„SWR Nachtcafé“: Gäste und Thema der nächsten Sendung

1987 zeigte der SWR die erste Ausgabe vom Nachtcafé. Anfangs von Wieland Backes moderiert, ist mittlerweile seit 2015 Michael Steinbrecher Moderator der Talkshow. Am 3. Dezember wird eine Wiederholung ausgestrahlt.
Michael Steinbrecher SWR Nachtcafé
Foto: Inga Kjer/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

Seit mittlerweile über drei Jahrzehnten gibt es das SWR Nachtcafé. Dabei hat es in der Show aber nur zwei Gastgeber gegeben, geprägt wurde sie von Wieland Backes, mittlerweile führt Michael Steinbrecher durch die Show. Wir geben euch alle Infos und sagen euch, wer in der nächsten Ausgabe zu Gast ist.

Am 3. Dezember 2021 von 22.00 Uhr bis 23.30 Uhr strahlt der SWR eine Nachtcafe-Wiederholung aus. Moderator ist wie gewohnt Michael Steinbrecher.

Das sind die Gäste im SWR Nachtcafé am 3. Dezember:

  • Sara Wendhack
  • Patrick Schloss 
  • Melanie Clauss
  • Inge Erdinger
  • Steve Pinther
  • Dr. Yael Adler

Das ist das Thema im SWR Nachtcafé am 3. Dezember:

„Tabukrankheiten – wofür schämen?“

Noch immer gibt es zahlreiche Krankheiten, bei denen Betroffene neben körperlichen oder psychischen Leiden mit den schrägen Blicken ihrer Mitmenschen zurechtkommen müssen. Rund 160.000 Menschen leben in Deutschland mit einem künstlichen Darmausgang. Für viele eine Horrorvorstellung. Auch kreisrunder Haarausfall bei Frauen oder erektile Dysfunktion bei Männern kann bei den Betroffenen großes Leid verursachen. Der Versuch, das Problem zu verstecken, kann zu großen Belastungen führen. Dazu stellen sich Betroffene die Fragen: Wem kann ich mich anvertrauen? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Die Angst vor Ablehnung und negativen Reaktionen ist groß. Es braucht viel Selbstbewusstsein, um zu einem selbstverständlichen Umgang mit sogenannten „Tabukrankheiten“ zu finden. Was kann Betroffenen auf diesem Weg helfen? Was kann man tun, um für mehr Akzeptanz zu sorgen?

Bereits im Alter von zwei Jahren fielen Sara Wendhack plötzlich ihre Haare aus: Statt schöner roter Locken trug sie auf einmal Glatze, sehr zum Entsetzen ihrer Eltern. Die Diagnose: kreisrunder Haarausfall. „Ich fand mich immer furchtbar hässlich“, sagt Wendhack, „ich habe mich wie eine Außerirdische gefühlt.“ Jahrzehntelang verließ sie das Haus nicht ohne Perücke, um irritierte Blicke zu vermeiden. Doch vor einem halben Jahr traf Wendhack eine radikale Entscheidung.

Für Patrick Schloss war die Diagnose Darmkrebs ein großer Schock. Seit einer Operation begleitet ihn ein Stoma durch seinen Alltag. Ein künstlicher Darmausgang: Für Schloss schier unerträglich. Er schämte sich so sehr, dass ihn schwere Depressionen sogar zu Suizidgedanken trieben. „Es war mir peinlich, wenn der Darm gepupst hat, laute Geräusche gemacht hat“, sagt Schlosser. „Ich dachte ständig nur: Hoffentlich macht das Stoma nicht gerade jetzt.“

Melanie Clauss weiß, wie schambehaftet auch psychische Erkrankungen sind. Vor vier Jahren begannen bei ihr die ersten Vorboten – ständig wiederholte sie Kontrollgänge, ob Türen und Fenster geschlossen und alle Geräte abgeschaltet sind: „Lange Zeit versuchte ich, meine Zwänge vor meinen Kollegen und meiner Familie zu verstecken.“ Hinzu kamen ein Wasch- und Ordnungszwang und Zwangsgedanken, bis die Zwänge schließlich ihr komplettes Leben dominierten.

Oben schlank, unten dick: Das war Inge Erdingers Körperform, als sie jünger war. Dass ein Lipödem, eine Fettverteilungsstörung, Grund dafür war, erfuhr sie erst, als Schmerzen und Gewichtszunahme immer schlimmer wurden. Bis zu vier Millionen Frauen in Deutschland haben ein Lipödem, doch nur wenige sprechen offen darüber. „Wenn Kinder auf der Straße auf mich zeigen, erkläre ich ihnen, was mit mir los ist“, sagt Erdinger, die gegen die Stigmatisierung dieser Krankheit kämpft.

Wenn Rettungssanitäter Steve Pinther von einem Einsatz zurückkommt, muss er erstmal seine Socken auswringen. Er hat eine Hyperhidrose, sein Körper produziert im Übermaß Schweiß – selbst bei klirrender Kälte oder im Schlaf. „Vor meinem Verlobten habe ich meine Krankheit lange geheim gehalten“, sagt Pinther. Jahrelang versuchte er alles, um die Schweißbildung zu verringern, nun liegt all seine Hoffnung auf einer Operation, die ihn von seinem Leiden erlösen soll.

Starke Gerüche, laute Geräusche, Haarausfall oder Schmerzen im Intimbereich: Als Hautärztin ist Dr. Yael Adler nichts von alledem fremd, was menschliche Körper eben so produzieren. Sie weiß, wofür Menschen sich am meisten schämen, aber sie weiß auch: Tabus können tödlich sein. „Wenn man mit einem ärztlichen Besuch zu lange wartet, können Tabukrankheiten gefährlich werden“, sagt die Ärztin.

Das SWR Nachtcafé in der Wiederholung:

  • Samstag, 4. Dezember, 10.15 Uhr (SWR)
  • Samstag, 4. Dezember, 12.25 Uhr (hr)

Das SWR Nachtcafé im TV, Stream und in der Mediathek

An jedem Freitagabend gibt es im SWR Fernsehen das Nachtcafé, die Sendung ist also eine echte Institution auf dem dritten Programm. Im Gegensatz zu anderen Talkshows im Öffentlich-Rechtlichen gibt es nur einen Gastgeber, während es etwa in der NDR Talk Show zwei Moderatoren-Duos gibt: Michael Steinbrecher führt durch jede Ausgabe.

Die Ausstrahlung findet weiterhin im SWR Fernsehen statt. Wie eigentlich alle Formate des Öffentlich-Rechtlichen kann man die Sendung aber auch zeitgleich im Live-Stream im Internet verfolgen.

Alle Ausgaben stehen danach ein Jahr lang in der ARD Mediathek zur Verfügung, dort können sich die Zuschauer die Shows dann noch einmal auf Abruf zu Gemüte führen. Hier gibt es die Möglichkeit, sich die vergangenen Ausgaben noch einmal anzuschauen.

Das ist der Moderator des SWR Nachtcafé

Das Konzept des SWR Nachtcafé ist eng mit seinen Gastgebern verbunden. Denn, wie bereits thematisiert, gibt es bei anderen Talk-Formaten im Öffentlich-Rechtlichen viele Moderatoren.

Im SWR Nachtcafé hat es seit der ersten Ausstrahlung 1987 sage und schreibe zwei Moderatoren gegeben. Mittlerweile hat Michael Steinbrecher, den viele noch als Moderator des „Aktuellen Sportstudio“ kennen werden, die Zügel übernommen.

Bis Ende 2014 führte Wieland Backes durch die Sendung und das seit der ersten Ausgabe – also insgesamt über 27 Jahre. Backes moderierte insgesamt 706 Sendungen.

Wieland Backes

Wieland Backes moderierte das Nachtcafé 27 Jahre lang. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Backes verkündete einige Monate vor seiner letzten Sendung, dass er die Moderation aus freien Stücken abgeben werde. Durch den Wechsel zu Steinbrecher wurde auch an einigen Aspekten der Sendung gefeilt – so wurde etwas das „Bargespräch“, in dem ein Gast ein Einzelgespräch mit Backes hatte, aus dem Format genommen.

Das SWR Nachtcafé bei „Talk am Dienstag“

Seit September 2019 gibt es das Format „Talk am Dienstag“ im Ersten. Dort wird dienstags um 22.50 Uhr eine der vielen Talkshows, die eigentlich in den dritten Programmen läuft, ausgestrahlt.

Das SWR Nachtcafé ist ein Teil davon. Die anderen Formate sind „3 nach 9“ (Radio Bremen), der „Kölner Treff“ (WDR), „Hier spricht Berlin“ (rbb), die „NDR Talk Show“ (NDR) sowie „Club 1“ (BR). Eine Regel, wann welches Format läuft, gibt es dabei nicht.

Hier bekommt Ihr Infos zu den aktuellen Folge anderer Talkshows: