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Foto: Christian Charisius/dpa

Als Joseph Ratzinger 2013 seinen Rücktritt verkündete, da versprach er, künftig „vor der Welt verborgen“ zu leben. Immer, wenn er sich seither öffentlich äußert, befürchten Kritiker deshalb, er halte sich nicht an dieses Versprechen.

So auch nun nach Bekanntwerden eines Interviews, das der emeritierte Papst Benedikt XVI. der in Freiburg erscheinenden „Herder Korrespondenz“ gegeben hat. In erster Linie spricht er in dem schriftlich geführten Interview zwar über seine Zeit als Seelsorger in einer Münchner Pfarrgemeinde, am Rande aber lässt er bemerkenswerte und durchaus politische Äußerungen fallen. Schlagzeilen machte im Oktober 2020 ein Zitat von Papst Franziskus, dass Homosexuelle „das Recht auf eine Familie“ habe.

Denn mit den Amtsträgern der katholischen Kirche in Deutschland geht er einigermaßen hart ins Gericht. „Solange bei kirchenamtlichen Texten nur das Amt, aber nicht das Herz und der Geist sprechen, so lange wird der Auszug aus der Welt des Glaubens anhalten“, schreibt er in Antworten auf Fragen der „Herder Korrespondenz“. Er erwarte „in wirkliches persönliches Glaubenszeugnis von den Sprechern der Kirche“, und meint damit nach Einschätzung der Reformbewegung „Wir sind Kirche“ in erster Linie die Bischöfe.

Benedikt kritisiert: „In den kirchlichen Einrichtungen, Krankenhäusern, Schulen, Caritas, wirken viele Personen an entscheidenden Stellen mit, die den inneren Auftrag der Kirche nicht mittragen und damit das Zeugnis dieser Einrichtung vielfach verdunkeln.“

Amtliche Texte der Kirche in Deutschland würden weitgehend von Leuten geschrieben, „für die der Glaube nur amtlich ist“, schreibt dazu der frühere Kardinal Joseph Ratzinger. „In diesem Sinn muss ich zugeben, dass für einen Großteil kirchenamtlicher Texte in Deutschland in der Tat das Wort Amtskirche zutrifft.“

Quelle: dpa