Michael Steinbrecher SWR Nachtcafé
Foto: Inga Kjer/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Seit mittlerweile über drei Jahrzehnten gibt es das SWR Nachtcafé. Dabei hat es in der Show aber nur zwei Gastgeber gegeben, geprägt wurde sie von Wieland Backes. Wir geben euch alle Infos und sagen euch, wer in der nächsten Ausgabe zu Gast ist.

Am Freitag, 22. Januar 2021 (22 Uhr bis 23.30 Uhr) wird wieder eine neue Folge vom SWR Nachtcafé ausgestrahlt. Das Thema der Sendung lautet „Tabukrankheiten – wofür schämen?“.

Das sind die Gäste des SWR Nachtcafé am 22. Januar:

  • Sara Wendhack (leidet an kreisrundem Haarausfall)
  • Patrick Schloss (hat einen künstlichen Darmausgang)
  • Melanie Clauss (Zwänge dominieren ihr Leben)
  • Inge Erdinger (leidet an einem Lipödem)
  • Steve Pinther (ist an Hyperhidrose erkrankt)
  • Dr. Yael Adler (Hautärztin)

Das sind die Themen des SWR Nachtcafé am 22. Januar:

„Tabukrankheiten – wofür schämen?“

„Peinlich!“, „Eklig!“ oder „Hässlich!“ – noch immer gibt es zahlreiche Krankheiten, bei denen Betroffene neben körperlichen oder psychischen Leiden auch noch mit den schrägen Blicken oder gerümpften Nasen ihrer Mitmenschen zurechtkommen müssen.

Etwa 160.000 Menschen leben in Deutschland mit einem künstlichen Darmausgang. Für viele eine Horrorvorstellung – und somit wird der Alltag mitunter zu einer Herausforderung, damit das Stoma nicht auffällt. Auch kreisrunder Haarausfall bei Frauen oder erektile Dysfunktion bei Männern kann den Betroffenen großes Leiden verursachen.

Der Versuch, das Problem zu verstecken, kann zu großen Belastungen führen und manchmal auch zu Schwierigkeiten, das eigene Selbst zu finden. Dazu kommt immer die Frage: Wem kann ich mich anvertrauen? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Die Angst vor Ablehnung und negativen Reaktionen ist groß, ebenso wie die eigene Scham und die Sorge, seine Mitmenschen zu überfordern oder vor den Kopf zu stoßen.

Es braucht viel Selbstbewusstsein, um die Hürden im Umgang mit anderen zu überwinden und zu einem selbstverständlichen Umgang mit sogenannten „Tabukrankheiten“ zu finden. Was kann Betroffenen auf diesem Weg helfen? Was können Menschen tun, um für mehr Akzeptanz zu sorgen? Und warum gibt es heute noch so viele Erkrankungen, denen das Label „Tabu“ anhaftet?

Mit 18 Jahren erhielt Selina Läufer die niederschmetternde Diagnose „Leukämie“. Fortan rang sie ums Überleben. Erst eine Stammzellenspende brachte schließlich die Rettung. Als sie Jahre später ihren Spender Uwe kennenlernte, kamen sehr bald große Gefühle ins Spiel. „Unsere Liebe beflügelt mich jeden Tag aufs Neue“, so Selina. Und für Uwe ist Selina schlicht „Balsam für die Seele“.

Bereits im Alter von zwei Jahren fielen Sara Wendhack plötzlich ihre Haare aus: Statt schöner roter Locken trug sie auf einmal Glatze, sehr zum Entsetzen ihrer Eltern. Die Diagnose: kreisrunder Haarausfall. „Ich fand mich immer furchtbar hässlich“, sagt Wendhack, „ich habe mich wie eine Außerirdische gefühlt.“ Jahrzehntelang verließ sie das Haus nicht ohne Perücke, um irritierte Blicke zu vermeiden. Doch vor einem halben Jahr traf Wendhack eine radikale Entscheidung.

Für Patrick Schloss war die Diagnose Darmkrebs ein großer Schock. Seit einer Operation begleitet ihn ein Stoma durch seinen Alltag. Ein künstlicher Darmausgang: für Schloss schier unerträglich. Er schämte sich so sehr, dass ihn schwere Depressionen sogar zu Suizidgedanken trieben. „Es war mir peinlich, wenn der Darm gepupst hat, laute Geräusche gemacht hat“, sagt Schlosser. „Ich dachte ständig nur: Hoffentlich macht das Stoma nicht gerade jetzt Geräusche.“

Melanie Clauss weiß, wie schambehaftet auch psychische Erkrankungen sind. Vor vier Jahren begannen bei ihr die ersten Vorboten – ständig wiederholte sie Kontrollgänge, ob Türen und Fenster geschlossen und alle Geräte abgeschaltet sind: „Lange Zeit versuchte ich, meine Zwänge vor meinen Kollegen und meiner Familie zu verstecken.“ Hinzu kamen ein Wasch- und Ordnungszwang und Zwangsgedanken, bis die Zwänge schließlich ihr komplettes Leben dominierten.

Oben schlank, unten dick: Das war Inge Erdingers Körperform, als sie jünger war. Dass ein Lipödem, eine Fettverteilungsstörung, Grund dafür war, erfuhr sie erst, als Schmerzen und Gewichtszunahme immer schlimmer wurden. Bis zu vier Millionen Frauen in Deutschland haben ein Lipödem, doch nur wenige sprechen offen darüber. „Wenn Kinder auf der Straße auf mich zeigen, erkläre ich ihnen, was mit mir los ist“, sagt Erdinger, die gegen die Stigmatisierung dieser Krankheit kämpft.

Wenn Rettungssanitäter Steve Pinther von einem Einsatz zurückkommt, muss er erstmal seine Socken auswringen. Er hat eine Hyperhidrose, sein Körper produziert im Übermaß Schweiß – selbst bei klirrender Kälte oder im Schlaf. „Vor meinem Verlobten habe ich meine Krankheit lange geheim gehalten“, sagt Pinther. Jahrelang versuchte er alles, um die Schweißbildung zu verringern, nun liegt all seine Hoffnung auf einer Operation, die ihn von seinem Leiden erlösen soll.

Starke Gerüche, laute Geräusche, Haarausfall oder Schmerzen im Intimbereich: Als Hautärztin ist Dr. Yael Adler nichts von alledem fremd, was menschliche Körper eben so produzieren. Sie weiß, wofür Menschen sich am meisten schämen, aber sie weiß auch: Tabus können tödlich sein. „Wenn man mit einem ärztlichen Besuch zu lange wartet, können Tabukrankheiten gefährlich werden“, sagt die Ärztin.

Das SWR Nachtcafé in der Wiederholung

  • Samstag, 23. Januar, 10.15 Uhr (SWR)
  • Samstag, 23. Januar, 12.30 Uhr (hr fernsehen)

Das SWR Nachtcafé im TV, Stream und in der Mediathek

An jedem Freitagabend gibt es im SWR Fernsehen das Nachtcafé, die Sendung ist also eine echte Institution auf dem dritten Programm. Im Gegensatz zu anderen Talkshows im Öffentlich-Rechtlichen gibt es nur einen Gastgeber, während es etwa in der NDR Talk Show zwei Moderatoren-Duos gibt: Michael Steinbrecher führt durch jede Ausgabe.

Die Ausstrahlung findet weiterhin im SWR Fernsehen statt. Wie eigentlich alle Formate des Öffentlich-Rechtlichen kann man die Sendung aber auch zeitgleich im Live-Stream im Internet verfolgen.

Alle Ausgaben stehen danach ein Jahr lang in der ARD Mediathek zur Verfügung, dort können sich die Zuschauer die Shows dann noch einmal auf Abruf zu Gemüte führen. Hier gibt es die Möglichkeit, sich die vergangenen Ausgaben noch einmal anzuschauen.

Das ist der Moderator des SWR Nachtcafé

Das Konzept des SWR Nachtcafé ist eng mit seinen Gastgebern verbunden. Denn, wie bereits thematisiert, gibt es bei anderen Talk-Formaten im Öffentlich-Rechtlichen viele Moderatoren.

Im SWR Nachtcafé hat es seit der ersten Ausstrahlung 1987 sage und schreibe zwei Moderatoren gegeben. Mittlerweile hat Michael Steinbrecher, den viele noch als Moderator des „Aktuellen Sportstudio“ kennen werden, die Zügel übernommen.

Bis Ende 2014 führte Wieland Backes durch die Sendung und das seit der ersten Ausgabe – also insgesamt über 27 Jahre. Backes moderierte insgesamt 706 Sendungen.

Wieland Backes
Wieland Backes moderierte das Nachtcafé 27 Jahre lang. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Backes verkündete einige Monate vor seiner letzten Sendung, dass er die Moderation aus freien Stücken abgeben werde. Durch den Wechsel zu Steinbrecher wurde auch an einigen Aspekten der Sendung gefeilt – so wurde etwas das „Bargespräch“, in dem ein Gast ein Einzelgespräch mit Backes hatte, aus dem Format genommen.

Das SWR Nachtcafé bei „Talk am Dienstag“

Seit September 2019 gibt es das Format „Talk am Dienstag“ im Ersten. Dort wird dienstags um 22.50 Uhr eine der vielen Talkshows, die eigentlich in den dritten Programmen läuft, ausgestrahlt.

Das SWR Nachtcafé ist ein Teil davon. Die anderen Formate sind „3 nach 9“ (Radio Bremen), der „Kölner Treff“ (WDR), „Hier spricht Berlin“ (rbb), die „NDR Talk Show“ (NDR) sowie „Club 1“ (BR). Eine Regel, wann welches Format läuft, gibt es dabei nicht.

Hier bekommt Ihr Infos zu den aktuellen Folge anderer Talkshows: