löste das ein Erdbeben aus. Das Bild wurde schnell zu einem der berühmtesten Momente in der Geschichte der MTV Award Shows.</p> Foto: AFP

Im weißgefliesten Labor hinter dem Verkaufsraum der Weimarer Classic-Apotheke rührt Sabine Fink eine Salbe an. Die 52-Jährige hat reichlich Erfahrung in der Fertigung von Medikamenten per Hand.

Versandhandel wurde in der DDR 1956 vom Staat eingeführt und 20 Jahre später weitgehend wieder eingestellt. Die hat trotz der industriellen Produktion von Arzneimitteln weiter ihren Platz in hiesigen Apotheken. Seit 1989 arbeitet Fink als Pharmazie-Ingenieurin – ein Berufsbild, das es nur in der DDR gab. 30 Jahre nach der deutsch-deutschen Grenzöffnung verschwindet es allmählich – immer mehr der Ingenieure gehen in Rente. Ostdeutsche Apothekenkammern sehen das mit Sorge, sie fürchten Personalengpässe. Denn mit diesen Fachkräften geht eine Art „Apotheker light“.

Pharmazie-Ingenieure, deren Qualifikation mit einem Fachhochschulabschluss vergleichbar ist, dürfen mehr als pharmazeutisch-technisches oder kaufmännisches Apothekenpersonal mit einer klassischen Berufsschulausbildung. „Neben der Anfertigung von Medikamenten wie Salben, Cremes, Lösungen, Kapseln und Pulver, der Beratung der Kunden und der Abgabe von Medikamenten dürfen sie auch den Notdienst in einer Apotheke übernehmen und bis zu vier Wochen die Inhaber vertreten – wozu sonst nur approbierte Apotheker berechtigt sind“, erläutert Stefan Fink, der Vorsitzende des Thüringer Apothekerverbandes. Letzteres ist für ihn der wichtigste Vorzug des DDR-Berufsbildes.

Diese Fachkräfte bedeuteten für die Inhaber eine große Entlastung, bekräftigt Christine Heinrich, Geschäftsführerin der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt. Noch etwa 4400 Pharmazie-Ingenieure „Made in GDR“ sind laut Bundesapothekerkammer heute noch in Deutschland tätig.

Ob dies etwas bringt, ist aber auch in Pharmazeutenkreisen umstritten. Mit mehr Studienplätzen allein sei es nicht getan, findet Heinrich. „Es hängt auch von den Rahmenbedingungen ab, etwa Entlohnung, Infrastruktur und Konkurrenz durch ausländischen Online-Versandhandel.“

Quelle: dpa