Dieter Hallervorden
Foto: Fabian Sommer/dpa

Seit Jahrzehnten ist Dieter Hallervorden als Blödel-König bekannt – dabei kann er auch ernst, wie sich zuletzt in der Corona-Krise zeigte, als er inständig um größere Anstrengung für die Unterstützung von Kultureinrichtungen bat. Still ist es um den legendären Theatermacher und Schauspieler – palim, palim – längst nicht geworden, der am Samstag seinen 85. Geburtstag mit einer Premiere in seinem Schlosspark Theater feiert.

Hallervordens Karriere ist voller Wendungen, und das auch, weil der Mann mit dem Knautsch-Gesicht und der markanten Stimme sich fast alles selbst erarbeitet hat. Getreu seinem Motto: „Ein Gramm Handeln wiegt mehr als eine Tonne Gequatsche.“ Schon früh politisch interessiert, flüchtet der in Dessau geborene Ingenieurs-Sohn als 22-Jähriger aus der DDR. Sein Start ins Schauspielfach ist schwierig, das Wiener Max-Reinhardt-Seminar lehnt Hallervorden wegen „mangelnden Talents“ ab.

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Hallervorden spielt trotzdem, zunächst auf kleineren Bühnen in West-Berlin, und gründet 1960 das bis heute bestehende Kabarett „Die Wühlmäuse“. Das Haus im Berliner Westend ist nicht nur Bühne für Hallervordens eigene politische Satire, auch die Karrieren vieler anderer deutscher Komödianten nehmen dort ihren Anfang. Ende der 60er Jahre ergattert Hallervorden erste Filmrollen, woraufhin ihm der Durchbruch im Abendfernsehen gelingt.

Mit der Kunstfigur „Didi“ kitzelt Hallervorden in den 70er Jahren die Lachmuskeln der Nation, albert sich in Sendungen wie „Nonstop Nonsens“ mit verzerrtem Gesicht von einem Sketch zum nächsten. In der Rolle eines Häftlings öffnet er eine imaginäre Ladentür mit dem Ausruf „palim, palim“ und bestellt „eine „Flasche Pommes Frites“ – ein Witz für die Ewigkeit.

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In den 80ern locken Hallervordens Klamaukfilme wie „Didi – Der Doppelgänger“ oder „Didi – Der Experte“ Zehntausende ins Kino. Dann besinnt er sich in den 90er Jahren zurück aufs politisches Kabarett. So laufen in der ARD bis 2003 insgesamt acht Staffeln von „Hallervordens Spott-Light“. Er klopft Sprüche wie: „Manche Politiker muss man behandeln wie rohe Eier. Und wie behandelt man rohe Eier? Man haut sie in die Pfanne.“

Im Dezember 2008 übernimmt Hallervorden das leerstehende Berliner Schlosspark Theater im Südwesten der Stadt. Das Haus hat heute einen festen Platz in Berlins Theaterszene.

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Die größte Überraschung ist Hallervordens Comeback auf der Kinoleinwand – erst im vielgepriesenen Film „Sein letztes Rennen“, dann 2014 in der Til-Schweiger-Produktion „Honig im Kopf“. Das Demenz-Drama bricht Zuschauer-Rekorde, Hallervorden gilt nun als Charakterschauspieler. Am Abend seines Geburtstags zeigt die ARD in Erstausstrahlung eine Verfilmung des Lily-Brett-Romans „Chuzpe“, in der Hallervorden einen Holocaust-Überlebenden spielt.

Der Vater von vier Kindern aus zwei Ehen kann allerdings auch anecken. Im April sagte er während seiner Dankesrede zur Verleihung des österreichischen Filmpreises „Romy“, er hole den Preis „heim ins Reich“. Er habe die Österreicher an ihre einstige Begeisterung für Hitler-Deutschland erinnern wollen, erklärte er später in einem Interview seine Äußerung.

Auch seinen 80. Geburtstag beging Hallervorden 2015 mit einer Theaterpremiere – am Samstag steht er nun fünf Jahre später im Schlosspark Theater für die Premiere der Komödie „Gottes Lebenslauf“ auf der Bühne. Noch in diesem Jahr sollen für ihn außerdem die Dreharbeiten zur ZDF-Serie „Mein Freund, das Ekel“ beginnen.

Denn aktiv ist er, nicht nur geistig. Hallervorden setzt auf viel Bewegung, wie er im April diesen Jahres erst betont: „Intensiv – und es gibt keine Ausrede – das hilft.“

Quelle: AFP