Muskeln Bizeps
Foto: Shutterstock/Dragon Images

Ein paar Kilos weniger auf die Waage zu bringen schadet bei vielen Menschen nicht. Doch im Alter ist das anders. Bei Senioren kann ein Gewichtsverlust unangenehme Folgen haben, „weil sie dabei neben Leistungsfähigkeit auch Muskulatur verlieren“, sagt Prof. Rainer Wirth, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation am Marien Hospital in Herne.

Denn bei einem normalgewichtigen Mann Mitte 20 ist der größte Anteil des Körpergewichts noch die Muskulatur. Eine mögliche Folge ist ein höheres Risiko von Stürzen, die langwierige Krankenhausaufenthalte nach sich ziehen können. Viele Senioren wollen auch gar nicht abnehmen. Die Kilos purzeln ungewollt.

Doch wann ist das bedenklich? „Kritisch wird es, wenn ein älterer Mensch über zehn Prozent seines Körpergewichts innerhalb eines halben Jahres verliert“, erklärt Prof. Matthias Banasch, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin mit Gastroenterologie und Onkologie am Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf.

Idealerweise suchen Senioren schon bei ersten Anzeichen von ungewolltem Gewichtsverlust einen Arzt auf. Je früher gegengesteuert wird, desto besser für den Patienten. «Die Ursachen können vielfältig sein, und nicht selten kommen mehrere Faktoren zueinander», erläutert Wirth, der im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie ist.

«Ein ungewollter Gewichtsverlust kann, muss aber nicht zwingend, mit einer Tumorerkrankung einhergehen», ergänzt Banasch. Auch ein unerkannter Diabetes oder eine Funktionsstörung der Schilddrüse sind mögliche Ursachen. Neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder eine dementielle Entwicklung können ebenfalls zu ungewolltem Gewichtsverlust führen. Gleiches gilt für schlecht sitzende Zahnprothesen oder Schluckstörungen.

Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Appetitlosigkeit haben, sagt Wirth. Auch Patienten mit einer depressiven Stimmung verspüren mitunter weniger Appetit und essen nicht die gewohnte Menge.

«Oft lässt sich die Ursache für den ungewollten Gewichtsverlust schon bei einem Gespräch mit dem Patienten eingrenzen», sagt Banasch. Ein Beispiel: Ein Mann isst seit dem Tod der Frau nicht mehr regelmäßig. Zur Trauer über den Verlust kommt hinzu, dass die Frau Jahrzehnte lang für das Kochen im Haushalt zuständig war. In solch einem Fall könne im Arztgespräch bereits der Tipp helfen, sich Mahlzeiten per «Essen auf Rädern» nach Hause liefern zu lassen, sagt der Mediziner.

Quelle: dpa