Rapper Capital Bra
Foto: Uli Deck/dpa

In den vergangenen Jahren ist in Deutschland ein regelrechter Boom um Tilidin entstanden. Besonders im Deutschrap ist das verschreibungspflichtige Schmerzmittel allgegenwärtig – nun hat Capital Bra, einer der größten Musiker der Szene, offen über seine Sucht gesprochen.

So offen sieht man Capital Bra in Interviews nur sehr selten. Er hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur an die Spitze der deutschen Rapszene, sondern mit 20 Nummer-eins-Tracks auch an die Spitze der deutschen Charts gesetzt.

Sehr nachdenklich und selbstkritisch ist er aber im Gespräch mit dem YouTube-Channel „STRG_F“ über seine Tilidin-Sucht. Etwa mit 15 Jahren habe er das erste Mal eine Tablette angeboten bekommen, direkt hat er den „schlimmsten Absturz“ erlebt. Zwei Tage lang kotzen sei nach dem ersten Probieren die Konsequenz gewesen.

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Für den gebürtigen Russen war das aber nicht das Ende mit dem Schmerzmittel, ganz im Gegenteil. Auch beim „Klarkommen“ mit dem zunehmenden Erfolg in seiner Karriere und nach Problemen wie Labelwechseln habe Tilidin geholfen. „Aber irgendwann bist du gefickt davon“, erklärt der 25-Jährige.

Wie groß auch die körperliche Abhängigkeit von Tilidin ist, beschreibt „Capi“ an einem Beispiel: „Stell dir vor, du gehst in den Urlaub. Du nimmst Kokain mit, du nimmst Gras mit und du nimmst Tilidin mit – fünf Flaschen. Wenn das ‚Koka‘ alle ist, ist es dir egal. Gras ist egal. Aber wenn du nur noch eine halbe Flasche Tildin hast, fährst du sofort nach Hause.“

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Wenn man züchtig ist, scheint es keine Alternative zu geben, als es immer weiter zu nehmen: „Du kannst nicht ohne, weil es dich dann fickt. Du sitzt dann da wie ein vercrackter Junkie.“

Wenn Capital Bra über seine Erfahrung erzählt, ist immer wieder herauszumerken, dass seine Absicht ist, vor dem fahrlässigen Konsum zu warnen. Nachdem er Geschichten erzählt sagt er unter anderem „es ist auf keinen Fall eine Entschuldigung“, „Tilidin ist auf jeden Fall nichts Gutes“ oder sogar „sieht man, dass ich mich schäme“.

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Mittlerweile konnte er die Sucht hinter sich lassen, bei ihm habe es etwa einen Monat gedauert, bis das Suchtgefühl überstanden war. Aufgehört habe er in erster Linie wegen der Familie: „Ich muss ja auch Rapper und Familienpapa sein“. Vladimir Balovatsky, wie Capital Bra mit bürgerlichem Namen heißt, ist Vater von zwei Kindern.

Eine Sache, die er sich für die Zukunft vorgenommen hat, ist es, „weniger über Drogen zu rappen“. Denn ein Dealer, mit dem „STRG_F“ auch gesprochen hat, erklärt, dass es durch den Song „Tilidin“ von Capital Bra und Samra (2019) „eine Welle“ gab.

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„Die wollten alles haben, ob Tropfen oder Tabletten“. Dabei ging es für viele Jugendliche offenbar in erster Linie darum, mit Tilidin auf Social Media zu posieren und, wie der Dealer sagt, „einen auf Cool machen“.

Für Capital Bra ist Tildin „von allen Drogen auf jeden Fall die ekligste“. Dass er mit seiner Botschaft viele Leute erreicht, steht außer Frage – nicht einmal einen Tag nach Upload hat das Interview bereits über 800.000 Klicks.

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Viel Lob bekommt der Rapper für seine Äußerungen, von Fans und Leuten, die ihn eigentlich nicht feiern. „Ich mag seine Musik nicht, aber finde es beeindruckend, wie offen er hierüber redet. Die Einsicht hat nicht jeder“, „seh ihn jetzt mit ganz anderen Augen, sehr authentisch und sympathisch“ oder „Capi wird langsam erwachsen. Starkes Statement“ – der Respekt ist nach dem Interview riesig.

Wenn ihr sehen wollt, wie beliebt Capital Bra besonders bei jungen Fans ist. Weil er im vergangenen Jahr bei einer Ladeneröffnung auftrat, musste kurzerhand die Polizei ausrücken. Diese Bilder mit einer so dicht gedrängten Menschenmenge wirken in Zeiten von Corona sehr fremd.