Graugänse
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Sängerin, Pilot, Fußballstar – von solchen Berufen träumen viele. Konrad Lorenz hatte als Kind einen ganz anderen Traum: Er wollte eine Wildgans werden. Etwa mit fünf Jahren hatte er ein Buch über die Reise des Jungen Nils Holgersson mit seinen Wildgänsen gelesen. So kam er wohl auf die Idee.

Aber ihm wurde schnell klar, dass das nicht geht. Menschen werden keine Gänse. Also fing er stattdessen an, Tiere zu beobachten. Weil er am Anfang keine Gans hatte, zog er erstmal Entenküken groß – und wurde so zum „Vater der Graugänse“.

Er ging mit ihnen auf Streifzüge durch die Natur. Dabei schaute der Junge genau hin, was die Tiere taten. Er guckte sich also ihr Verhalten an. Wenn erwachsene Forscher so etwas tun, nennt man sie auch Verhaltensforscher. Doch so weit war er noch nicht – noch war Konrad klein.

Konrad Lorenz wurde am 7. November 1903 geboren. Er wuchs als das Nesthäkchen der Familie in einer Villa in Österreich auf. Sein Vater war ein bekannter Arzt. Und er war nicht so begeistert vom Hobby seines Sohnes. Also wurde Konrad Lorenz erst einmal Arzt.

Doch mit etwa 30 Jahren erfüllte er sich seinen Traum: Er wurde Tierforscher. Und baute den Garten der Villa, in der er aufgewachsen war, zu einem privaten Tierpark um. Wenig später kamen auch seine geliebten Graugänse dazu. Sein erstes Küken hieß Martina. Lorenz zog es von Hand auf und wurde dadurch zu einer Art Gänse-Mama. So kam der Forscher seinen Tieren ganz nah. Er konnte mit den Gänsen sogar in einem Teich schwimmen. Und wenn er sie rief, waren sie da.

Dass Konrad Lorenz das Verhalten der Graugänse so aus der Nähe beobachten wollte, war für viele damals recht ungewöhnlich. Doch der Forscher hatte seinen eigenen Kopf. Statt eines Laborkittels trug er Lederhose und Gummistiefel.

Einige seiner Forschungsergebnisse halten Wissenschaftler heute nicht mehr für richtig. Trotzdem haben ihn seine Ideen berühmt gemacht. Konrad Lorenz starb am 27. Februar 1989 im Alter von 85 Jahren in seiner Heimat in Österreich.

Quelle: dpa