Christoph Metzelder
Foto: Federico Gambarini/dpa

Das Amtsgericht Düsseldorf hat den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Der 40-Jährige hatte kinder- und jugendpornografische Dateien weitergegeben. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft räumte Metzelder am Donnerstag in Teilen ein. Daraufhin wurde der Prozess gegen ihn bereits am ersten Tag beendet.

UPDATE, 3. MAI 2021: Das Urteil gegen Ex-Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder ist rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft habe ihre Berufung zurückgenommen und beide Seiten hätten Rechtsmittelverzicht erklärt, teilte das Düsseldorfer Amtsgericht am Montag mit.

Ein letzter aufmunternder Schulterklopfer eines Begleiters beim Aussteigen aus dem schwarzen Van. Dann geht Christoph Metzelder zügig am Spalier der Fotografen und Kameraleute durch den Haupteingang des Düsseldorfer Amtsgerichts. Der Ex-Nationalspieler erscheint mit schwarzem Mund-Nasen-Schutz, grau-meliertem Sakko und weißem Shirt zum Prozessauftakt. Es ist das erste Mal, das er sich öffentlich zeigt seit dem Bekanntwerden der schweren Vorwürfe gegen ihn. Auch geäußert hatte er sich bislang nicht, aber das soll sich nun ändern.

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Mit gesenktem Blick nimmt der 40-Jährige wenige Minuten später auf der Anklagebank Platz. Gut eineinhalb Jahre nachdem die Ermittlungen gegen Metzelder bekannt wurden, wird der Fall am Donnerstag öffentlich verhandelt. Der Vorwurf lautet Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften und Weiterleitung von 29 solcher Dateien an drei Frauen. Richterin Astrid Stammerjohann beginnt pünktlich auf die Minute und übergibt sofort an die Staatsanwältin, die die Anklage verliest. Dabei lässt die Anklägerin keinen Zweifel an der Art der Bilder, die im Chat und auf Metzelders Handy sichergestellt wurden.

Schwer erträgliche Bilder

Die Rede ist von unter zehn Jahre alten Mädchen, die während der Aufnahmen schwer sexuell missbraucht worden sein müssen. Minutenlang müssen die Prozessbeobachter die schwer erträglichen Beschreibungen aushalten. Verschickt haben soll Metzelder die Dateien per WhatsApp, darunter auch zwei Videodateien.

Die Staatsanwaltschaft listet Tage und Uhrzeiten im August 2019 auf. Insgesamt 297 strafbare Dateien hätten sich auf seinem Handy befunden. Woher Metzelder sie hatte, wird nicht gesagt. Nach einer längeren Unterbrechung gibt die Richterin bekannt, worauf man sich geeinigt hat: Zehn bis zwölf Monate Haft auf Bewährung im Gegenzug für ein Geständnis, das prompt folgt.

Er habe von frei zugänglichen Seiten im Internet Screenshots einiger Bilder angefertigt und diese auch verschickt. Das seien 18 Dateien gewesen. „Ich habe nur das besessen, was ich auch verschickt habe“, sagt Metzelder und jetzt ist seine Stimme stockend und brüchig.

Christoph Metzelder
Christoph Metzelder steigt vor dem Prozessauftakt aus einem Auto. Foto: Martin Meissner/AP

Metzelder bittet um Vergebung

„Die Faszination des Unaussprechlichen lag in einer gemeinsamen Grenzüberschreitung. Es hat keine Übergriffe gegeben und es waren auch keine geplant. Ich war auch nicht in einschlägigen Foren unterwegs. Das alles hat ausschließlich in einer digitalen Parallelwelt stattgefunden“, sagt der 40-Jährige weiter. „Ich akzeptiere die Strafe und bitte die Opfer sexueller Gewalt um Vergebung. Ich werde den Rest meine Lebens mit dieser Schuld als Teil der Gesellschaft leben müssen.“

Damit war der Weg frei für ein rasches Urteil.

Die Durchsuchung der Ermittler stelle für ihn „eine berufliche und private Zäsur“ dar, hatte er zu Beginn des Prozesses gesagt. Er lebe seitdem zurückgezogen. Das Bundesverdienstkreuz, den Landesverdienstorden NRW – alle öffentlichen Auszeichnungen werde er zurückgegeben, kündigt er dann an.

Der 4. September 2019 als Zäsur

Vize-Weltmeister Metzelder stand 2019 vor dem großen Sprung bei seiner zweiten Karriere nach der aktiven Fußballerkarriere. Er war als TV-Experte gefragt, sollte die EM 2020 kommentieren. Von mehreren Seiten wurde Metzelder im Frühsommer 2019 sogar für das Amt des DFB-Präsidenten als Nachfolger von Reinhard Grindel ins Gespräch gebracht.

Doch dann kam der 4. September 2019, die Zäsur. Ermittler hatten Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder beim Fußballlehrer-Lehrgang des DFB in Hennef abgepasst. Sein Zimmer dort und seine Wohnung in Düsseldorf wurden durchsucht und rasch wurde es publik: Gegen den Vize-Weltmeister von 2002 wird wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt, wie es damals noch hieß.

Vor dem Prozessbeginn hatte Verteidiger Sommer in Interviews gesagt, dass Metzelder „natürlich nicht pädophil“ sei. Sein Mandant sei provoziert worden von einer Frau, mit der er damals ein intimes Verhältnis gehabt habe und die, so vermute er, dabei gelenkt worden sei.

Der Anwalt der Zeugin hatte dies zurückgewiesen: Es sei Metzelder gewesen, der das Thema auf sexuelle Fantasien mit Minderjährigen gelenkt habe. Dies gehe aus dem Chatverlauf eindeutig hervor. Seine Mandantin habe nur Interesse vorgegeben, um ihn überführen zu können.

Nach Bekanntwerden der Ermittlungen hatte Metzelder Positionen und Ämter ruhen lassen und die von ihm mitgegründete PR-Agentur verlassen. Seine Teilnahme am Fußballlehrer-Lehrgang des DFB hatte er ausgesetzt.

Deswegen fiel das Urteil milde aus

In der Urteilsbegründung sprach Richterin Astrid Stammerjohann von relativ wenigen Straftaten. „Das besondere öffentliche Interesse ist die Kehrseite ihrer Berühmtheit“, sagte Stammerjohann. Metzelder dürfte für absehbare Zeit weder seiner beruflichen Tätigkeit nachgehen können, noch am öffentlichen Leben teilnehmen.

Positiv sei ihm beim Strafmaß angerechnet worden, dass er frühzeitig eine Therapie absolviert habe. Außerdem sei er nicht vorbestraft und es sei zu erwarten, dass er künftig keine Straftaten mehr begeht. „Für mich hat er echte Reue gezeigt“, sagte die Richterin weiter.

Metzelders Anwalt Ulrich Sommer ließ anschließend auf dem Gerichtsflur offen, ob sein Mandant das Urteil annehmen wird. Der Prozess habe Fragen zur Rolle der Medien und zu einer möglichen Anstiftung nicht beantwortet. Die Rolle als Angeklagter sei für seinen Mandanten sehr belastend gewesen, deshalb habe er es vorgezogen, in dieser Instanz einen vorläufigen Schlussstrich zu ziehen. „Ob das wirklich ein Schlussstrich ist, werden wir noch erörtern“, sagte Sommer.

Ob die Staatsanwaltschaft das Urteil annehmen wird, blieb offen. Die Staatsanwältin wollte sich zu der Frage nicht äußern. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin hatte die Anklage in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe von 14 Monaten auf Bewährung gefordert.

Quelle: dpa