Michael Wendler
Foto: Henning Kaiser/dpa

Als Michael Wendler „DSDS“ mit einem Knall verließ, war viel Material schon abgedreht. Nun zeigt sich, was TV-Zuschauer zu sehen bekommen. Der 48-Jährige dürfte nicht begeistert sein.

Der mit Eklat aus der „Deutschland sucht den Superstar“ ausgestiegene Sänger Michael Wendler bekommt bei seinen verbliebenen Auftritten in der Sendung ordentlich Seitenhiebe ab. Zu sehen ist das in der ersten Folge der neuen Staffel der RTL-Castingshow. Sie war schon vor der RTL-Ausstrahlung am Dienstag (20.15 Uhr) auf der Streaming-Plattform „TV NOW“ zu sehen. Immer wieder wird der Schlagersänger – eigentlich Jury-Mitglied – da zum Ziel von Witzen oder unvorteilhaft in Szene gesetzt.

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Als eine Kandidatin etwa erklärt, sie habe keinen Job und lebe von ihren Eltern, wird Chef-Juror Dieter Bohlen grundsätzlich: „Die Leute machen den Fernseher an oder gucken Youtube. Da sehen die: Alle Leute feiern, fahren Lamborghini, schmeißen die Kohle raus.“ Dann werden Fotos von Wendler eingeblendet – mit Motorrad, vor einem Boot, mit dicker Zigarre. Als eine andere Kandidatin sagt, sie sei 18 Jahre, notiert sich Wendler etwas. Eine fiktive Checkliste wird eingeblendet: „Weiblich“, „2 Beine“, „18“. Offensichtlich eine Anspielung auf Wendlers deutlich jüngere Ehefrau Laura Müller, inzwischen 20.

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Zum Hintergrund: Michael Wendler hatte im Oktober seinen Rückzug aus der DSDS-Jury erklärt, nachdem erste Folgen bereits abgedreht waren. Der Skandal war seine Begründung: Er warf der Bundesregierung „grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung“ in der Corona-Krise vor. Zudem beschuldigte er Fernsehsender – darunter RTL – „gleichgeschaltet“ zu sein.

Der Sender distanzierte sich sofort und nannte Wendler einen Verschwörungstheoretiker. Auf Wendlers Instagram-Kanal sind immer noch Begriffe wie „Fake Pandemie“ und „Medienzensur“ zu lesen. Seinem Unmut macht er zudem immer wieder beim unter Verschwörungstheoretikern beliebten Messenger-Dienst Telegram Luft.

Aus „DSDS“ komplett rausgeschnitten wird der Wendler allerdings nicht. Es gehe dabei auch um die Fairness den Sängern gegenüber, die wegen seines Urteils weiterkamen oder nicht, erklärte RTL. Die große Frage war aber, wie das abgedrehte Wendler-Material verwendet wird.

Nun ist etwa auch zu sehen, wie ein Jury-Kommentar von Wendler im Schnelldurchlauf abgespielt wird, sein Jury-Kollege Mike Singer wird dazu gähnend gezeigt. An anderer Stelle sagt der Schlagersänger, der in Florida lebt, man könne die Everglades nicht mit dem Rhein vergleichen, „aber hier wirst du wenigstens nicht von Krokodilen gefressen“. Dazu ergänzt ein Off-Sprecher trocken: „Die nehmen ja auch nicht jeden.“

Wendler rechnete mit „Spott und Hohn“

Wie nicht anders zu erwarten war, bezog der Gescholtene auch gleich auf Instagram Stellung. In einer Story erklärte er: „Es war zu vermuten, dass über mich Spott und Hohn ausgebreitet wird. Warum? Ich hab‘ die Bundesregierung kritisiert, ich habe von meiner Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht. Und deswegen wird man so behandelt.“

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Besonders „verblüffend“ sei für ihn gewesen, dass seine Frau Laura zu sehen ist, obwohl RTL angekündigt habe, sie spiele keine Rolle. Das wiederum stimme nicht, denn die 20-Jährige sei – vertraglich festgehalten – als Backstage-Reporterin eingeplant gewesen und habe diese Tätigkeit „14 oder 17 Tage lang durchgeführt und fleißig gearbeitet“. „Hier gibt es ein paar Desinformationen“, sagt der Wendler, „aber ich habe ja meinen Kanal, um euch aufzuklären.“

Geschmackloser KZ-Vergleich – und eine abenteuerliche Erklärung

Nun gut, Stellung zu etwas zu beziehen, ist nicht verboten. Und in diesem Fall zeigte der Wendler ein vergleichsweise harmloses Gesicht. Was sich jedoch auf seinem Telegram-Kanal abspielte, ist absolut nicht zu entschuldigen. Denn nachdem durchgesickert war, dass die Bundesregierung den ursprünglich bis zum 10. Januar geplanten Corona-Lockdown bis mindestens Monatsende verlängern und die Maßnahmen noch einmal verschärfen würde, meldete er sich zu Wort. Im Mittelpunkt: der festgelegte Bewegungsradius von 15 Kilometern für Bewohner von Hotspots (Inzidenzwert über 200).

Wendler setzte dazu folgende Nachricht ab: „KZ DEUTSCHLAND??? ES IST EINFACH NUR NOCH DREIST WAS SICH DIESE REGIERUNG ERLAUBT! DAS EINSPERREN VON FREIEN UND UNSCHULDIGEN MENSCHEN IST GEGEN JEGLICHE MENSCHENWÜRDE!!!“ Und prompt hagelte es Kritik in Richtung RTL:

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RTL antwortete wie folgt:

Doch zurück zum Wendler. Der reagierte auf die Empörung über seinen KZ-Vergleich mit einer äußerst abenteuerlichen Erklärung. In einer Instagram-Story erklärte er, dass er die „menschenverachtende neue Corona-Regelung der Sektorengrenzenplanung“ niemals mit dem Wort „Konzentrationslager beschrieben habe“, sondern „KZ“ eine Abkürzung für „Krisen Zentrum“ sei. Wir lassen das an dieser Stelle einfach mal unkommentiert.

Politiker fordern DSDS-Abbruch

Einer, der gar nichts von diesen KZ-Aussagen hält, ist Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker. Der CDU-Politiker sagte: „Wer die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland mit einem KZ gleichsetzt und damit die Shoah derart relativiert, der sollte nicht von Woche zu Woche einem Millionenpublikum als Juror vorgesetzt werden.“ Seine Forderung: „DSDS“ solle abgebrochen werden – es sei denn, RTL finde einen Weg, die aufgezeichneten Folgen auch ohne Wendler zu zeigen.

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„Die Aufregung um die Auftritte von Michael Wendler bei ‚DSDS‘ verschaffen ihm und seinen kruden Verschwörungsmythen noch mehr Aufmerksamkeit“, sagte die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger der dpa. RTL solle prüfen, wie es seiner Verantwortung gerecht werde. „Michael Wendlers Äußerungen bewegen sich im Bereich der Holocaust-Relativierung. Diesem ernsten Fall muss auch mit entsprechender Ernsthaftigkeit beim Sender begegnet werden.“

Quelle: mit Agenturmaterial (dpa)