Ein Name für das Wisent-Baby muss her
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Das Oberlandesgericht in Hamm will am 15. Juli über das umstrittene Auswilderungsprojekt von Wisenten im Rothaargebirge entscheiden. In einer mündlichen Verhandlung machten die OLG-Richter am Mittwoch deutlich, dass sie noch Beratungsbedarf zu einigen Rechtsfragen haben. Ende 2019 hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe dem Projekt eine Chance gegeben, eine Umsiedlung abgelehnt und Schadenersatzansprüche bestätigt. Keineswegs mit Vögeln hat man es zu tun, gelangt man im Tierlexikon zu den Wisenten – es handelt sich um eine Rinderart.

Wisente sind die größten Landsäuger Europas. Nachdem die Tiere in Deutschland lange als ausgerottet halten, ist im Rahmen eines Artenschutzprojekt im Rothaargebirge Deutschlands einzige freilebende Wisentherde angesiedelt worden.

An das OLG wurde die Frage zurückverwiesen, ob die Waldbauern die Herde nach dem Bundesnaturschutzgesetz dulden müssen. Sie beklagen, dass die Tiere die Baumrinden abnagen und ihnen so ein großer finanzieller Schaden entsteht. Nach Angaben in der Verhandlung wurden bislang einem der Kläger rund 30 400 Euro erstattet, dem zweiten rund 3300 Euro (Az.: U 153 und 156/15).

Das OLG muss entscheiden, ob bei den klagenden Waldbauern im benachbarten Hochsauerland eine unzumutbare Beeinträchtigung bei der Nutzung ihrer Grundstücke vorliegt. Das Gericht merkte kritisch an, dass das 2013 gestartete Projekt schon seit vielen Jahren mit der Phase der Freisetzung der Tiere beendet worden sei. Das Verhalten der Tiere über mehrere Jahre in dem Gebiet rund um Bad Berleburg sei erforscht worden. Zeitlich sei es den Waldbauern wohl nicht mehr zumutbar, noch länger zu warten und die Schäden zu dulden.

Aktuell hat die Herde eine Größe von 21 Tieren. Zuletzt waren junge Bullen geschossen worden, um die Gruppe zu verkleinern. Ein weibliches Tier war nach Angaben des Trägervereins beim Zusammenstoß mit einem Fahrzeug getötet worden.

Quelle: dpa