Michael Steinbrecher SWR Nachtcafé
Foto: Inga Kjer/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Seit mittlerweile über drei Jahrzehnten gibt es das SWR Nachtcafé. Dabei hat es in der Show aber nur zwei Gastgeber gegeben, geprägt wurde sie von Wieland Backes. Wir geben euch alle Infos und sagen euch, wer in der nächsten Ausgabe zu Gast ist.

Heute, am Freitag, 16. April 2021 (22.00 Uhr bis 23.30 Uhr), ist „Heimatgefühle – kultig oder spießig?“ das Thema im SWR-„Nachtcafé“. Durch die Sendung führt wie gewohnt Michael Steinbrecher.

Das sind die Gäste des SWR Nachtcafé heute am 16. April:

  • Dieter Kosslick (Ex-Leiter der Berlinale)
  • Abdullah Kenan Karaca (Mitglied im Leitungsteam der Passionsspiele Oberammergau)
  • Konrad Beikircher (Kabarretist)
  • Gloria Gray (Schauspielerin)
  • Sina Martin (Leiterin der „Martin“-Teddybärenmanufaktur in Sonneberg)

Das ist das Thema des SWR Nachtcafé heute am 16. April:

„Heimatgefühle – kultig oder spießig?“

„Einfach schön hier!“ oder „Nichts wie weg!“ – die Gefühle, mit denen Menschen auf ihre Heimat blicken, könnten unterschiedlicher nicht sein. Während die einen in der regionalen Verwurzelung aufgehen, fühlen sich andere eingegrenzt und suchen ihr Glück in der großen weiten Welt. Gerade das letzte Jahr, in dem die Corona-Pandemie unseren Bewegungsradius immer mehr einschränkte, hat viele Menschen ihre Heimat noch bewusster wahrnehmen lassen. So wurde die Flucht aus den eigenen vier Wänden nicht selten auch zur Entdeckungsreise in der näheren Umgebung – und manchmal auch zum Beginn einer neuen Liebesgeschichte.

Für manche ist von klein auf klar: „Hier komm ich her, hier will ich bleiben.“ Die Heimatregion ist für sie der schönste Flecken dieser Erde, ein Umzug an einen anderen Ort? Bitte nicht! Falls es beispielsweise die Ausbildung doch verlangt, wegzuziehen, freuen sie sich vor allem auf die Rückkehr nach Hause. Und so setzen sie sich gerne auch ein für Kultur und Bräuche der Gegend, aus der sie kommen.

Solche Heimatgefühle sind für andere nicht nachvollziehbar. Sie zieht es hinaus, in die große Stadt, ein anderes Land oder gar als Digitale Nomaden zum Leben und Arbeiten an die Orte der Welt, wo es ihnen gerade eben gefällt. Für sie gilt: „Home is where your heart is“ – und keinesfalls auf der eigenen, spießigen Scholle. Mit welchen Gefühlen blicken wir auf unsere Heimat? Was prägt unsere Heimatgefühle? Und wie verändert sich unser Blick im Lauf der Zeit?

Viele Jahre war der rote Teppich das Zuhause von Dieter Kosslick. Als langjähriger Leiter der Berlinale war er auf Du und Du mit den Stars und Sternchen und wurde zu einem Aushängeschild der Metropole. „Als Jugendlicher wurde mir die Enge meines Dorfes bewusst und da merkte ich: Ich will hier weg.“ Heimat ist für den kulturbegeisterten Großstadtmenschen dennoch bis heute das Dörfchen Ispringen auf der badisch-schwäbischen Grenze. Und eine Sache aus dem Ländle vermisst er in Berlin ganz besonders…

Eine unbeschwerte Kindheit erlebte Abdullah Kenan Karaca im bayrischen Oberammergau – selbstverständlich mit Leidenschaft für die berühmten Passionsspiele. Heute ist er selbst im Leitungsteam dieser tief verwurzelten Institution und ist stolz, dort sogar auf der Bühne zu stehen. „Mein Vater war zuerst dagegen, dass ich da mitspiele und auch in Oberammergau gab es zunächst Kritik“, erklärt der Muslim, dessen Eltern aus der Türkei in die bayrische Provinz kamen.

Als „Erfinder des Rheinlands“ wurde Kabarettist Konrad Beikircher einmal von einem Kollegen bezeichnet. Kaum jemand kann das Rheinland und seine Bewohner so humorvoll, pointiert und liebevoll beschrieben wie er, und das obwohl seine eigenen Wurzeln in Südtirol liegen. Zunächst fremdelte der ehemalige Gefängnispsychologe mit der neuen Umgebung. Doch dann lernte er sein Umfeld richtig kennen und lieben: „Dem Rheinländer ist die Gegenwart wichtiger als die Zukunft“, sagt Beikircher.

„Ich war wie lebendig begraben“, erinnert sich Gloria Gray an ihre Kinder- und Jugendzeit im Bayerischen Wald zurück. Im Körper eines Jungen geboren, wurde sie in ihrem Heimatort früh für ihr Anderssein verspottet und beschimpft. Kaum erwachsen, entfloh sie diesem Gefühl von Enge in der Provinz. Sie tauchte ein ins pulsierende Großstadtleben, schaffte es als Künstlerin bis nach Hollywood und fand ihren Weg zu sich selbst. Erst Jahrzehnte später kehrte die Entertainerin wieder in ihre Heimatregion zurück und fühlt sich dort heute tief verwurzelt.

Die Natur, die Familie und ihre Firma: Für Sina Martin gibt es viele gute Gründe, für immer dort zu bleiben, wo sie herkommt. Ihre Heimat ist die „Spielzeugstadt“ Sonneberg im Süden Thüringens, wo sie in fünfter Generation eine Teddybären-Manufaktur führt. Sie liebt die Traditionen ihres Heimatortes und sieht keinen Grund jemals von dort wegzuziehen: „Hier habe ich alles, was ich brauche“, sagt Sina Martin, die sich auch dafür engagiert, dass ihre Heimatstadt lebendig bleibt.

Das SWR Nachtcafé in der Wiederholung

  • Samstag, 17. April, 10.15 Uhr bis 11.45 Uhr (SWR)
  • Samstag, 17. April, 12.30 Uhr bis 14 Uhr (hr fernsehen)

Das SWR Nachtcafé im TV, Stream und in der Mediathek

An jedem Freitagabend gibt es im SWR Fernsehen das Nachtcafé, die Sendung ist also eine echte Institution auf dem dritten Programm. Im Gegensatz zu anderen Talkshows im Öffentlich-Rechtlichen gibt es nur einen Gastgeber, während es etwa in der NDR Talk Show zwei Moderatoren-Duos gibt: Michael Steinbrecher führt durch jede Ausgabe.

Die Ausstrahlung findet weiterhin im SWR Fernsehen statt. Wie eigentlich alle Formate des Öffentlich-Rechtlichen kann man die Sendung aber auch zeitgleich im Live-Stream im Internet verfolgen.

Alle Ausgaben stehen danach ein Jahr lang in der ARD Mediathek zur Verfügung, dort können sich die Zuschauer die Shows dann noch einmal auf Abruf zu Gemüte führen. Hier gibt es die Möglichkeit, sich die vergangenen Ausgaben noch einmal anzuschauen.

Das ist der Moderator des SWR Nachtcafé

Das Konzept des SWR Nachtcafé ist eng mit seinen Gastgebern verbunden. Denn, wie bereits thematisiert, gibt es bei anderen Talk-Formaten im Öffentlich-Rechtlichen viele Moderatoren.

Im SWR Nachtcafé hat es seit der ersten Ausstrahlung 1987 sage und schreibe zwei Moderatoren gegeben. Mittlerweile hat Michael Steinbrecher, den viele noch als Moderator des „Aktuellen Sportstudio“ kennen werden, die Zügel übernommen.

Bis Ende 2014 führte Wieland Backes durch die Sendung und das seit der ersten Ausgabe – also insgesamt über 27 Jahre. Backes moderierte insgesamt 706 Sendungen.

Wieland Backes
Wieland Backes moderierte das Nachtcafé 27 Jahre lang. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Backes verkündete einige Monate vor seiner letzten Sendung, dass er die Moderation aus freien Stücken abgeben werde. Durch den Wechsel zu Steinbrecher wurde auch an einigen Aspekten der Sendung gefeilt – so wurde etwas das „Bargespräch“, in dem ein Gast ein Einzelgespräch mit Backes hatte, aus dem Format genommen.

Das SWR Nachtcafé bei „Talk am Dienstag“

Seit September 2019 gibt es das Format „Talk am Dienstag“ im Ersten. Dort wird dienstags um 22.50 Uhr eine der vielen Talkshows, die eigentlich in den dritten Programmen läuft, ausgestrahlt.

Das SWR Nachtcafé ist ein Teil davon. Die anderen Formate sind „3 nach 9“ (Radio Bremen), der „Kölner Treff“ (WDR), „Hier spricht Berlin“ (rbb), die „NDR Talk Show“ (NDR) sowie „Club 1“ (BR). Eine Regel, wann welches Format läuft, gibt es dabei nicht.

Hier bekommt Ihr Infos zu den aktuellen Folge anderer Talkshows: