Foto: dpa/Chris Pizzello
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Unter den vielen Oscar-Nominierten sind auch einige Deutsche, die damit Chancen auf eine der begehrten Trophäen haben:

Ein aufregendes, spannendes und vielfältiges Trophäenspektakel haben die Produzenten der Oscar-Gala für den kommenden Sonntag (24. Februar) versprochen. Doch im Vorfeld der 91. Academy Awards gab es jetzt schon mehr ungewolltes Drama als geplant. Bis zuletzt häuften sich die Schlagzeilen, Stars liefen Sturm.

Prominente Filmschaffende wie Quentin Tarantino, Glenn Close und George Clooney protestierten lautstark gegen Pläne der Filmakademie, einige Trophäen in den Werbepausen der Gala zu verleihen, um die Show damit kürzer zu halten. Nach einem zähen Hin und Her lenkten die Oscar-Bosse ein – alles werde im „traditionellen Format“ über die Bühne gehen, so das Versprechen.

Von wegen Tradition: Erstmals seit 30 Jahren fehlt ein Gastgeber, der mit witzigen Einfällen die Show lenkt. US-Komiker Kevin Hart war nach einer Kontroverse um frühere schwulenfeindliche Bemerkungen im Dezember abgesprungen. Bis zuletzt wurde über einen Nachfolger spekuliert. Der fand sich nicht, jetzt sollen Star-Präsentatoren – darunter Charlize Theron, Javier Bardem und Daniel Craig – die Lücke füllen.

Die Oscar-Nominierungen in den wichtigsten Sparten:

BESTER FILM:
– „A Star Is Born“
– „BlacKkKlansman“
– „Black Panther“
– „Bohemian Rhapsody“
– „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“
– „Green Book – Eine besondere Freundschaft“
– „Roma“
– „Vice: Der zweite Mann“

BESTE REGIE:
– Alfonso Cuarón („Roma“)
– Spike Lee („BlacKkKlansman“)
– Adam McKay („Vice“)
– Pawel Pawlikowski („Cold War“)
– Yorgos Lanthimos („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)

BESTE HAUPTDARSTELLERIN:
– Glenn Close („Die Frau des Nobelpreisträgers“)
– Lady Gaga („A Star Is Born“)
– Melissa McCarthy („Can You Ever Forgive Me?“)
– Olivia Colman („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
– Yalitza Aparicio („Roma“)

BESTER HAUPTDARSTELLER:
– Christian Bale („Vice: Der zweite Mann“)
– Bradley Cooper („A Star Is Born“)
– Willem Dafoe („At Eternity’s Gate“)
– Rami Malek („Bohemian Rhapsody“)
– Viggo Mortensen („Green Book – Eine besondere Freundschaft“)

BESTE NEBENDARSTELLERIN:
– Amy Adams („Vice: Der zweite Mann“)
– Regina King („If Beale Street Could Talk“)
– Emma Stone („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
– Rachel Weisz („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
– Marina de Tavira („Roma“)

BESTER NEBENDARSTELLER
– Mahershala Ali („Green Book – Eine besondere Freundschaft“)
– Adam Driver („BlacKkKlansman“)
– Richard E. Grant („Can You Ever Forgive Me?“)
– Sam Elliott („A Star Is Born“)
– Sam Rockwell („Vice: Der zweite Mann“)

BESTER FREMDSPRACHIGER FILM (sogenannter Auslands-Oscar):
– „Werk ohne Autor“ (Deutschland)
– „Roma“ (Mexiko)
– „Cold War“ (Polen)
– „Capernaum“ (Libanon)
– „Shoplifters“ (Japan)

Spannung ist am Sonntag garantiert, denn auch bei den Gewinnern ist vieles offen. Im vorigen Jahr dominierte das Fantasy-Märchen „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ mit 13 Nominierungen – am Ende gab es vier Oscars, auch in den Topsparten Bester Film und Regie. Diesmal scheint es auf ein enges Rennen mit vielen Überraschungen hinauszulaufen. Die Favoriten sind „Roma“ und „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ mit je zehn Gewinnchancen, beide räumten auch schon bei den britischen Baftas ab. Der Gegensatz zwischen den Werken könnte nicht krasser sein.

In dem in Schwarz-Weiß gedrehten Netflix-Drama „Roma“ erzählt Oscar-Preisträger Alfonso Cuarón die sehr persönliche Geschichte einer Familie im Mexiko der 70er Jahre. Alleine Cuarón könnte am Sonntag vier Trophäen stemmen – als bester Regisseur, für Kamera, Original-Drehbuch und als Produzent des besten Films. „Roma“ würde Hollywood-Geschichte schreiben, falls es den Top-Preis als bester Film und zugleich den Auslands-Oscar holt. Das hat zuvor noch kein „nicht-englischsprachiger“ Film geschafft.

Schrill und bunt geht es dagegen in der Historien-Groteske „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ über Intrigen am Hof der britischen Queen Anne Stuart zu. Der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos setzt auf schräge Charaktere und sein geniales Frauen-Trio Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone.

Insgesamt haben acht Werke Chancen auf den Top-Preis als Bester Film. Gute Karten hat etwa die Tragikömodie „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ mit Viggo Mortensen und Mahershala Ali. Die Filmbiografie holte kürzlich den renommierten US-Produzenten-Preis, dessen Sieger gewinnen oft auch den Oscar.

Oder ist es das Jahr der schwarzen Superhelden? Mit dem Blockbuster „Black Panther“ brachte es zum ersten Mal in der Oscar-Geschichte eine Comicbuch-Verfilmung zu einer Nominierung in der Spitzenkategorie Bester Film, wo auch „A Star Is Born“, „Bohemian Rhapsody“, „Vice: Der zweite Mann“ und „BlacKkKlansman“ mitmischen.

Noch vor drei Jahren stand mit dem Twitter-Hashtag #OscarsSoWhite die mangelnde Vielfalt der Nominierten am Pranger, jetzt gibt es keine Empörung über „weiße“ Oscars. Das schwarze Multitalent Spike Lee (61, „Jungle Fever“, „Malcom X“) holte mit dem Rassismus-Drama „BlacKkKlansman“ seine erste Oscar-Nominierung als Regisseur. Diese Sparte ist aber auch in diesem Jahr, wie so oft, reine Männersache. Mit Lee sind unter anderem Cuarón, der Grieche Lanthimos und der Pole Pawel Pawlikowski („Cold War“) im Rennen.

Auch deutsche Filmfans können der Oscar-Gala entgegenfiebern. Mit dem Künstlerporträt „Werk ohne Autor“ könnte Florian Henckel von Donnersmarck den zweiten Auslands-Oscar nach Deutschland holen – zwölf Jahre nach seinem Triumph mit dem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“. Der Film mit Tom Schilling, Sebastian Koch und Paula Beer hat neben der Sparte „nicht-englischsprachiger Film“ eine weitere Gewinnchance. Überraschend wurde auch der US-Kameramann Caleb Deschanel (74, „Der Stoff, aus dem die Helden sind“) für seine Arbeit an „Werk ohne Autor“ nominiert.

Deutsche Nominierte

  • „Werk ohne Autor“: Das Künstlerdrama des deutschen Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck (45) gehört zu den fünf Finalisten in der Sparte bester nicht-englischsprachiger Film. In den Hauptrollen sind Tom Schilling als Künstler, Paula Beer als dessen Ehefrau und Sebastian Koch als Schwiegervater zu sehen. Zu den Konkurrenten in dieser Oscar-Kategorie zählen unter anderem die Filme „Roma“ (Mexiko) und „Cold War“ (Polen).
  • „Werk ohne Autor“ hat darüber hinaus noch eine weitere Preis-Hoffnung: Auch der US-Kameramann Caleb Deschanel (74) ist für seine Arbeit nominiert. Für Donnersmarck ist es die zweite Oscar-Chance. Mit dem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ holte er 2007 bereits den Auslands-Oscar.
  • „Of Fathers And Sons – Die Kinder des Kalifats“: Die deutsche Ko-Produktion ist in der Sparte für die beste Dokumentation nominiert. Regie führte der aus Syrien stammende und in Berlin lebende Regisseur Talal Derki (41). In der deutsch-syrisch-libanesischen Doku über die Kriegstraumata von Jugendlichen folgt Derki der Familie eines islamistischen Kämpfers während des syrischen Bürgerkriegs.

In der Sparte beste Dokumentation ist „Of Fathers And Sons – Die Kinder des Kalifats“ des aus Syrien stammenden und in Berlin lebenden Regisseurs Talal Derki unter den fünf Anwärtern.

Hollywoodlegende Glenn Close (71) sollte auf alle Fälle eine Dankesrede parat haben. Mit ihrer bewegenden Hauptrolle in „Die Frau des Nobelpreisträgers“ gilt sie als klare Favoritin – es wäre ihr erster, längst überfälliger Oscar-Triumph. Der scheint auch Rami Malek (37) fast sicher, nachdem der US-Schauspieler mit seiner verblüffenden Verwandlung in den Queen-Sänger Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“ bereits bei den Golden Globes und Bafta-Preisen abgeräumt hat.

Kurz, knackig und von Herzen gesprochen sollen die Dankesreden sein, dies legte die Akademie den Anwärtern nahe. Wenn ihr Name fällt, haben sie gerade mal 90 Sekunden Zeit, vom Gang auf die Bühne bis zum letzten „Thank You“. Fast vier Stunden zog sich die Show im vergangenen März hin, eine der längsten der letzten Jahrzehnte. Diesmal soll es straffer zugehen, die TV-Ausstrahlung werde auf drei Stunden begrenzt, tönten die Veranstalter vorab.

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(dpa)