Foto: shutterstock.com / B-D-S Piotr Marcinski (Symbolfoto)
Foto: shutterstock.com / B-D-S Piotr Marcinski (Symbolfoto)

Französische Komödienschreiber haben ein Faible für die Gegensätze im eigenen Land und scheuen dabei kein noch so abgegriffenes Klischee. „Willkommen bei den Sch’tis“ von Dany Boon dürfte dafür eines der berühmtesten und auch erfolgreichsten Beispiele sein, trotz einiger Kritik ob der Schwarz-Weiß-Malerei und Oberflächlichkeit.

Die Zuschauer strömten dennoch en masse in die Kinos. Auch Julie Delpy widmet sich in ihrer jüngsten Regiearbeit „Lolo – Drei ist einer zu viel“ den innerfranzösischen Differenzen – zwischen Pariser Arroganz und provinzieller Bodenständigkeit, angeheizt von einem postpubertären Muttersöhnchen. Hauptcharakter Lolo hat mit einem Ödipus-Komplex zu kämpfen – Ödipus erhielt seinen Namen angeblich wegen seiner geschwollenen Füße.

Violette (Julie Delpy) ist eine Pariserin, wie sie im Buche steht: Sie arbeitet in der Mode-Branche, leicht hysterisch, ebenso neurotisch, absolut hypochondrisch, überbesorgt bei ihrem Sohn und sexuell frustriert. Mit ihrer Freundin Ariane (Karin Viard) verbringt die Vierzig-irgendwas-Jährige einige Tage in Südfrankreich. Dort trifft sie auf den Computer-Nerd Jean-René (Dany Boon). Der trägt nicht nur weiße Socken in Sandalen, serviert Sangria und stattet die Grillparty-Tische mit Wachstuch aus, sondern gibt auch sonst den dörflichen Trottel, zumindest in den Augen von Violette und Ariane. Eine Granate im Bett ist er trotzdem und auch sonst ist Violette doch schnell hin und weg.

Trotzdem scheint sie mit Jean-René endlich den Richtigen gefunden zu haben. Der ist allerdings auch hart im Nehmen. Nicht mal als Violette ihn zum Arzt schickt, weil sie eine gefährliche und ansteckende Krankheit bei Jean-René vermutet, schreckt ihn das. Dabei steckt Violettes verzogener Sohn Lolo (Vincent Lacoste) hinter der Juck-Attacke und das ist noch eine der harmloseren Angriffe auf seinen vermeintlichen Nebenbuhler. Lolo ist narzisstisch und in seinem Ödipus-Komplex gnadenlos gegenüber seinen Widersacher.

Bei so viel überdrehter Albernheit und den völlig überzeichneten Stereotypen bleiben leider auch die sonst so überzeugenden Darsteller blass, allen voran Dany Boon. Da helfen auch kein Pariser Chic und kein französischer Charme.

Quelle: dpa