Karl-Theodor zu Guttenberg
Foto: picture alliance / dpa

Bei seiner ersten Doktorarbeit hat Guttenberg zu viel abgeschrieben. Das kostete ihn damals den akademischen Titel und das Ministeramt. Im August hat er eine neue wissenschaftliche Arbeit vorgelegt. Die folgt der Spur des Geldes – in einer Zeit, als es noch keine Banken gab.

Bei Karl-Theodor zu Guttenberg gehört neben zahlreichen weiteren Vornamen und einem „Freiherrn“ jetzt auch wieder ein „Dr.“ zum Namen. Alte Visitenkarten aus der Zeit vor der Plagiatsaffäre wird der einstige Hoffnungsträger der CSU dennoch nicht verteilen können. Denn seit 2011, als ihm die Jura-Fakultät der Universität Bayreuth nach Plagiatsvorwürfen den Doktorgrad entzog, hat sich in seinem Leben manches verändert.

Damals war er Verteidigungsminister in Berlin, heute hat der Spross eines fränkischen Adelsgeschlechts als Berater und Unternehmer einen Wohnsitz in den USA. Auch wenn er seit einigen Jahren wieder mehr Zeit in der alten Heimat verbringt – etwa um die CSU im Wahlkampf zu unterstützen oder Vorträge zu halten.

Die 488 Seiten starke Doktorarbeit, die er im November 2018 eingereicht hat, wurde im Juli 2019 in ihrer endgültigen Fassung an der Universität von Southampton veröffentlicht. Mit seinem alten Fachgebiet Rechtswissenschaften hat die auf Englisch verfasste neue Doktorarbeit nichts zu tun. Vielmehr liefert Guttenberg in seiner wissenschaftlichen Abhandlung eine historische Betrachtung zu den frühen Methoden für die Überweisung von Geld – etwa im internationalen Handel. Dafür hat er sich unter anderem mit arabischen Händlern und den Kreuzzügen beschäftigt.

Er hat in Archiven geforscht und – so schreibt er selbst im Vorwort – viel Zeit aufgewendet. Gewidmet hat er seine Doktorarbeit Ehefrau Stephanie und den beiden Töchtern, die während dieser Phase „sehr geduldig“ mit ihm gewesen seien. Eine Danksagung geht außerdem an eine Reihe von „verlässlichen Freunden auf beiden Seiten des Atlantiks, die an mich geglaubt haben und an ein Wertesystem, in dem es auch eine zweite Chance gibt“.

In der CSU, für die er 2002 erstmals in den Bundestag einzog, trauern ihm immer noch einige Parteifreunde nach. Manche hoffen gar auf ein spätes politisches Comeback des smarten Ex-Ministers. Obgleich die Aussetzung der Wehrpflicht – für viele Konservative ein Tabubruch – in seiner Amtszeit als Verteidigungsminister beschlossen wurde. Guttenberg selbst leistete als junger Mann seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald.

Die Verantwortung für den harten Sparkurs im Verteidigungsressort, der später zu Mängeln bei der Ausrüstung der Bundeswehr führte, sieht der Ex-Minister bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Die Sparbemühungen damals gingen vom Bundeskanzleramt aus, und sie wurden vom Bundesfinanzminister (Wolfgang Schäuble) mit großer Vehemenz mitgetragen“, sagte Guttenberg im vergangenen Jahr in einem Interview. Er selbst habe dagegen eine „bessere Professionalisierung der Bundeswehr“ gefordert und bessere Ausrüstung für die Soldaten im Einsatz. Verteidigungsminister war Guttenberg nur 16 Monate lang. Als herauskam, dass er in seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte, schied er im März 2011 aus der aktiven Politik aus. Mit seiner Familie siedelte er in die USA um.

Bei einem Auftritt in Berlin vor vier Jahren präsentierte sich Guttenberg als Geläuterter. „Ich habe lange gebraucht, um meine Eitelkeit zu überwinden“, sagte er damals.

Quelle: dpa