Foto: ZDF/Thomas Ernst
Foto: ZDF/Thomas Ernst

Auf einem kleinen Areal in Köln hauste bislang eine Wohngemeinschaft der Ahnungslosen: Den Kandidaten von „Big Brother“ war der Ausbruch des Coronavirus so gut wie unbekannt. Nun wurden sie damit konfrontiert, dass die Welt um sie herum eine andere ist.

Stell dir vor, das Land wird auf links gedreht und du bekommst es nicht mit: Nach Wochen der Ahnungslosigkeit haben die abgeschotteten Bewohner der Fernsehshow „Big Brother“ vom Coronavirus-Ausbruch in Deutschland erfahren. Moderator Jochen Schropp (41) und „Big Brother“-Arzt Andreas Kaniewski überbrachten ihnen – hinter einer Glasscheibe sitzend – am Dienstag in einer Live-Show die für sie überraschenden Neuigkeiten: Deutschland steht in weiten Teilen still, das Virus ist auf dem Vormarsch und unter anderem für ältere sowie bereits kranke Menschen gefährlich.

Die Reaktionen pendelten zwischen Fassungslosigkeit, Wissbegier und Angst – auch wenn sich Schropp bemühte, die neue Weltlage behutsam zu erklären. „Erstmal: Bitte keine Panik. Ihr müsst euch keine Sorgen machen“, sagte er. Dennoch flossen Tränen, unter anderem bei Kandidatin Michelle. Ihre Mutter sei 55 Jahre alt und leide schon an der Lungenerkrankung COPD. „Das hat mir jetzt einfach Angst gemacht“, sagte die Altenpflegerin. Studentin Rebecca schaute fassungslos, Konkurrent Cedric löcherte den Arzt mit Fragen: „Man kann der Person nicht helfen? Außer zuschauen?“ Der Mediziner ordnete die Behandlungsmöglichkeiten sachlich ein: „Mann muss einfach nur unterstützend wirken.“

„Big Brother“-Bewohner werden nun doch über Coronakrise informiert

Im Schnellverfahren wurden all die Vokabeln und Verhaltensregeln erklärt, die draußen schon total üblich, bei „Big Brother“ aber zum Teil komplettes Neuland sind: Covid-19, Quarantäne, Niesen in die Armbeuge. Schropp versicherte: „Wir haben natürlich mit euren Liebsten gesprochen. Denen geht es gut!“ Das sagten sie dann auch in Videobotschaften. Die Schwester von Cedric ist bereits in Quarantäne, wie sich herausstellte. Sein Kumpel Robin berichtete: „Ist natürlich megacrazy, was hier gerade passiert. Die Supermärkte werden leer gekauft und die Leute werden verrückt.“ Apropos Außenwelt: An den TV-Bildschirmen verfolgten ab 19 Uhr 1,09 Millionen (3,8 Prozent) die Reaktionen der bisher Abgeschirmten auf die schlechten Nachrichten.

Sat.1 schloss mit der Spezial-Folge eine große Wissenslücke bei den Bewohnern. Die aktuelle „Big Brother“-Staffel läuft seit dem 10. Februar im Fernsehen, die ersten Kandidaten wurden bereits am 6. Februar von der Außenwelt abgekapselt. Damals gab es erste Corona-Fälle in Bayern, aber noch keine massiven Einschnitte bei Schulen, Kitas, Restaurants und dem gesamten Zusammenleben. Auch die deutlich später neu eingezogenen Kandidaten – darunter D-Promi Menowin Fröhlich – durften nichts an ihre Mitbewohner verraten.

„Big Brother“-Bewohner wissen nichts über Coronakrise

Der Grund: Informationen von draußen sind im „Big Brother“-Haus tabu – keine Fußballergebnisse, keine Wahlausgänge, nichts. So sind die Regeln. Im Fall des Coronavirus wurde die Informationssperre allerdings aufgehoben. Warum? „Wann immer etwas so Außergewöhnliches in der Welt passiert, werden die Bewohner bei „Big Brother“ darüber informiert“, erklärte eine Sat.1-Sprecherin. In der Tat dürfte die Kluft zwischen dem Wissen draußen und dem Wissen in dem „Big Brother“-Camp im Kölner Stadtteil Ossendorf selten so groß gewesen sein – und das Format feiert in diesem Jahr 20 Jahre.

Wie genau die Bewohner nun über die weitere Corona-Entwicklung informiert werden, ließ Sat.1 offen. Das werde man „tagesaktuell je nach Entwicklung der Ereignisse entscheiden“. Schropp sicherte den Kandidaten aber zum Beispiel zu, dass man sofort erfahre, wenn etwas mit den Angehörigen los sei. „Ich habe nur so Angst, dass meine Mama es nicht sagen würde, wenn es ihr schlecht geht. Weil sie halt niemals wollen würde, dass ich rauskomme“, sagte Michelle.

Dass das Virus in den Häusern grassiert ist übrigens ausgeschlossen. Nach Angaben von Sat.1 wurden alle neuen Bewohner vor ihrem Einzug negativ getestet.

Quelle: dpa