Dschungelcamp IBES Tag 2
Foto: TVNOW

Darf eine Trash-Show in Australien gedreht werden, wenn der Kontinent brennt? Das RTL-Dschungelcamp entfachte dieses Jahr eine Ethikdebatte. Nach dem ersten Wochenende im Camp ist aber schon alles wie immer – nur eins passierte schneller als jemals zuvor.

Es hat schon viele spektakuläre Auszüge aus dem RTL-Dschungelcamp gegeben: Gleich in der ersten Staffel 2004 sprach Schauspieler-Sohn Dustin Semmelrogge einen jener legendären Sätze, die nur im Trash-TV-Urwald fallen können: „Ich habe euch alle in meinem Herzen gesaved“ – und ging an Tag vier.

In der zweiten Ibes-Staffel im gleichen Jahr war Ex-Porno-Star Dolly Buster sogar noch schneller und nach nur 48 Stunden weg. Für den Schauspieler Helmut Berger war 2013 nach drei Tagen Schluss. Schlagersänger Michael Wendler hatte 2014 am vierten Tag genug vom Dschungelcamp, wollte dann zurück und durfte nicht.

Der Auszug von Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause (CDU) in diesem Jahr aber übertrifft sie alle. So schnell wie er war noch niemand weg. Gerade noch hatte RTL für die Auftakt-Show, die mit 6,01 Millionen Zuschauern ein paar mehr sehen wollten als 2019, aber weniger als 2018, eine Parodie auf einen Staatsempfang inszeniert.

Kurz danach war der Mann, der einst den deutsch-deutschen Einigungsvertrag aushandelte und danach im Kabinett von Helmut Kohl (CDU/1930-2017) saß, schon wieder ausgezogen. Damit war es auch schon wieder vorbei mit dem ersten Politiker in der Dschungelcamp-Geschichte.

Wegen eines Schwächeanfalls („Wenn der Körper Nein sagt, muss der Geist hören“) wurde Krause ins Krankenhaus gebracht – wo er sich allerdings so schnell erholte, dass er kurz darauf eine kurze Grußbotschaft an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schicken konnte, die er vor der Show als gute Bekannte bezeichnet hatte: „Liebe Angela, liebe Angie, falls du zusiehst, ich werde wieder richtig gesund“, sagte er in der zweiten Folge von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, die am Samstagabend ausgestrahlt wurde. „Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Du wirst mich nicht los!“

„Günther Krause fährt nach Hause“, fasste Moderator Daniel Hartwich zusammen. „Im Grunde war er nur hier, um sein Begrüßungsgeld abzuholen.“ Zu Krauses Ehrenrettung: Nastassja Kinski bekam 2017 schon kurz vor dem Abflug nach Australien kalte Füße und tauchte nie im Dschungelcamp auf. Aber von denen, die es ins Camp schafften, ist Prof. Dr. Krause nun der vorerst unangefochtene Rekordhalter.

Dabei hätte ein bisschen Politik dort sicher nicht geschadet. Und das nicht nur, weil Daniela („Kannst Du mich bitte Danni nennen“) Büchner daran scheiterte, drei deutsche Bundeskanzler aufzuzählen. Der CDU-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern, der bis zu seinem Rücktritt 1993 in mehrere Skandale verwickelt war, präsentierte sich durchaus vielversprechend, amüsierte schon bei seinem kurzen Auftritt mit eher rudimentären Englischkenntnissen („I can’t no good speak of English“) und seiner Angst vor einer kleinen, mutmaßlich hinterhältigen Schlange im Camp: „Wenn es dunkel ist, sind wir strategisch im Nachteil.“

Auch sonst hätte Krause, der mehrfach vor Gericht stand, sicher noch einige zu erzählen gehabt. Die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft hatte erst im vergangenen Jahr ihre Betrugsermittlungen im Zusammenhang mit einem geplatzten Hauskauf eingestellt.

Vor der mittlerweile 14. Staffel der Show hatten Politiker, Ex-Teilnehmer und Zuschauer Kritik an der Ausstrahlung geübt. Denn in Australien toben seit Monaten schwere Buschbrände. „Lassen Sie uns bitte ganz schnell anfangen, bevor uns die SPD verbietet, solange es sie noch gibt“, witzelte Zietlow zu Beginn. Sie verwies zuvor außerdem darauf, dass die Australier ihre eigene Show trotz der Brände produzierten – wenn auch im weit entfernten Südafrika. „I’m A Celebrity…Get Me Out Of Here!“ läuft dort gerade in der sechsten Staffel. Die Siegprämie von 100 000 australischen Dollar (etwa 62 000 Euro) spenden die Teilnehmer nach Angaben des Senders, der in diesem Jahr noch etwas drauflegen will, für einen wohltätigen Zweck.

Dass die Kritik an RTL am ersten Wochenende schnell hinter den Dschungel-Alltag mit Ekelprüfungen und Zickereien zurücktrat, lag dabei wohl vor allem am Umgang des Kölner Privatsenders damit: RTL rief eine Spendenaktion ins Leben, wollte 100 000 Euro an die Opfer der Brände spenden und – ähnlich wie die australischen Kollegen – in der Finalshow in zwei Wochen nachlegen, hieß es in einer Mitteilung. Das Geld soll ans Australische Rote Kreuz gehen.

Und so konnte der Sender sich dann wieder auf die großen Klassiker der Dschungel-Dramaturgie konzentrieren: Zickenkrieg und Panikattacken bei der Dschungel-Prüfung. „Danni“ Büchner und Anastasiya Avilova gerieten wegen Avilovas und Helena Fürsts Ex Ennesto Monté aneinander. Büchner scheiterte derart aufgeregt und panisch an der Dschungelprüfung „Grauen under“, dass sie für die gesammelten Prüfungen der ersten Woche gesetzt sein dürfte.

Und Elena Miras deutete klug Cliffhanger-mäßig an, sie wisse mehr über die Trennung des Schlagersängers Michael Wendler von seiner Ex-Frau, der diesjährigen Dschungel-Teilnehmerin Claudia Norberg. Trash-TV-Freunde – allen voran Anja Rützel im Online-„Spiegel“ – spekulieren nun schon, ob RTL Krause ersetzen wird. Sie hätten da im Wesentlichen zwei Vorschläge. Ennesto Monté zum Beispiel – oder Norbergs Nachfolgerin: Wendlers aktuelle, 19 Jahre alte und sehr zeigefreudige Freundin Laura Müller.

Quelle: dpa