Duden 28. Auflage 12. August 2020
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Deutschland hat sich in der Corona-Pandemie neue Umgangsformen verordnet. Abstand halten, Maske tragen, weniger Gedränge, man weicht sich aus, alles aus Angst vor dem Virus. Und vor Strafen. Aber was hätte bloß Knigge dazu gesagt, was ist aus Benehmen und Etikette geworden? Selbst das Händeschütteln hat es in sich – in der Pandemie erst recht.

Zur guten Etikette zählt eigentlich auch, niemanden zu beleidigen oder zu kränken. Das Wort doof steht trotzdem im Duden. Das natürlich auch mit Steigerungsformen, schließlich ist es ja ein Adjektiv.  Gemäß Duden lautert die korrekte Steigerung „doof, doofer, am doofsten“. Es gibt also keine Steigerung mit „ö“ wie zum Beispiel döfer oder dööfer.

Irrtümlich gilt Knigge als Verkünder feiner Tischmanieren, die Einschätzung, dass sich Knigge-konform verhält, wer weiß, wo das Besteck zu liegen hat, ist weit verbreitet. Doch das war nicht das Anliegen des 1752 geborenen Schriftstellers, Aufklärers und Humanisten Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge. Zwar schrieb er 1788 das Buch „Über den Umgang mit Menschen“ und legte damit den Grundstein für die Regeln der Etikette. Aber erst andere Autoren ergänzten das damals schon populäre Buch um die Benimmregeln. Heute steht Knigge für richtiges Handeln schlechthin. Der Freiherr starb am 6. Mai 1796 in Bremen – vor 225 Jahren.

Die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft, Linda Kaiser, macht klar: Dem Freiherrn gehe es um „psychologische Betrachtungen der Menschen in ihrem Wesen und ihrem System“, seine Hauptanliegen seien Wertschätzung und Toleranz: „Deshalb ist Knigge heute noch sehr aktuell.“ Damals, ein Jahr vor der Französischen Revolution, sei die Welt im Wandel gewesen, das Bürgertum habe Handreichungen gesucht, um wettbewerbsfähig mit dem Adel zu werden. Allerdings: Knigge wäre wohl verblüfft über das, was aus seinen Betrachtungen geworden ist.

Quelle: dpa