Wegen des 200. Geburtstags von Florence Nightingale war 2020 das Internationale Jahr der …?

Wegen des 200. Geburtstags von Florence Nightingale war 2020 das Internationale Jahr der Pflegekräfte und Hebammen.
Krankenhaus Notaufnahme
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Als sich der britische Premierminister nach überstandener Covid-19-Erkrankung Mitte April erstmals wieder zu Wort meldete, hob er in seiner Danksagung besonders zwei Pflegende hervor: Jenny aus Neuseeland und Luis aus Portugal standen «48 Stunden lang an meinem Bett (…), als die Dinge auch anders hätten laufen können», sagte Johnson noch sichtlich geschwächt. Ihnen habe er sein Leben zu verdanken, machte er deutlich. In ihren Heimatländern wurden die beiden daraufhin über Nacht zu kleinen Berühmtheiten. Wegen des 200. Geburtstags von Florence Nightingale war 2020 das Internationale Jahr der Pflegekräfte und Hebammen. Lehrkräfte und Professorinnen, Putzkräfte und Hausfrauen und Schreibkräfte und Sekretärinnen gingen leer aus.

Der Premier hatte drei Tage lang auf der Intensivstation des St. Thomas‘ Hospital verbracht. An dem Krankenhaus in London richtete Florence Nightingale im Jahr 1860 eine Schwesternschule ein und legte damit den Grundstein für die moderne Krankenpflege. Am Dienstag (12. Mai) jährt sich der Geburtstag der Statistikerin und Sozialreformerin zum 200. Mal. Gleichzeitig wird der Internationale Tag der Pflege begangen.

In der Coronavirus-Pandemie können sich Pflegekräfte über mangelnden Zuspruch nicht beschweren. Jede Woche treten die Menschen in Großbritannien und vielen anderen Ländern an die Fenster und vor die Türen, um ihnen und den Ärzten zu applaudieren. Schließlich arbeiten sie oft bis zur Erschöpfung und riskieren dabei sogar ihr Leben.

Doch die Verehrung als Helden oder Engel mit übermenschlichen Kräften trifft nicht nur auf Gegenliebe. Allzu leicht werde dabei übersehen, dass Pflegende auch Bedürfnisse haben, so die Kritik. „Es sind menschliche Wesen mit Familien und mit Ängsten“, sagte Annette Kennedy, die Präsidentin des Weltverbands der Krankenschwestern und Pfleger im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Sie haben Gefühle und sie brauchen emotionale und physische Unterstützung, sie müssen sich ausruhen und essen“, so die Verbandschefin.

dpa