Im Frühjahr 1995 wechselte der Aufdruck auf unseren Standardbriefmarken von „Deutsche Bundespost“ zu „…“?

Im Frühjahr 1995 wechselte der Aufdruck auf unseren Standardbriefmarken von "Deutsche Bundespost" zu "Deutschland".
Briefmarken Aufdruck Deutschland
Eine 5-Cent- und eine 80-Cent-Briefmarke liegen auf einem 85-Cent-Briefmarkenbogen. Foto: Marijan Murat/dpa
Briefmarken Aufdruck Deutschland
Eine 5-Cent- und eine 80-Cent-Briefmarke liegen auf einem 85-Cent-Briefmarkenbogen. Foto: Marijan Murat/dpa

Für die deutschen Briefmarken brach 1995 eine neue Ära an. Am 6. April erschien die Sondermarke zum 750-jährigen Bestehen der Freien Reichsstadt Regensburg mit der Bezeichnung „Deutschland“ statt der bisherigen Inschrift „Deutsche Bundespost“. Damit schlug sich, wenn auch mit jahrelanger Verspätung, auf den deutschen Postwertzeichen die Wiedervereinigung Deutschlands nieder.

Nur neu verausgabte Briefmarken bekamen auch die neue Aufschrift. Daneben behielten alle Briefmarken einschließlich der Dauermarken und Automatenmarken ihre Gültigkeit. Die ebenfalls im April herausgekommenen Sondermarken zum Gedenken an den Baumeister Johann Conrad Schlaun und den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer sowie zum Thema „Freiheit der Meinungsäußerung“ trugen noch die Benennung „Deutsche Bundespost“. Diese Marken waren, als sich am 11. Januar das Bundeskabinett für die neue Bezeichnung entschied, bereits in der Produktion oder fertig gedruckt.

Der Beschluss, nach Erreichen der Einheit auch für die deutschen Postwertzeichen die Konsequenz zu ziehen, erwies sich schwieriger als eigentlich erwartet. Zunächst wurde auf den Rat gehört, erst die Diskussion über die Änderung des Grundgesetzes abzuwarten. Dann standen sich bei den Ministerpräsidenten der Bundesländer, die am Entscheidungsprozeß beteiligt waren, zwei Lager gegenüber. Mit knapper Mehrheit setzten sich die, die für die Kurzbezeichnung „Deutschland“ plädierten, gegen diejenigen durch, die für den vollständigen Staatsnamen „Bundesrepublik Deutschland“ stimmten.

Bis zur Wende bestanden in Deutschland drei postalische Gebiete: die Bundesrepublik Deutschland, West-Berlin mit alliiertem Status und die Deutsche Demokratische Republik. Die bundesdeutschen Marken trugen die Aufschrift „Deutsche Bundespost“, die Westberliner Ausgaben firmierten unter „Deutsche Bundespost Berlin“. Die Postwertzeichen im Osten trugen bis 1961/62 die volle Bezeichnung „Deutsche Demokratische Republik“, dann zunehmend das Kürzel «DDR».

Briefmarken: Mit der Währungsunion kam „Deutsche Post“ wieder

Als mit Inkrafttreten der Wirtschafts- und Währungsunion 1990 die Deutsche Mark in der DDR eingeführt wurde, erschienen dort Marken mit der bereits in den Nachkriegsjahren verwendeten Aufschrift „Deutsche Post“, von denen zwischen dem 19. Juni und dem Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 insgesamt 25 Werte herausgegeben wurden. Die letzte Westberliner Marke, ein 60-Pfennig-Wert zum 200. Geburtstag des Pädagogen Adolph Diesterweg, kam am 27. September 1990 heraus. Danach trugen im geeinten Deutschland die Marken nur noch die Benennung „Deutsche Bundespost“.

Die Länderbezeichnung auf deutschen Briefmarken war schon früher Ausdruck der politischen Situation. Nach der Reichsgründung von 1871 hatten die Königreiche Bayern und Württemberg nicht auf eine eigene Post und natürlich Briefmarken verzichten wollen. Auf den Briefmarken des übrigen Reiches war daher „Deutsche Reichs-Post“ oder „Reichspost“ zu lesen. Erst als Württemberg 1902 auf die Herausgabe eigener Marken verzichtete, gelangte die Nationalitätsbezeichnung „Deutsches Reich“ auf die Postwertzeichen. Die seit dem Jahre 1900 bis 1922 herausgegebenen Briefmarken mit einem Bildnis der Symbolgestalt Germania dokumentieren diesen Wechsel. Die Weimarer Republik blieb dabei und zunächst auch das NS-Regime. Am 24. Oktober 1943 jedoch wurde auf der Sondermarke zum 800jährigen Jubiläum der Hansestadt Lübeck die Aufschrift „Großdeutsches Reich“ eingeführt. Mit wenigen Ausnahmen trugen die NS-Marken bis zum bitteren Ende 1945 diesen Namen.

Die Besatzungstruppen – bis auf die Franzosen – gaben in den ersten Nachkriegsjahren meistens Marken mit der Bezeichnung „Deutsche Post“ heraus, die noch kurze Zeit nach der Gründung der Bundesrepublik und der DDR weiterbenutzt wurde. Nur einmal war auf Briefmarken schon der Landesname Deutschland zu lesen. Ganz zu Anfang der Besatzungszeit gaben die Amerikaner und Briten für ihre Besatzungzonen Briefmarken mit einem großen M in der Mitte und der Umschrift „AM-Post (für Allied Military Post ) Deutschland“ heraus. Ganz neu war „Deutschland“ auf Briefmarken 1995 also nicht.

dpa