Joko und Klaas kämpfen wieder gegen ProSieben
Foto: Henning Kaiser/dpa

Wirbel um das ProSieben-Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Der Produktionsfirma der Moderatoren wird vorgeworfen, im Rahmen ihrer TV-Shows gescriptete Szenen als spontan und echt dargestellt zu haben.

Sie setzte dementsprechend offenbar umfangreich Schauspielerinnern und Schauspieler in ihren Einspielfilmen ein. Das haben Recherchen des NDR Formats „STRG_F“ ergeben, das die Redaktion des ARD-Magazins „Panorama“ produziert.

Demnach konnte anhand mehrerer Beispiele der Einsatz gecasteter Laiendarsteller nachgewiesen werden. Auch Darstellungen von Ereignissen sind grob verkürzt oder offenbar gescripted.

Im Falle eines angeblichen Fahrraddiebstahls, der bei „Late Night Berlin“ ausgestrahlt wurde, bei dem ein Unbekannter auf frischer Tat ertappt worden sein soll, handelt es sich bei dem gezeigten Dieb um einen Laiendarsteller.

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Die Szene wurde mindestens zwei Mal gedreht, das ergeben Zeugenaussagen und privates Videomaterial der Szene. „Ich möchte Fahrraddiebe auf frischer Tat ertappen“, kündigte Heufer-Umlauf zu dem Film bei der Ausstrahlung an.

Auch die Verpixelung des Täters, üblicher Schutz bei Beschuldigten, die im Fernsehen abgebildet werden, soll offenbar Authentizität suggerieren. Die angeblichen Ereignisse sind offenbar so überzeugend dargestellt, dass die Polizei Berlin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf schweren Diebstahl eines Fahrrads eingeleitet hat.

Mit diesem Gerät sagen Joko und Klaas Rechtspopulisten den Kampf an

In einem weiteren Fall gibt die Sendung „Duell um die Welt“ vor, dass der Schauspieler Edin Hasanovic einen Heißluftballon ganz alleine fliegt und landet. Seine Begleiter waren zuvor abgesprungen und haben ihn angeblich alleine im Ballon hinterlassen.

Das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt gibt an, dass der Schauspieler zu keiner Zeit alleine im Ballon gewesen sei. Ein Pilot sei immer anwesend gewesen, dies sei auch die gesetzliche Vorgabe. Der Pilot habe dies gegenüber der Behörde auch bestätigt. „Es war Fake“, erklärte Urs Holderegger von der Behörde.

Im Fall eines angeblich authentischen Tinderdates von „Late Night Berlin“ ist die junge Frau, die verschiedene Ereignisse überrascht erlebt, Schauspielerin. Sie hat die Episode in ihrer Schauspiel-Vita aufgeführt. Mehrere Zeugen sagen aus, dass die Szene mehrmals gedreht wurde.

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Es ist nicht das erste Mal, dass eine Produktion von Joko und Klaas mit Fake-Vorwürfen konfrontiert wird. Bereits im Dezember 2019 wurden viele Fans bei einem Video mit Sophia Thomalla stutzig, weil die Schauspielerin im Laufe des Drehs plötzlich lackierte Fingernägel und Strähnen im Haar hatte, obwohl ihre Augen verbunden waren.

Auch hier konnte die Redaktion von „STRG_F“ weitere Unstimmigkeiten nachweisen. So liegen neue Belege vor, dass eine angebliche Autofahrt von Nizza nach Budapest nie stattgefunden hat. Die beiden Termine lagen Wochen auseinander und waren nicht, wie im Film nahegelegt, zusammenhängend.

Schlimme Vorwürfe! Alles nur Fake bei Sophia Thomalla in „Duell um die Welt“?

Im Falle des Fahrraddiebstahls verweist zuständige Produktionsfirma Florida TV darauf, dass „der komödiantische Aspekt womöglich deutlicher gemacht hätte werden müssen“.

Hinsichtlich des Heißluftballons erklärt sie, dass „keiner unserer Protagonisten bei der Erfüllung seiner Aufgabe in Lebensgefahr gerät.“ Im Falle des Tinderdates erklärt Florida TV lediglich, dass die junge Frau „offenbar ähnlich viel Spaß daran hatte wie wir und die Zuschauer.“ Im Beispiel von Thomalla heißt es, dass man die Zuschauer nicht langweilen wolle. Ein Dementi sieht anders aus.

Mittlerweile hat sich auch ProSieben zu den Fake-Vorwürfen geäußert: „Für Einspielfilme werden neben spontanen Passanten ab und an ganz offen und öffentlich Teilnehmer gesucht, um sicherzustellen, dass ausreichend Protagonisten zur Verfügung stehen, die bereit sind, sich filmen zu lassen.“ Diese wüssten nicht, was redaktionell für sie vorbereitet wird.

Der TV-Sender kritisiert in seiner Stellungnahme die Recherchemethoden des Magazins „STRG_F“: „Es wurden massiv Beteiligte und Unbeteiligte unter Druck gesetzt. Es wurde wohl mit der Frage ‚Kennst du jemanden, der Florida hasst?‘ gearbeitet. Von solchen Recherche-Methoden möchten wir uns distanzieren.“

„Ziel des Beitrages war die humoristische Sensibilisierung für das Thema ‚Fahrraddiebstahl‘. Dies kann als erfolgreich bezeichnet werden und ist unserer Kenntnis nach im Sinne der Polizei Berlin geschehen. Nach erfolgreichem Abschluss eines Drehs mit versteckter Kamera werden aus produktionstechnischen Gründen häufig entweder mit Einverständnis des Protagonisten oder einem Ersatzprotagonisten, sogenannte Schnittbilder nachgedreht“, erklärt ProSieben zum Beitrag über das geklaute Rad.

Dafür, dass der Clip Satire sei, gebe es mehrere Indizien, zählte der Privatsender auf: „Die Redaktion und die Produktion waren (…) davon ausgegangen, dass ein Feuerschlucker, eine zirka vier Meter große Frau und ein Kirchenchor ausreichend Hinweis darauf liefern würden.“

Quelle: mit Agenturmaterial (dpa)