Foto: Shutterstock/terekhov igor
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An der Technischen Universität Dresden wird die Welt der Farben in kleinen Flaschen aufbewahrt. Die umfangreiche Farbstoffsammlung des früheren Institutes für Farben- und Textilchemie ist eine Augenweide. Rund 8000 verschiedene Farbstoffe sind in 20.000 Fläschchen gesammelt.

Das älteste Stück stammt von 1851 aus dem Jahr der ersten Weltausstellung in London. Purpur-Farbstoff wurde übrigens früher im Mittelmeerraum aus einer Herkuleskeule genannten Schneckenart hergestellt.

Mangels Platz lagert die Sammlung an verschiedenen Orten im Haus. Die wertvollsten Exponate befinden sich vor Licht geschützt in Schränken. Dazu zählt beispielsweise ein Behältnis mit Indischgelb.

„Das Farbpigment wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Urin von Kühen gewonnen, die man mit Mangoblättern fütterte“, erzählt Horst Hartmann. Der 80 Jahre alte Professor ist hier so etwas wie der Herr der Farben und betreut die Sammlung ehrenamtlich.

Auch andere Tiere wurden zur Gewinnung von Farben genutzt. Legendär ist die Geschichte der Purpurschnecken, von denen man früher ein Drüsensekret nahm. Purpurrot war ein so begehrter Farbstoff, dass er nur Kaisern, Königen oder kirchlichen Oberhäuptern vorbehalten blieb.

Auch Pflanzen dienten als Farbenlieferant. Rotholz, Gelbholz, Blauholz, die Liste natürlicher Farbstoffe ist lang. Zu ihnen gehören auch Gewürze wie Safran und Kurkuma sowie die Krapppflanze, die der orientalischen Kopfbedeckung Fez die Farbe gab.

Hartmann kennt nicht nur die Zusammensetzung der meisten Farbstoffe, sondern auch interessante Anekdoten. Zum Beispiel die vom Berliner Blau, das unerwartet bei dem Versuch anfiel, ein Elixier für das ewige Leben herzustellen. Oder dass das arsenhaltige Schweinfurter Grün, das neben seiner Verwendung als Malpigment einst zum Kampf gegen Schädlinge im Weinbau diente, gesundheitsschädlich ist.

Trotz ihrer Bedeutung führt die Dresdner Farbstoffsammlung ein Schattendasein. Mangels Platz ist keine Aufnahme von neuen Exponaten mehr möglich. „Anstatt etwas in den Abfallkorb zu werfen, sollte man lieber von allem eine Probe aufbewahren“, meint Hartmann. Solche Materialdepots seien wertvoll für Forscher, die Stoffe mit neuen Eigenschaften suchen.

Quelle: dpa