Michael Wendler
Foto: Henning Kaiser/dpa

Michael Wendler hatte seine Rückkehr am 3. November angekündigt – und er hat geliefert: Auf Instagram hat der Schlagerstar ein langes Statement veröffentlicht. In dem Video entschuldigt er sich bei „RTL“ und liefert eine kuriose Begründung für seinen „DSDS“-Rücktritt.

Nach einem kurzen Teaser zur anstehenden Präsidentschaftswahl, bei der der Wendler – übrigens in Republikaner-rot gekleidet – Donald Trump gute Chancen einräumt, weil dieser für eine „Aufbruchstimmung sondergleichen“ gesorgt habe, kommt der 48-Jährige zu den Themen, die wir von seiner Seite sehnlichst erwartet hatten.

Michael Wendler: „Ich bin kein Verschwörungstheoretiker oder Corona-Leugner“

Er habe Zeit gebraucht, das „große Ganze“ zu betrachten, erklärt er seine „Telegram“-Pause und schiebt hinterher: „Ich habe bemerkt, dass das, was ich gepostet habe, nicht richtig wahrgenommen wurde.“ Was er in der Zwischenzeit in den deutschen Medien über sich lesen musste, habe ihm gar nicht gefallen. „Ich bin überhaupt kein Verschwörungstheoretiker oder Corona-Leugner. Nein, ich kann euch hier und jetzt sagen: Das Coronavirus gibt es. […] Ich werde es mit Sicherheit nicht leugnen. Das wäre auf jeden Fall falsch. Und das habe ich übrigens auch nie getan.“ Stattdessen könne man ihn eher einen „Corona-Realisten“ oder „Pandemie-Maßnahmen-Skeptiker“ nennen.

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Seine getätigten Aussagen begründet er mit der im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit: „Jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen in Wort, Schrift und Bild. Und mehr habe ich übrigens nicht gemacht. Ich habe die Maßnahmen der Regierung zur Corona-Pandemie infrage gestellt. Und jeder von uns sollte das Recht haben, das zu tun, ohne dafür in irgendeiner Weise belangt oder bestraft zu werden.“

Wendler-Wende im Fall „RTL“

Doch in Michael Wendlers Statement gibt es nicht nur Begründungen, sondern auch eine Entschuldigung – in Richtung „RTL“. In seinem Anfang Oktober veröffentlichten Video hatte er mehrere Fernsehsender, darunter eben auch „RTL“, beschuldigt, „gleichgeschaltet“ zu sein.

Das müsse er nun „ein bisschen revidieren“, denn: „Es gab tatsächlich in letzter Zeit einige Berichte, die mich sehr erfreut haben. Es gab auch kritische Berichte zur Pandemie und den Corona-Maßnahmen, auch in ARD und ZDF und WDR. Ich muss mich an dieser Stelle bei RTL entschuldigen. Ich habe RTL wahrscheinlich ziemlich Unrecht getan, indem ich RTL mit in dieses Boot gezogen habe. Aber RTL war bislang der einzige Sender, der sich bemüht hat um ein Interview mit mir, um klarzustellen, warum ich so denke, wie ich denke. Das ist sehr lobenswert.“

Dass er das Interview abgelehnt habe, sehe er im Nachhinein als Fehler: „Das tut mir leid an dieser Stelle. Und ich entschuldige mich in aller Form bei RTL. Ich möchte das auf jeden Fall zurücknehmen. Die Gleichschaltung, das war der falsche Ausdruck, und dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen.“

Wirre Begründung für „DSDS“-Rückzug

Wer nun gehofft hatte, Wendler sei wieder einigermaßen zur Vernunft gekommen, der wurde kurz darauf schon wieder enttäuscht. Denn die Begründung für seinen Rückzug aus der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ bewegt sich dann schon wieder eher auf dem Niveau des ursprünglichen Statements, das so hohe Wellen geschlagen hatte.

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„Ich habe eine Erfahrung gemacht, die mich zutiefst bestürzt hat“, holt der Ballermann-Star aus. „Ich war nämlich schon Anfang des Jahres in Deutschland zu einer Fernsehproduktion – mit Laura zusammen. Das war ‚Let’s Dance‚. Wir wurden wie Hunde auf die Straße geschmissen, weil von jetzt auf gleich ein Lockdown ausgerufen wurde, nämlich der erste, und die Hotels schließen mussten.“ Dieses Ereignis habe ihn „tief zerstört“, weil er kein Zuhause in Deutschland habe. „Ich stand auf einmal da und musste bei einem Freund unterkommen. Das hat mich sehr beunruhigt.“

Aus diesem Grund habe er „RTL“ schon früh darüber informiert, dass er aussteigen würde, wenn er das Gefühl habe, dass es einen zweiten Lockdown geben könne. „Für mich ist es als Musiker und Medienmensch schwierig, irgendwo unterzukommen, wenn Hotels auf einmal schließen. Das alles hat mich dazu bewogen, meine Teilnahme bei DSDS vorläufig einzustellen, in der Hoffnung, dass es irgendwie weitergeht. Das hat sich leider zerschlagen.“ Nun gut, diese Erklärung stempeln wir dann wohlwollend einfach mal als „holprig“ ab.

Michael Wendler verteidigt Laura Müller

Apropos „holprig“: Auch die Weise, auf die der Wendler seine Frau Laura Müller in dem Video verteidigt, könnte man so bezeichnen. Er erzählt, wie sich nahezu sämtliche Unternehmen – mit einer einzigen Ausnahme – von ihr abgewendet hätten. Und ja, natürlich ist das nicht schön – gerade, wenn man selbstständig und finanziell von diesen abhängig ist.

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An dieser Stelle stellt sich aber natürlich die Frage, ob ein Mann mit so viel Erfahrung im Mediengeschäft diese Entwicklung nicht hätte absehen können. Dazu sagt Wendler schlicht: „Wenn der Ehemann eine Bank ausraubt, dann muss die Ehefrau doch auch nicht in den Knast. Das ist hier praktisch passiert. Ich kann die Firmen nicht verstehen, die sich von meiner Frau distanziert haben, nur weil sie glauben, dass sie ähnlich denkt wir ich. Ich muss hier ganz klar sagen, das tut Laura nicht. Laura ist ein eigenständiger Mensch. Laura hat ihre eigene Meinung, die hat sie auch vertreten, übrigens auch in einem Post.“ Nur um im nächsten Satz zu sagen: „Sie ist eine junge Frau, die völlig unpolitisch ist und zu den Maßnahmen der Regierung zu Corona keine große eigene Meinung hat.“

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Wie ernst meint Michael Wendler seine Aussagen?

Zugegeben: So wirklich überraschend kommt die Kehrtwende nach der harschen Kritik, der sich Michael Wendler stellen musste, nicht, schließlich ist auch er darauf angewiesen, für Auftritte und Konzerte gebucht zu werden. Deshalb darf gut und gerne in Frage gestellt werden, wie ernst seine Entschuldigung gemeint ist. Fakt ist: Wendler hat seine „Telegram“-Gruppe noch nicht gelöscht. Ganz im Gegenteil! Er befeuert seinen Kanal wieder mit fragwürdigen Inhalten von Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman.

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Spätestens, wenn der Wendler irgendwann wieder deutschen Boden betritt, werden wir wissen, was der „Rückzug vom Rückzug“ ihm tatsächlich gebracht hat. Und dass das passiert, steht für ihn offenbar fest: „Ich komme natürlich zurück nach Deutschland. Ich bin auch nicht auf der Flucht, sondern ich bin wieder – vielleicht auch noch dieses Jahr oder Anfang nächsten Jahres – zurück in Deutschland. So Gott will, wird es dann auch wieder Konzerte geben. Ich arbeite auf jeden Fall weiter und mache meine Musik für euch. Bis die Zeiten wieder etwas normaler werden, dann auch nur noch das.“

Und weiter: „Es wäre schlimm genug, wenn ich mich als Schlagersänger um Pandemie-Maßnahmen kümmern muss. Ich finde, jeder hat auch die Verpflichtung, Dinge auszusprechen, die ihm vielleicht nicht richtig vorkommen. Das habt ihr genauso gut wie ich. Also, macht es gut und bleibt anständig!“