Tatort Maria Furtwängler
Foto: Frizzi Kurkhaus/dpa

Im neuen „Tatort“ bekommt es Kommissarin Lindholm mit rechten Frauenrechtlerinnen zu tun. Zugleich verbündet sie sich mehr und mehr mit ihrer schwarzen Kripo-Kollegin Anais Schmitz.

Dieser „Tatort“ liegt Fernsehstar Maria Furtwängler ganz besonders am Herzen – ist die Münchner Schauspielerin doch seit Langem eine ausgewiesene Kämpferin für die Rechte von Frauen in aller Welt. Zum Beispiel engagieren sich die 53-Jährige und ihre Tochter Elisabeth Burda mit der gemeinsamen Stiftung „MaLisa“ samt dem „MaLisa Home“ auf den Philippinen.

Im neuen Göttinger Fall „National feminin“ an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten bekommt Furtwängler es mit Mordermittlungen im Umfeld von rechtsradikalen Studierenden zu tun, die einem überkommenen Frauenbild anhängen. Menschen, die die blonde deutsche Mutter oder Mutter in spe permanent von dunkelhäutigen angeblich sexwütigen Migranten bedroht sehen, deren Zuzug gestoppt werden müsse.

„Aus meiner Sicht als Feministin ist es herausfordernd, dass der Film das nach meiner Meinung in der Gesellschaft nicht angemessen behandelte Thema des Rechtsfeminismus beleuchtet“, sagte die Schauspielerin am Telefon der Deutschen Presse-Agentur.

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Vor den Dreharbeiten habe sie sich noch einmal mit dieser Bewegung befasst, erklärte Furtwängler. Widerstand gegen den Mainstream, sich in einer Subkultur wiederfinden und eine klare Verteilung unterschiedlicher Rollen von Mann und Frau seien wohl Beweggründe für junge Menschen, solcher Ideologie Glauben zu schenken.

Als niedersächsische Kommissarin Charlotte Lindholm sieht sich Furtwängler in „National feminin“ einer sich so nennenden „Jungen Bewegung“ gegenüber, nachdem die Studierende Marie Jäger (Emilia Schüle, „Ku’damm 59“) tot und mit aufgeschlitzter Kehle im Göttinger Stadtwald gefunden wurde.

Jäger war rechte Bloggerin sowie studentische Hilfskraft und – wie sich bald herausstellen soll – Geliebte der schillernd konservativen, mit einer Frau verheirateten Juraprofessorin Sophie Behrens (Jenny Schily, „Babylon Berlin“), die Verfassungsrichterin in Karlsruhe werden soll.

Nach dem Drehbuch von Florian Oeller (Idee: Daniela Baumgärtl) präsentiert der Film von Franziska Buch („Tatort: Das verschwundene Kind“) dann Maries nationalistisch gesinnte WG-Clique: drei überaus verbissene Jungakademiker mit leeren Gesichtern. Davon durchdrungen, dass das Verbrechen nur ein Feind deutscher Frauen begangen haben kann.

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Der Polizei verweigern sie die Zusammenarbeit, weil sie ihr unterstellen, den wahren Täter gar nicht finden zu wollen. Wohl um bei Zuschauern jeglichen Ansatz zu einer möglichen Identifikation im Keim zu ersticken, erscheint dieses Trio leider überdeutlich tumb gestrickt. Dafür überzeugen die wiederholten Einspielungen von Jägers Videoblog und des Internet-Shitstorms der rechten Szene umso mehr.

Mit einschmeichelnden Botschaften der hübschen jungen Frau einerseits und kruden Hasskommentaren auf Twitter und Instagram andererseits erscheint der Film, eine Produktion der Nordfilm im Auftrag des NDR für Das Erste, hier ganz und gar auf der Höhe der Zeit. Wie er es mit seinem Thema ja grundsätzlich sowieso ist.

Das Drehbuch leidet jedoch an weiteren Vereinfachungen: So muss Lindholm gleich zweimal vor Kollegen statistiklastige Theorie-Vorträge über Gewalt gegen Frauen halten, um die Bedeutung des Gegenstands zu belegen. Und – selbst wenn Behrens die emanzipierte und alleinerziehende Kommissarin einmal spöttisch fragt, ob ihr das alles nicht manchmal zu viel werde: Letztlich misst der Film die radikale Ideologie am Maßstab eines allgemeinen Feminismus. Damit tut er so, als seien dessen Thesen im Prinzip Wahrheiten – und nicht etwa Meinungen, die man hinterfragen darf.

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Ein Gegengewicht zu den Rechtsradikalen bildet die Annäherung der Kommissarinnen Lindholm und Schmitz. Hatte doch Lindholm ihre schwarze Kollegin bei deren Auftauchen 2019 noch für eine Putzfrau gehalten. Die Schwierigkeiten hatten auch im zweiten Fall „Krieg im Kopf“ nicht aufgehört. „Dass die beiden in dieser Phase die Probleme, die sie als zwei Alpha-Frauen miteinander haben, nun hintanstellen, ist auf jeden Fall ein kluger Move des Drehbuchs“, erklärte Furtwängler der dpa.

„Unter diesem besonderen Druck, unter dem die Kolleginnen stehen, Farbe zu bekennen und sich gegenseitig zu unterstützen, ist ein wichtiges Signal.“ Beunruhigend erscheint allerdings, dass sich Lindholm gerade in Schmitz‘ smarten Ehemann Nick (Daniel Donskoy, „Crescendo“) verguckt hat. Man darf also weiter gespannt sein.

Quelle: dpa