Nudelherstellung Spätzle
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Der Nudel-Hunger der Deutschen scheint unersättlich. Rund acht Kilo verdrückte jeder im Durchschnitt 2010, Tendenz steigend. Die Nudelhochburg im Südwesten könnte jubeln, doch hohe Rohstoffpreise bereiten den Unternehmen Bauchschmerzen.

Das Herz der Nudelproduktion schlägt vollautomatisch. Was früher die schwäbische Hausfrau selbst erledigte, übernimmt beim Nudelmacher Alb-Gold in Trochtelfingen (Kreis Reutlingen) ein riesiges «Karussell». Mehr als 50.000 Eier kann die Maschine in einer Stunde aufschlagen, mit 20 Umdrehungen pro Minute rasen sie an kleinen scharfen Messern vorbei. Ein weiteres Gerät formt aus der mit Hartweizengrieß gemischten Masse schließlich die beliebten Teigwaren. Leistung: eine Tonne Nudeln pro Stunde.

Das Familienunternehmen auf der Schwäbischen Alb stellt im Jahr rund 8500 Tonnen Pasta in 150 Formen und Sorten her. Die Produktion läuft auf Hochtouren.

Kein Wunder: Der Nudelappetit der Deutschen scheint riesig. Verdrückte der Bundesbürger nach Angaben des Verbandes der Teigwarenhersteller und Hartweizenmühlen (VTH) 1980 noch rund vier Kilo im Jahr, so waren es 2010 schon mehr als acht Kilo. Tendenz steigend.

Nudelhochburg ist Baden-Württemberg. Im Mutterland der Spätzle, die Nudeln, von denen man ausschließlich im Plural, nicht als Einzelexemplar spricht, und Knöpfle ist der Pasta-Verbrauch besonders hoch: 2008 kaufte ein Südwest-Haushalt im Schnitt mehr als 17 Kilo Teigwaren, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Zum Vergleich: In Mecklenburg-Vorpommern waren es nur rund sechs Kilo.

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Im Südwesten haben sich auch einige große Namen der Branche angesiedelt: Neben Alb-Gold in Trochtelfingen produziert Nudelriese Birkel in Mannheim. Er gehört inzwischen zum spanischen Hersteller Ebro Foods und kommt auf rund 50.000 Tonnen im Jahr.

Bundesweit gibt es nach Angaben des VTH bis zu 30 Betriebe, die über den handwerklichen Rahmen hinaus Teigwaren produzieren. Im Südwesten registrierte das Statistische Landesamt 2011 allein 14 Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern. Fast 170.000 Tonnen Spätzle, Penne, Spaghetti und Co. wurden hier produziert, der Jahresumsatz betrug 300 Millionen Euro.

Dennoch scheinen die fetten Jahre der Nudelmacher vorbei zu sein. Hohe Preise für die wichtigsten Pasta-Zutaten Hartweizengrieß und Eier bereiten den Unternehmen derzeit Bauchschmerzen. «Die Kosten für Rohstoffe haben sich für uns seit 2010 bis zu 50 Prozent erhöht», sagt Tobias Buck, Geschäftsführer des gleichnamigen Nudelherstellers in Mengen (Kreis Sigmaringen). Besonders das Verbot der Käfighaltung in der Europäischen Union seit Anfang 2012 habe die Preise in die Höhe getrieben. «Langfristig wird sich eine Preiserhöhung nicht vermeiden lassen», sagt Buck.

Im Konkurrenzkampf setzt die Branche besonders auf Transparenz. Neben Nudelmacher Reinhard Berres aus Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis) lässt sich auch Alb-Gold von seinen Kunden bei der «gläsernen Produktion» über die Schulter schauen – vom Aufschlagen der Eier bis zur Verpackung. «Das schafft Vertrauen in unsere Produkte und soll bewirken, dass die Kunden im Laden zu unseren Nudeln greifen greifen», erklärt Geschäftsführerin Irmgard Freidler.

Neben der Produktion ziehen nach Angaben von Alb-Gold Themen-Märkte, Kräutergarten und ein Restaurant jährlich bis zu 300.000 Besucher an. Hersteller Buck lockt die Kunden mit einem ganzen «Nudelhaus», inklusive Nudelladen und Kochshows. «Gerade in Zeiten von Lebensmittelkrisen wird es immer wichtiger, Vertrauen zu schaffen», sagt der Geschäftsführer. «Die Leute wollen sehen, wo ihre Nudeln herkommen.»

Quelle: dpa