Echt oder Fake? Das steckt hinter der Oscar-Ohrfeige von Will Smith

Die Ohrfeige von Will Smith gegen Chris Rock war der große Aufreger der Oscars 2022. Doch warum ließ sich der Schauspieler dazu hinreißen?
Will Smith Ohrfeige Chris Rock Oscars
Will Smith hat Moderator Chris Rock auf der Oscar-Bühne eine Ohrfeige verpasst. Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
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Will Smith hat Moderator Chris Rock auf der Oscar-Bühne eine Ohrfeige verpasst. Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa

Es war der Aufreger der Oscar-Verleihung: Mitten in der Anmoderation von Chris Rock für den besten Dokumentarfilm läuft Will Smith plötzlich auf die Bühne und verpasst seinem Schauspiel-Kollegen eine schallende Ohrfeige. Gala-Gäste und Zuschauer fragen sich im Anschluss: gespielt oder echt? Und wenn echt, was steckt dahinter?

Zunächst einmal ein Rückblick. Nachdem Rock auf der Bühne einen Witz über die Frisur von Smiths Frau Jada Pinkett-Smith gemacht hatte – er könne es kaum erwarten, sie in „G.I. Jane 2“ zu sehen –, war der 53-Jährige auf die Bühne gegangen und hatte Rock ins Gesicht geschlagen. Zur Einordnung: In „G.I. Jane“ (1997) rasiert sich Demi Moore als Soldatin den Kopf.

>> Das Video: Will Smith verpasst Chris Rock Ohrfeige auf der Oscar-Bühne <<

Auch nach der Rückkehr auf seinen Platz war Smith nicht zu bändigen, rief Rock zu: „Lass den Namen meiner Frau aus Deinem verdammten Mund!“ Dabei benutzte er zweimal das im US-Fernsehen verpönte Wort „fucking“, das in der US-Übertragung mit einem Piepton zensiert wurde. Rock wirkte nach dem Vorfall leicht konsterniert, fing sich aber schnell wieder und witzelte noch: „Das war die größte Nacht in der Geschichte des Fernsehens.“ Die Stimmung im Raum war zu diesem Zeitpunkt aber mindestens schon leicht gekippt. Denn: Smiths Rufe waren eindringlich genug, um schnell als „nicht gespielt“ identifiziert zu werden.

Warum hat Will Smith Chris Rock bei den Oscars geohrfeigt?

Doch warum ließ sich Will Smith vor einem Millionenpublikum zu einer Ohrfeige hinreißen? Die Antwort: Jada Pinkett-Smith leidet unter krankhaftem Haarausfall, einer sogenannten Alopecia. Und so entpuppt sich der als Witz gemeinte Spruch als nicht so witzig wie offensichtlich gedacht.

>> Oscars 2022: Alle Gewinner der der 94. Academy Awards im Überblick <<

Pinkett-Smith hatte 2018 zum ersten Mal in der Öffentlichkeit über ihre Krankheit gesprochen. Während ihres „Red Table Talk“ offenbarte sie: „Eines Tages stand ich unter der Dusche und hatte eine Handvoll Haare in meinen Händen. […] Es war einer dieser Momente in meinem Leben, in denen ich vor Angst zitterte. Deshalb schneide ich meine Haare und werde sie auch weiter schneiden.“

Inzwischen hat sie gelernt, mit ihrem Haarausfall zu leben. Nachdem sie sich im Juli 2021 die Haare ganz kurz schnitt, veröffentlichte sie im Dezember 2021 ein Video, das sie mit den Worten „An diesem Punkt kann ich nur noch lachen“ einleitet. Anschließend zeigt sie ihren inzwischen mehr als elf Millionen Followern eine haarlose Linie, die sich auf ihrem Kopf gebildet hatte:

 

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Will Smith entschuldigt sich für Ohrfeige – aber nicht bei Chris Rock

Trotz des starken Umgangs seiner Frau scheint das Thema im Hause Smith aber eines zu sein, das nicht immer Raum für Humor lässt – wie die Oscar-Ohrfeige eindrucksvoll beweist. Filmkritiker Matt Zoller Seitz sieht die Schuld allerdings nicht bei Chris Rock, sondern bei Sender ABC. Er schrieb bei Twitter: „Die Qualitätskontrolle bei ABC hat derart nachgelassen, dass niemand auf die Idee kam, Jada Pinkett-Smith und Haarausfall zu googeln, bevor der Witz Chris Rock gegeben wurde.“ Zudem merkt er an, dass man sich somit über eine Behinderung lustig gemacht habe, weil eine Autoimmunschwäche wie Alopecia als solche gelte:

Man sollte meinen, dass auch Will Smith weiß, dass Anmoderationen meist nicht von der Person geschrieben werden, die sie letztlich auch vorträgt. Trotzdem entschuldigte er sich wenig später bei seiner Dankesrede nach der Ernennung zum besten Hauptdarsteller nicht bei Rock, sondern bei der Filmakademie und den anderen Nominierten. Unter Tränen sagte er: „Du musst Deine Familie beschützen“ – so wie seine Filmfigur des Richard Williams („King Richard“) das mit den Töchtern Venus und Serena gemacht habe. Die Kunst imitiere manchmal das Leben, ergänzte er mit einem Lächeln. „Ich wirke wie der verrückte Vater“ – etwas, das Richard Williams auch vorgeworfen worden sei. Dabei wolle er ein Botschafter der Liebe und Fürsorge sein. Von den Gala-Gästen gab es anschließend Standing Ovations.

>> Nach Ohrfeigen-Skandal: Jetzt entschuldigt sich Will Smith auch bei Chris Rock <<