Foto: Lucy Tabrizi/Netflix/dpa

Am Ende hat man wirklich erst einmal keine Lust mehr, je wieder Fisch oder Meeresfrüchte zu essen. Genau diese Reaktion will die Netflix-Dokumentation „Seaspiracy“ auch hervorrufen. „Mir ist klar geworden: Das Beste, was ich tun kann, um die Ozeane und die Meereslebewesen, die ich liebe, zu schützen, ist, sie einfach nicht mehr zu essen“, sagt der britische Dokumentarfilmer und Protagonist Ali Tabrizi zum Abschluss.

Der Film, den Tabrizi gemeinsam mit seiner Frau Lucy und Kip Andersen („Cowspiracy“) gemacht hat, wird als Entdeckungsreise ins Herz der Finsternis erzählt. Schon zu Beginn deuten Sirenengeheul und im Halbschatten getätigte Aussagen über mutmaßlich drohende Lebensgefahr auf diese Seite hin.

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Weil er Wale und Delfine schon seit seiner Kindheit liebt, will sich Tabrizi für den Erhalt dieser Tiere einsetzen. Je tiefer seine Recherche geht, desto klarer wird für ihn: Das größte Problem für die Gesundheit der Weltmeere ist die industrielle Fischerei, und ohne gesunde Meere können die Menschen auf diesem Planeten kaum gut überleben.

In drastischen Worten von Fachleuten und brutalen Bildern werden Missstände gezeigt: Überfischung, illegale Fischerei, fehlende staatliche Kontrollen, schädliche Subventionen, Verschmutzung, riesige Mengen ungewollten Beifangs und teilweise menschenfeindliche Arbeitsbedingungen auf den Schiffen. Ali Tabrizi kommt zudem zu dem Schluss: So etwas wie nachhaltige Fischerei kann es eigentlich kaum geben.

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Schon der Titel der Doku ist ein Kofferwort aus den englischen Wörtern „sea“ (Meer) und „conspiracy“ („Verschwörung“) – und so wirken einige Stellen im Film auch gewollt oder unfair zugespitzt. Dass es den Weltmeeren und ihren Lebewesen nicht gut geht, haben jedoch auch zahlreiche Studien zum Thema gezeigt. Und daran hat auch die Fischerei ihren Anteil.

„Seaspiracy“: Falsche Studien und alte Statistiken?

Trotzdem stieß „Seaspiracy“ auf deutliche Kritik – und das keinesfalls nur von Seiten der Fischerei-Industrie. So bemängelte Philipp Kanstinger von der Naturschutzorganisation WWF etwa, dass einige der genannten Statistiken im Film nicht stimmten. Trotzdem findet er viele lobende Worte für den Inhalt und rät auch dazu, den Fisch- und Fleischkonsum so weit wie möglich zu reduzieren.

Andere Fachleute kritisierten das Verwenden überholter Studien. Zudem gebe es sehr wohl nachhaltige Fischerei, wie der Meeresbiologe Bryce D. Stewart sagte. Und einige der für „Seaspiracy“ interviewten Experten und Expertinnen fühlten sich falsch oder irreführend wiedergegeben.

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Ein Kritikpunkt, den selbst wohlwollende Fachleute anbrachten: Komplett auf das Essen von Fisch und Meeresfrüchten zu verzichten, sei für viele Menschen auf der Welt, besonders in ärmeren Regionen, schlicht keine Option. Sie sind demnach darauf als Proteinquelle angewiesen.

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Was „Seaspiracy“ bei allen Kritikpunkten jedoch schafft: Man fängt an, darüber nachzudenken, wie die Menschen mehr für die Gesundheit der Meere tun können. Denn selbst kritische Fachleute sahen in dem Film viele berechtigte Einwände gegen Überfischung.

Dafür setzen sich Ali und Lucy Tabrizi auch weiter persönlich ein. Zuletzt starteten sie etwa eine Petition, die unter anderem Deutschland, die USA und Kanada auffordert, in mindestens 30 Prozent ihrer Gewässer Fangverbotszonen einzurichten.

Quelle: dpa