Sigmund Freud Museum nach Umbau
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Das Sigmund Freud Museum in Wien zeigt erstmals alle Privat- und Praxisräume des Begründers der Psychoanalyse. Nach 18-monatiger Renovierungs- und Umbauphase habe sich die Ausstellungsfläche auf 550 Quadratmeter verdoppelt, sagte
Direktorin Monika Pessler.

Trotz seiner unbestrittenen Verdienste wird Sigmund Freud im Sprachgebrauch in erster Linie mit der Fehlleistung, dem „Freudschen Versprecher“, in Verbindung gebracht. Das Haus, in dem Freud bis zu seiner Flucht vor den Nazis 1938 insgesamt 47 Jahre lang lebte, wird am Samstag wieder eröffnet. Bisher hatte das seit 1970 als Museum genutzte Haus rund 110.000 Besucher im Jahr.

Neben drei neuen Dauerausstellungen steht die ehemalige Wohnung der Familie sowie die Praxis Freuds und seiner Tochter Anna im Zentrum. Aufzeichnungen, Erstausgaben, Fotografien und einzelne Objekte wie seiner Arzttasche samt Initialen geben Einblick in den Werdegang des Arztes. Interessierte haben zudem künftig Zugriff auf die rund 40ö000 Medien der Bibliothek des Hauses. Sie gilt als Europas größte Fachbibliothek zur Psychoanalyse und wird nicht nur für Fachkundige ein interessanter Informationsfundus sein.

Eine historische Rekonstruktion der Einrichtung fehlt. „Freud hatte die Möglichkeit, seine Besitztümer ins Londoner Exil mitzunehmen, und es ist uns wichtig, diese Leerstellen, die eine Metapher sind für den Verlust von Kultur und Menschlichkeit unter dem Terrorregime des Nationalsozialismus, auch als Leerstellen kenntlich zu machen“, erklärte die Direktorin.

Die Adresse in der Wiener Berggasse diente zu Zeit der Nazis auch als Judensammelwohnung, insgesamt 76 Menschen mussten hier auf ihre Deportation in Vernichtungslager warten. Freud selbst verließ die Berggasse 19 am 4. Juni 1938 und starb 1939 im Londoner Exil. Vier Schwestern fielen jedoch dem Holocaust zum Opfer.

Quelle: dpa