Drossel
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Von der Schallplatte über Kassette und CD bis hin zum Stream – viele sind mit seinen Songs groß geworden: Rolf Zuckowskis Lieder sind seit Jahrzehnten Hits in Kinderzimmern und Kitas. Mehr als 40 Jahre ist es her, dass für ihn mit einer Hochzeit alles begann: „Die Vogelhochzeit“.

Das Singspiel, in dem die Drossel der Bräutigam und die Amsel die Braut ist, wurde zu seinem ersten Erfolg als Kindermusiker und zu einem seiner größten überhaupt. Dabei ist der Text der Vogelhochzeit bereits im Wienhäuser Liederbuch überliefert, dessen Entstehungszeit auf etwa 1470 datiert wird. Die heute übliche Melodie wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Schlesien aufgezeichnet.

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Die Leidenschaft für Gesang und Gitarre hatte Rolf Zuchowski schon als Mitglied der Schulband „The Beathovens“ gepackt. Sein Vater, ein Seemann, schenkte ihm die erste Gitarre. Zunächst war er mit Pop, Schlager und Folk unterwegs. Doch nachdem er mit der Band Peter, Sue & Marc beim Grand Prix dabei war – als Texter und Produzent – und für zahlreiche Künstler geschrieben hatte, entdeckte er die Kindermusik für sich. Schließlich ist er seit 1971 selbst Vater.

Vom großen Tourneebetrieb hat sich Zuckowski inzwischen verabschiedet, lieber reist er jetzt allein mit der Gitarre oder gar nur der Ukulele als „Grußwortsänger“ zu Auftritten. Das Singen seiner Lieder übernehmen vor allem andere, ob Kindergartengruppen oder Erwachsenenchöre. „Es gab Jahre, in denen ich viel dafür getan habe, dass meine Lieder bekannt werden“, sagt er. „Früher wurde extrem viel von mir im Radio gespielt, heute ist das kaum noch der Fall. Aber wenn sich dann das Repertoire selber trägt, kann man über andere Dinge nachdenken.“

Von den Jüngsten begeistert in Endlosschleife gehört, macht sich Zuckowski bei Älteren deswegen bisweilen unbeliebt. Als „singende Nervensäge“ und „unsäglicher Heile-Welt-Poet“ wurde er kritisiert. Der Direktor der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg, Guido Müller, ist hingegen voll des Lobes: „Die Texte sind kindgemäß, aber nicht trivial, sie sind vielschichtig, trotzdem gut verständlich, oft lustig, augenzwinkernd, und sie transportieren Inhalte, die äußerst bedeutsam für Kinder sind.“ Liebe- und fantasievoll singe er über wichtige Themen wie das Alleinsein, das Anderssein, Größerwerden oder Träumen.

Aus der Mode kommen könnten diese Lieder gar nicht, findet Müller. Wie die Jugendmusikschule arbeitete auch die Hamburger Kita-Vereinigung Elbkinder seit 2017 wieder mit Zuckowski zusammen. „Die Melodien sind eingängig, und die Texte greifen Alltagssituationen auf, die die Kinder kennen“, sagt Franziska Larrá von der Geschäftsführung. „Das Geburtstagslied, die ‚Weihnachtsbäckerei‘ und die ‚Vogelhochzeit‘ sind die absoluten Renner in jeder Kita, die kennt jedes Kind.“ Auf diese Weise verbreiteten sich seine Lieder auch jenseits von Radio und TV weiter, sagt Zuckowski.

„Die ‚Weihnachtsbäckerei‘ ist sicherlich mein Erkennungszeichen, aber direkt dahinter kommt ‚Wie schön, dass du geboren bist‘ – ich vermute, dass es in Deutschland das meistgesungene Lied unserer Zeit ist“, sagt er. „Es wird bestimmt jeden Tag viele Tausend Mal irgendwo zum Geburtstag angestimmt. Viele wissen gar nicht, dass es von mir ist, es ist eine Art Volkslied geworden.“ Zum eigenen Geburtstag dürfte er sein Lied mehrfach hören. Drei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder hat das im Stadtteil Blankenese lebende Ehepaar Zuckowski, darunter Sohn Alexander, den es als Komponist, Autor und Produzent in die Popbranche zog. Für sein Lebenswerk erhielt Zuckowski bereits 2008 den Echo.

Quelle: dpa