette Abend gleich vorbei. Nicht nur für ihn. Auch Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) muss sich mit Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) noch auf den Weg zu einer Leiche machen. Neben der Toten in der Villa findet sich gleich der mutmaßliche Täter – schwer verletzt.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen? Wer hätte ein Motiv? Und wer ist der Strippenzieher im Hintergrund? Klar, um all das geht es. Aber eigentlich um noch viel mehr: um Vertrauen vor allem, um Freundschaft und Loyalität. Um die Wahrheit, die eben manchmal nicht so simpel ist, wie sie auf den ersten Blick scheint. Und auch um die Frage, wie weit man als Kommissar gehen darf und gehen muss. Sprich: Braucht es unbedingt eine „saubere Beweiskette“, wie Hauptkommissarin Esther Baumann (Brigitte Urhausen) sie einfordert? Oder wagt man gemeinsam den „Adam-Style“?

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Lob für die Tatort-Regisseurin

Luzie Loose (32) jedenfalls, die zum ersten Mal Regie bei einem „Tatort“ geführt hat und für die sich damit ein lang gehegter Wunsch erfüllt, wagte mehr als die übliche Sonntagabend-Unterhaltung. Sie setzt das dritte Drehbuch von Hendrik Hölzemann für das junge Ermittler-Team in einen packenden, mitunter düsteren Thriller um, in dem die emotionale, seelische Gewalt gegenüber der körperlichen überwiegt. Und bei dem statt der bloßen Ermittlungsarbeit und Mörder-Jagd vor allem die Psychologie der Beteiligten im Mittelpunkt steht. Nicht nur die von Adams sadistischem Vater Roland Schürk (Torsten Michaelis) und seinem perfiden Plan, sondern speziell die von Leo Hölzer.

Denn Hölzer muss nicht nur zwei Mordfälle klären und ein Team in einer Ausnahmesituation führen, sondern hat auch mit starken inneren Konflikten zu kämpfen. „Eine unfassbare Herausforderung“ sei es gewesen, diese Palette an Emotionen zu spielen, sagte Vladimir Burlakov im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Und zugleich ein „tolles Geschenk“. Luzie Loose sei „absolut großartig“ gewesen und habe ihn zu Bestleistungen getrieben.

Für die 32-Jährige selbst bestand nach eigener Aussage die größte Herausforderung vor allem darin, für sie als Regisseurin den Druck herauszunehmen, dass sie nun für ein etabliertes Format wie den „Tatort“ drehe. „Für mich ist das Kult“, gibt sie zu. Doch davon habe sie sich freimachen und darauf vertrauen müssen, dass ihr der Produzent und die Redaktion nicht ohne Grund diese Aufgabe übertragen habe. „Weil sie wirklich wollen, dass ich meinen Film daraus mache“, sagt sie.

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Tatort „Das Herz der Schlange“: Profilschärfung der Rollen im Fokus

Da passte es jedoch gut, dass sie immer jene „Tatort“-Fälle am liebsten mochte, die das übliche Genre ein wenig verlassen und experimenteller sind. Dass das „Herz der Schlange“ unter die Haut geht, ist zugleich der Musik des schwedischen Jazzpianisten Martin Tingvall und dem Blick von Kamerafrau Anne Bolick zu verdanken. Mit ihr hatte Luzie Loose unter anderem schon beim Spielfilm „Schwimmen“ erfolgreich zusammengearbeitet, der 2018 bei den Hofer Filmtagen mit dem Goldpreis für die beste Regie ausgezeichnet wurde.

Letztendlich eine tolle Teamarbeit – nicht nur hinter der Kamera, sondern auch im Saarbrücker Kommissariat. Anders als im Debüt „Das fleißige Lieschen“ (2019) und dem zweiten Fall „Der Herr des Waldes“ (2020) haben die beiden Frauen nun einen deutlich stärkeren Anteil an den Ermittlungen und entwickeln ihr eigenes Profil. Das wird sowohl den Schauspielerinnen als auch ihren Rollen gerecht.

So scheinen die vier jedenfalls zu einem Team zusammenzuwachsen, das durch diesen Fall auf besondere Weise zusammengeschweißt wird. Alte Geheimnisse mögen dabei geklärt sein – die Verbindungen in die Vergangenheit reißen dennoch nicht ab.

Und dann gibt es ja auch noch den Cliffhanger mit jenem Hinweis, den Adam von seinem Vater mit auf den Weg bekam. Keine Frage: Es bleibt spannend, wie es mit den Saarbrücker Kommissaren weitergeht…

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