Fotoprobe des Theaterstücks «Das Dschungelbuch»
Foto: Jannis Mattar/dpa

Zeichentrickfilme von Disney galten jahrzehntelang als Klassiker. Inzwischen stören sich viele nicht nur am angestaubten Frauenbild. Es geht auch um kulturelle Stereotype bis hin zu Rassismus. Geht das auch anders?

„Dumbo», „Dschungelbuch“, „Aristocats“ – lange galten diese Filme als harmlose Kinderklassiker. Dabei stecken darin viele ungute Klischees bis hin zum Rassismus, etwa in „Peter Pan“, wo amerikanische Ureinwohner als Rothäute bezeichnet werden. Im Originaldrehbuch von „Das Dschungelbuch“ ist der Wortanteil weiblicher Figuren mit ca. zwei Prozent sehr gering – damit geringer als in „Findet Nemo“, „Die Eiskönigin“ und „Die Unglaublichen“.

Der Streamingdienst Disney+ schränkte den Zugriff für Kinder deshalb ein und macht mit Hinweisen auf Stereotype und negative Darstellungen von Menschen und Kulturen aufmerksam. Doch reicht das? In vielen Filmen dominieren immer noch westliche, weiße Standpunkte, und Menschen anderer Kulturen und Hautfarben spielen kaum eine Rolle.

Das will Produzentin Osnat Shurer mit „Raya und der letzte Drache“ besser machen, zu sehen bei Disney+ mit VIP-Zugang. Ihr Film taucht in die vielfältige Kultur Südostasiens mit ihrem reichen Schatz an Märchen und Mythen ein. Raya will darin ihre Heimat Kumandra mit Hilfe einer Drachenfrau vor bösen Geistern retten. Die kämpferische, selbstbewusste Raya räumt auf mit dem Klischee des tugendhaften, hübschen, perfekten Mädchens. Sie braucht keinen Prinzen, der sie rettet und sie liebt. Europäische Märchenprinzessinnen wie Dornröschen lässt Raya ziemlich farblos aussehen.

Adele Lim war als Drehbuchautorin dabei und genoss es, über etwas zu schreiben, was ihr vertraut war. Sie kommt aus Malaysia und liebt die Kultur, die Geschichte und die Traditionen Südostasiens.

Was Lim, Shurer und das restliche Team entwickelten, waren vor allem die starken Frauenfiguren, allen voran Raya. „Wir haben eine große Tradition von starken Kriegerinnen und Anführerinnen“, erklärt Lim. Westliche Zuschauer seien es oft nicht gewöhnt, eine kraftvolle Heldin im Mittelpunkt einer Geschichte zu sehen. Dabei sei die Welt zur Hälfte weiblich. „Ich finde es verrückt, dass sich das nicht in den Geschichten widerspiegelt.“

Quelle: dpa