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Foto: Sony

Die US-Serie „Breaking Bad“ lässt den langweiligen Chemielehrer Walter White zum rücksichtslosen Drogenproduzenten werden und verlangt vom Zuschauer Aufmerksamkeit und starke Nerven. Nun ist die dritte Staffel auf DVD erhältlich.

Die Geschichte von Walter White beginnt unten. Die Sache ist bloß: Es geht noch weiter nach unten. Viel weiter nach unten. Bis zu einem Punkt, an dem das Zusehen wehtut. Und gleich darauf geht es erneut abwärts. Denn um nichts anderes geht es in der US-Serie „Breaking Bad“, deren dritte Staffel gerade auf DVD erschienen ist: Ein Mann macht alles nur noch schlimmer.

In den vergangenen Jahren haben einige Drama-Serien aus den USA Kritiker und Zuschauer begeistert. Gerade, weil sie nicht auf leichte Unterhaltung setzten, sondern auf Anspruch: Das Mafia-Epos „Die Sopranos“, die komplexe Robinsonade „Lost“, die Polizistenserie „The Wire“ und der Ausstattungswahnsinn „Mad Men“. In diese Reihe gehört auch „Breaking Bad“, obwohl die Serie, die seit 2008 läuft, nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat wie zum Beispiel „Mad Men“. Vielleicht, weil sie viel mehr vom Zuschauer verlangt: Konzentration, Nerven, die ständige Konfrontation mit den eigenen Moralvorstellungen.

„Breaking Bad“ handelt vom braven Familienvater Walter White aus Albuquerque, New Mexiko. Der 50-Jährige war einst ein hochbegabter Chemiker, stieg aber aus der Forschung aus und arbeitet seitdem als Chemielehrer. Sein pubertierender Sohn ist geh- und sprachbehindert, seine Frau ist schwanger. Weil das Lehrergehalt nicht ausreicht, arbeitet Walt nebenbei in einer Waschanlage und lässt sich von seinem Chef herumkommandieren. Als er dann noch erfährt, dass er unheilbar an Lungenkrebs erkrankt ist, steht die Familie vor dem Ruin.

Abstieg zu den Abgründen des Menschen

Zu dieser Zeit begleitet er seinen Schwager Hank, der bei der amerikanischen Drogenbehörde arbeitet, während eines Einsatzes, bei dem er und seine Kollege ein Labor hochgehen lassen, in dem die Droge Crystal Meth hergestellt wird. Dabei stellen sie 700.000 Dollar sicher. Walter beschließt, diese Droge selbst zu produzieren und tut sich dafür mit Jesse zusammen, einem seiner früheren Schüler, der Kontakt zur Szene hat. So will er genügend Geld verdienen, um seine Familie auch nach seinem Tod abzusichern.

Damit beginnt der Abstieg von Walter White zu den Abgründen des Menschen, denn schon bald sind nicht nur die lokalen Drogenkartelle alarmiert durch das Crystal Meth, das so rein ist wie sonst keines, sondern auch die Polizisten von der Drogenbehörde. Allen voran Walter Whites Schwager Hank. Und auch seine Frau, vor der er seinen neuen Nebenjob geheimhält, wundert sich allmählich über sein merkwürdiges Verhalten. Zwar kann Walter jedes neue Problem irgendwie lösen, doch verliert er dabei nach und nach seine Unschuld und schafft nur neue, noch größere Probleme. Wenn es manchmal nach oben zu gehen scheint, dann nur, wenn man die Welt, also die Moralvorstellungen, auf den Kopf stellt. Bald geht es ihm längst nicht mehr nur darum, seine Familie abzusichern und seine Krebsbehandlung zu bezahlen. Mehrfach hat er die Chance auszusteigen, doch er lässt die Gelegenheit verstreichen. Weil aus dem harmlosen Walter White längst der mächtige „Heisenberg“ geworden ist, wie die Drogenszene den besten Crystal-Meth-Koch der Gegend respektvoll nennt.

Bryan Cranston spielt diesen immer hartherziger werdenden Walter White mit so einer Eindringlichkeit, die kaum noch zu ertragen ist. Cranston ist in Deutschland mit seiner Rolle als hektischer Vater Hal in „Malcolm Mittendrin“ bekanntgeworden. Vor allem zu Beginn von „Breaking Bad“ hat White etwas von Hal, nur ist seine Figur viel, viel abgründiger. Für diese Leistung bekam Cranston dreimal in Folge den Emmy als bester Schauspieler. Doch auch die anderen Schauspieler sorgen dafür, dass ihre Figuren nicht eindimensional bleiben: die sorgende, aber selbstgerechte Ehefrau. Der raue, aber eigentlich anständige Schwager Hank. Walters Partner Jesse, der immer wieder auf die schiefe Bahn gerät, obwohl er doch eigentlich ein guter Junge ist. Der Drogenboss Gus, hinter dessen nüchtern bis freundlicher Fassade sich ein knallharter Geschäftsmann verbirgt. Für jede dieser Figuren empfindet der Zuschauer in einem Moment Sympathie, im nächsten Moment Unverständnis bis Hass. Ständig muss er seine eigenen Moralvorstellungen überprüfen. Wie lange heiligt der Zweck die Mittel?

Das Drehbuch ist einfach nur bang!

Aber nicht nur die Schauspieler und die Figuren, die sie verkörpern, machen „Breaking Bad“ zu einer der besten Serien der vergangenen zehn Jahre. Da ist auch dieses Drehbuch mit diesen unglaublichen Spannungsbögen, von denen hier kein einziger vorweggenommen werden soll. Aber schon die ersten Minuten der ersten Folge von Staffel 1 sorgen für so viele Fragen, dass es unmöglich ist, abzuschalten: Walter fährt in einem Wohnmobil auf einer Wüstenstraße und trägt bloß eine Unterhose und eine Gasmaske. Reglos auf dem Beifahrersitz: Jesse. Walter kommt von der Straße ab, stürzt aus dem Wagen, nimmt eine Pistole und spricht einen letzten Gruß in eine Kamera. Dann wartet er auf die Ankunft der Polizei. Bang! Und nach dem Ende jeder Staffel wird der Zuschauer aufspringen und seinen Fernseher anbrüllen: „Ihr verdammten Drehbuchschreiber. Die Staffel kann jetzt unmöglich zu Ende sein. Ich will wissen, wie es weitergeht.“ Auch die dritte Staffel wirft wieder mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Da ist Geduld gefragt. Die vierte Staffel läuft in den USA Mitte Juli an, der Veröffentlichungstermin für die DVDs steht noch nicht fest. Im Oktober sendet Arte erstmal die dritte Staffel.

In einem Interview wurde Hauptdarsteller Bryan Cranston gefragt, was er mit seiner Kenntnis der kommenden Staffeln Walter White sagen würde. Er antwortete: „Ich würde wohl zu ihm sagen: ‚Ich weiß, was du tust, Walter White, und du musst sofort damit aufhören! Es geht bloß immer weiter steil bergab mit dir. Gib endlich auf!'“Die dritte Staffel ist soeben auf DVD erschienen. Ab Oktober läuft sie auf Arte.