Foto: dpa
Foto: dpa

Mehrere Jahre lang kontrollierte der Alkohol Peer Kusmagks Leben. Nun hat er über dieses dunkle Kapitel geredet. Ein entscheidender Faktor für den Schritt zurück ins normale Leben: Frau Janni Hönscheid.

Alles fing an, als Kusmagk 2006 das französische Restaurant „La Raclette“ in Berlin-Kreuzberg eröffnete. Trank er zuvor nur gelegentlich, gab es nun nach einer gewissen Zeit fast jeden Tag Alkohol. „Mit den Gästen beim Plaudern und Feiern, das war einfach nett und gehörte dazu“, sagte er „Bild“.

Das Problem: Irgendwann ging es nicht mehr ohne. „Manchmal war ich morgens schweißgebadet, habe gezittert und hatte nur noch den Gedanken im Kopf, wie ich schnell und vor allem unauffällig wieder etwas trinken kann“, führte Kusmagk aus. „Ich erinnere mich, dass ich an einem Kinoabend zweimal den Saal verlassen habe, um angeblich auf die Toilette zu gehen. Stattdessen stand ich an der Bar und habe ein Bier geext.“

Zum ersten Mal bewusst wurde ihm seine Abhängigkeit dann während seiner Teilnahme bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. „Irgendwann lag ich 2011 im Dschungelcamp in Australien in der Hängematte und habe darüber nachgedacht, wie sehr mich der Alkohol eigentlich unter Kontrolle hat“, berichtete Kusmagk. Ein Wendepunkt – könnte man meinen. Denn ausgerechnet die Tatsache, dass der heute 44-Jährige die RTL-Show damals gewann, wurde ihm zum Verhängnis.

„Mein Leben war voller Euphorie, alle haben mich beklatscht, und ich war als Gewinner fast täglich irgendwo eingeladen. Ich war eine Mischung aus Karnevals- und Bundespräsident – überall auf der Gästeliste, hatte aber eigentlich nichts zu sagen. Und klar: Überall wurde Alkohol getrunken“, erinnerte sich Kusmagk, der seinen Tag irgendwann nur noch nach Gelegenheiten plante, an denen er unauffällig trinken konnte.

Und auch der Besitz seines Restaurants tat ihm nicht gut, schließlich konnte er sich dort frei bedienen. „Meistens hatte ich schon eine Flasche Weißwein getrunken, bevor die ersten Gäste kamen“, gab er zu. Im Laufe des Abends seien daraus gerne auch mal drei Flaschen geworden. Das ging so weit, dass Kusmagk am nächsten Morgen manchmal Castings und Interviews absagte.

Und als er seine Termine dann doch wahrnahm, wurde er vor laufender Kamera auf seine Fahne angesprochen – so wie 2011 im ZDF-Fernsehgarten von Moderatorin Andrea Kiewel. Doch es geht noch schlimmer: An eine Geburtstagsfeier in seinem Restaurant, zu der auch der Bundespräsident eingeladen war, konnte er sich am nächsten Morgen nicht mehr erinnern.

Zu dieser Zeit war eine Beziehung in Peer Kusmagks Leben undenkbar. „Da hat sich keine Frau länger an meiner Seite wohlgefühlt. Mit einem Alkoholiker will keiner zusammen sein“, gestand er. Letztlich habe ihn ein guter Freund dazu bewegt, einen Entzug zu beginnen. Drei Monate verbrachte er 2014 in der Salus Klinik in Lindow. „Eine brutale, aber sehr heilsame Zeit“, meint Kusmagk. „Erst kam der körperliche Entzug, dann der psychische, der wesentlich länger gedauert hat.“ Es folgten zwar Rückfälle, doch Kusmagk hatte einen Schutzengel: Janni Hönscheid, die sich – wie auch diese deutschen Promi-Frauen – schon für den Playboy auszog:

2016 lernten sich die beiden in der RTL-Nacktshow „Adam sucht Eva“ kennen. Und Kusmagk verliebte sich Hals über Kopf in die Surferin. „Sie war mein Rettungsanker“, sagte er über seine 15 Jahre jüngere Frau, mit der er heute zwei Kinder hat. „Janni hat mich an die Hand genommen und mir mit ihrer Lebensenergie und Wärme den Weg in mein neues unabhängiges, sportliches und glückliches Leben gezeigt.“ Heute denke er nicht einmal mehr an den Alkohol – und ermutigt andere Betroffene, den ersten Schritt zu gehen: „Ich möchte den Leuten sagen: ‚Traut euch, zu euren Schwächen zu stehen. Traut euch, auch zuzugeben, dass ihr eine Krankheit habt. Es lohnt sich!“