Ziegenbock
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„Ziegenböcke kann man nicht melken.“ Bernd Merscher fängt ganz vorne an, wenn man ihn fragt, was Züchter wie er eigentlich mit den Böcken anstellen. Und er lacht auf die Frage, ob die armen männlichen Ziegen nutzlos neben den wertvollen weiblichen herlaufen und einfach nur fürchterlich stinken. Ziegen werden häufig von der Natur mit sogenannten Glöckchen am Hals ausgestattet.

Merscher hat einen Ziegenhof im rheinland-pfälzischen Karbach und ist Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Ziegenzüchter. Und er besitzt etwas Seltenes: eine Fleischziegenherde. Merscher weiß, was man mit den Böcken macht.

Schuld am strengen Ziegenkäsegeschmack sei der Bock, erklärt Rehmann. Denn der Bock stinkt und hat den Ziegenprodukten, vom Käse bis zum Fleisch, zu ihrem strengen Image verholfen. Aus einem simplen Grund sei die Nachfrage nach Ziegenkäse in den vergangenen Jahren stark gestiegen, sagt er. Früher seien Milchziegen und die stinkenden Böcke zusammen gehalten worden. Und allein das habe ausgereicht, damit die Milch der Ziege den Geschmack des Bockes annehme. Heute hielten Bauern die männlichen und weiblichen Tiere in der Regel getrennt, was den Käse milder und massentauglicher gemacht habe.

Merscher und seine Fleischziegenherde sind aber eher die Ausnahme, sagt auch Anna Kirchner vom Deutschen Tierschutzbund. „Ziegenfleisch ist nach wie vor in Deutschland eine eher seltene Spezialität und hat ein verkaufshemmendes Image: streng, zäh, Bockgeschmack“, erklärt sie.

Ob Fleisch- oder Milchziegenherde: Böcke werden gegessen. Merscher spricht von einem großen gastronomischen Markt. Kirchner bestätigt das, auch wenn sie den Markt als schwierig bezeichnet. Aber auch Tierfutter enthalte Ziegenfleisch, sagt sie. Vor allem in Dosenfutter für Heimtiere wie Katzen oder Hunde sei Ziegenfleisch enthalten. Aus Sicht des Tierschutzverbands eine schwierige Verwendungsart, weil es eigentlich zu wertvoll dafür sei.

2016 gab es laut Kirchner in Deutschland knapp 140.000 Ziegen in rund 9800 landwirtschaftlichen Betrieben. Rund 60 Prozent waren weiblich. Mehr als die Hälfte der nicht zur Nachzucht benötigten weiblichen und männlichen Kitze würden vor dem sechsten Lebensmonat geschlachtet.

Ein großer Vorteil der Ziege mindert aber das Bockproblem: Die Ziege gibt auch dann Milch, wenn sie gerade kein Kitz hat. Man könne sie jahrelang melken, wenn sie einmal Nachwuchs bekommen habe, erklärt Merscher. „Diese großen Betriebe, die melken die Ziege fünf, sechs Jahre, ohne dass sie zwischendurch ein Lamm bekommt.“ Und kleine Böcke, die gar nicht erst geboren werden, müssen auch nicht ins Katzenfutter.

Quelle: dpa