Ex-Astronaut Michael Collins ist tot Nasa
Foto: NASA/AP/dpa

Michael Collins hatte den wohl undankbarsten Job der Raumfahrtgeschichte: Während weltweit rund eine halbe Milliarde Zuschauer vor ihren Fernsehern die Mondlandung bejubelten, war der Astronaut mittendrin und doch ganz alleine. Michael Collins gilt als der „vergessene Astronaut“.

Collins drehte am 21. Juli 1969 (deutscher Zeit) in der Kommandokapsel „Columbia“ Warteschleifen um den Mond und schwirrte im Funkloch auf der Rückseite des Himmelskörpers herum, während seine Kollegen Neil Armstrong und Buzz Aldrin mit der Landefähre «Eagle» auf der Oberfläche des Erdtrabanten landeten.

Am Mittwoch ist der „vergessene dritte Astronaut“ im Alter von 90 Jahren gestorben, wie seine Familie und die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilten. Collins habe an Krebs gelitten und „seine letzten Tage friedlich im Kreis seiner Familie verbracht“, hieß es in einer Mitteilung der Verwandten.

Collins habe immer seinem Land gedient, sagte US-Präsident Joe Biden laut Mitteilung. „Er hat die Geschichte der herausragenden Erfolge unserer Nation im Weltraum sowohl geschrieben als auch dabei geholfen, sie zu erzählen.“ Ex-Astronaut Aldrin schrieb via Kurznachrichtendienst Twitter, Collins werde vermisst werden. „Wo auch immer du warst oder sein wirst, wirst du immer das Feuer in dir haben, uns geschickt zu neuen Höhen und in die Zukunft zu bringen.“ Der 91-jährige Aldrin ist nun der letzte noch lebende Astronaut der „Apollo 11“-Mission, nachdem Armstrong 2012 gestorben war.

Die USA hätten mit Collins einen „wahren Pionier und lebenslangen Erkundungsaktivisten“ verloren, sagte der kommissarische Nasa-Chef Steve Jurczyk. Wegen seiner Rolle bei der „Apollo 11“-Mission hätten ihn manche den „einsamsten Menschen in der Geschichte“ genannt.

Einsam sei er damals aber gar nicht gewesen, hatte Collins zu Lebzeiten immer wieder betont. „Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert. Ich weiß, dass ich ein Lügner oder Blödmann wäre, wenn ich sagen würde, dass ich den besten der drei Sitze von Apollo 11 hatte, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich zufrieden mit dem bin, den ich hatte. Die Unternehmung war für drei Männer angelegt und ich sehe mich als genauso notwendig an wie die beiden anderen.“

US-Präsident Richard Nixon vergaß bei seiner Live-Schalte vom Weißen Haus zum Mond allerdings, Collins zu erwähnen und sprach nur zu den anderen beiden und so ging Collins als der „vergessene Astronaut“ in die Geschichte ein. Dabei hatte er drei Jahre vor der „Apollo 11“-Mission schon an einer anderen bedeutenden Weltraumunternehmung teilgenommen und da nicht nur als Chauffeur. Collins war Pilot der „Gemini 10“-Mission, der ersten, bei der das Raumschiff an gleich zwei Satelliten nacheinander andockte. Dabei wurde er auch der erste Mensch, der sich im All von einem Flugkörper zum anderen bewegte, und nie zuvor waren Menschen weiter von der Erde entfernt gewesen.

Geboren wurde Collins 1930 in Italien als Sohn eines US-Militärattachés. Seinem Highschool-Abschluss in den USA folgte die Aufnahme in die Militärakademie und Kader-Schmiede West Point, wo er sich zum Kampfflieger und Testpiloten ausbilden ließ. 1963 schaffte es Collins in die Astronautenauswahl der Nasa.

Quelle: dpa