Sam Houston
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Wenn mexikanische und US-amerikanische Politiker zusammenkommen, dann streiten sie meist über die Bekämpfung des Drogenschmuggels, die Regulierung der Einwanderung oder die Einfuhr von Tomaten.

Wenn dann nach einem Spitzentreffen, wie vorige Woche in Mexiko-Stadt, die Außenminister Warren Christopher und Jose Angel Gurria zum Abschluss Einigkeit demonstrieren, ist wenig Platz, eines runden Jahrestages zu gedenken: Vor 150 Jahren, am 13. Mai 1846, erklärten die USA Mexiko den Krieg.

Der mexikanisch-amerikanische Krieg von 1846 bis 1848 war das einschneidendste Ereignis in den selten konfliktfreien Beziehungen zwischen den beiden ungleichen Nachbarländern. Die USA eroberten damals mehr als die Hälfte des – freilich kaum besiedelten – mexikanischen Staatsgebietes und legten die Grenze am Rio Bravo fest. Mit dem Friedensschluß von Guadalupe Hidalgo 1848 und einem kleinen Gebietszukauf fünf Jahre später erreichten die Vereinigten Staaten, von Alaska und Hawaii abgesehen, ihre heutige Ausdehnung.

Der Konflikt zwischen beiden Ländern hatte sich an Texas entzündet. Seit die jungen USA 1803 von Frankreich große Gebiete westlich des Mississippi gekauft hatten, waren sie Nachbarn der damaligen Kolonie Neu-Spanien, die zu der Zeit noch weit nach Nordamerika hineinragte. Noch vor der Unabhängigkeit Mexikos 1821 waren die ersten angelsächsischen Siedler in Texas eingesickert.

In den 30er Jahren stellten sie schon die Bevölkerungsmehrheit und wollten sich nicht mehr von dem verrückten Putschgeneral Antonio Lopez de Santa Ana im fernen Mexiko-Stadt regieren lassen. 1835 erklärte sich Texas von Mexiko unabhängig; im Jahr darauf musste sich Santa Ana in San Jacinto dem Texaner Sam Houston geschlagen geben.

Die Regierenden in Washington ihrerseits hielten auch nach dem Kauf Louisianas ihr Land noch für viel zu klein und schlugen schon seit 1822 Mexiko den Verkauf von Texas vor. US-Präsident James K. Polk (1845-49) machte die Annexion von Texas zum Wahlkampfthema und darüber hinaus keinen Hehl daraus, daß er eigentlich auch Kalifornien wollte. Das Bestreben der Amerikaner, ihr Staatsgebiet zu vergrößern, brachte im Juli 1845 der Publizist John L. O’Sullivan auf den Punkt, indem er die Ausdehnung über den ganzen Kontinent als die Erfüllung eines „Manifest Destiny“ (Offenkundige Bestimmung) bezeichnete.

Als Texas 1845 der Union eingegliedert wurde, eskalierte die Lage. Im April 1846 begannen am Rio Grande die Gefechte, am 13. Mai beschloss der Kongreß die Kriegserklärung. Die Amerikaner rückten über den Rio Grande vor und überrollten Neu Mexiko und Kalifornien. Für die Entscheidung wählten sie allerdings den kürzesten Landweg zur Hauptstadt. Im März 1847 landete General Winfield Scott in der Hafenstadt Veracruz am Golf von Mexiko, marschierte von dort landeinwärts, und am 14. September wehte das Sternenbanner über dem Nationalpalast von Mexiko-Stadt.

Im Vertrag von Guadalupe Hidalgo musste Mexiko 2.378.540 Quadratkilometer (55 Prozent) seines Gebietes abtreten: Die heutigen US-Bundesstaaten Texas, New Mexico, Arizona, Utah, Nevada und Kalifornien. Der Eroberungskrieg war in den USA umstritten, und es gab sogar Amerikaner, die sich auf mexikanische Seite schlugen. Die Mexikaner, die die Schmach der Niederlage niemals überwanden, verehren noch heute jedes Jahr am 13. September die „Ninos Heroes“ („Heldenkinder“), sechs junge Kadetten, die bei der Verteidigung des Chapultepec-Schlosses in Mexiko-Stadt ihr Leben ließen. Des 13. Mai hingegen gedenkt man weder in Mexiko-Stadt noch in Washington.

Quelle: dpa