Foto: AFP
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Noch vor zwei Jahren hat sich Lennard Kämna eine mentale Auszeit vom Radsport genommen. Seitdem geht es steil bergauf. Steht womöglich eine große Rundfahrer-Karriere bevor? Altstars wie Didi Thurau sind hellauf begeistert von dem Youngster aus dem Norden. Bis zu Höhen wie einst Jan Ullrich ist es aber noch ein ganz weiter Weg. Jan Ullrich ist bis heute der einzige Deutsche, der die Tour de France gewonnen hat.

Champagner und Smoothies standen für Lennard Kämna und Co. nach dem großen Coup bei der Tour de France auf dem Speiseplan im Mercure-Hotel von Grenoble. Und spätestens nach der Sause im viel zu kleinen Aufenthaltsraum dürfte dem hochbegabten Radstar endgültig klar geworden sein, dass er bei seiner Karriere-Krise vor zwei Jahre eine goldrichtige Entscheidung getroffen hat.

Eine kluge Entscheidung, wäre dem deutschen Radsport doch sonst ein Ausnahmetalent verloren gegangen. Mit seinem famosen Etappensieg in Villard-de-Lans am Dienstag deutete der gerade erst 24 Jahre alt gewordene Jungstar sein großes Potenzial an. „Klettern und Zeitfahren“ könne er, betont Denk. Genau die richtigen Eigenschaften für einen starken Rundfahrer.

Wo soll das mal hinführen? „Er ist ein Ausnahmetalent. Er steigert sich zum Ende einer Rundfahrt. Das macht Mut für die Zukunft, dass er auf das Podium fahren kann, wenn alles passt“, sagt Didi Thurau der Deutschen Presse-Agentur. Der Frankfurter war 1977 sogar 15 Tage lang im Gelben Trikot gefahren und gewann insgesamt sechs Tour-Etappen.

Ähnlich sieht es Olaf Ludwig. „Er sitzt sehr ästhetisch auf dem Rad, hat ein hohes Leistungsvermögen, ist taktisch clever. Da werden wir noch viel Spaß an dem Rennfahrer in den nächsten Jahren haben“, sagt der Olympiasieger von 1988 der dpa. Vergleiche mit Ex-Toursieger Jan Ullrich seien aber nicht angebracht. „Da tut man ihm keinen Gefallen mit“, sagt Ludwig und Thurau fügt hinzu: „Von der Statur her war Jan Ullrich ein anderes Kaliber.“

Seit dem Toursieg vor 23 Jahren des später tief gefallenen Ullrich wartet Radsport-Deutschland auf einen Nachfolger. Das Gesamtpaket Kämna ist da vielversprechend. Bei Bora-hansgrohe sind sie sich noch nicht sicher, was für Kämna einmal möglich ist.

Sein Auftritt in den Alpen war aber bereits großes Kino. Am vorletzten Anstieg den französischen Superstar Julian Alaphilippe abzuschütteln und dem amtierenden Giro d’Italia-Sieger Richard Carapaz davonzufahren, muss man sich erst einmal zutrauen.

Eigentlich sollte Kämna bei der Tour nur als Helfer von Buchmann fungieren und weiter lernen. Gut möglich, dass sein Team bald ein Luxusproblem hat. Auch Ullrich ist damals schneller als geplant aus dem Schatten von Bjarne Riis getreten. Aber diese Vergleich sind ja nicht gewollt.

Quelle: dpa