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Glaubt man der Legende, schlug Pete Browning den Ball als erster mit einem Slugger. Sein Holzschläger war zerbrochen und als ein Fan dem Baseball-Profi einen Ersatz getischlert hatte, hielt der Outfielder im Jahr 1884 den Prototyp des Schlägers in der Hand, der Stadien in ganz USA erobern sollte.

130 Jahre später ist der Louisville Slugger aus der Profi-Liga MLB nicht mehr wegzudenken. Dabei werden die Schläger aus Hickory, also einer speziellen Art Holz, gefertigt. Hickory kommt übrigens auch als Grillholz zum Einsatz.

Dabei hatte Frederick Hillerich mit seiner Holzwerkstatt eigentlich anderes vor: Bettpfosten, Treppengeländer, Bowling-Kugeln und Kegel fertigte der aus Baden-Baden eingewanderte Tischler für die Bewohner Kentuckys. Das ganz dicke Geschäft vermutete er in der Herstellung von Butterfässern. Und wie sollte man mit dieser jungen Sportart, in der Männer in Knickerbockern auf Staub und Rasen einem Lederball nachjagten, Geld verdienen? Er hielt das Spiel für eine Mode, dem nur Trunkenbolde und Frauenhelden etwas abgewinnen konnten.

Doch Hillerichs Sohn Bud, der in der Werkstatt das Handwerk seines Vaters lernte und den ersten Schläger für Pete Browning getischlert hatte, ließ nicht locker. Mehr und mehr Spieler bestellten seine Schläger aus Hickory-Holz und bald setzten auch Stars wie Babe Ruth, Jackie Robinson, Joe DiMaggio, Lou Gehrig und Mickey Mantle auf den handgefertigten Slugger aus Louisville. Heute produzieren Arbeiter dort 1,8 Millionen Schläger pro Jahr für Profis aus jeder der 30 MLB-Mannschaften sowie für die unteren Ligen, Colleges und Schulen.

Der Rückruf eines defekten Softball-Schlägers machte die Geschäfte nicht leichter. Die Produktion der in den unteren Ligen zulässigen, leichteren Aluminium-Modelle verlegte die Firma 2008 aus Kalifornien nach China. Und dann kam, was fast kommen musste: Schweren Herzens trennten sich die Hillerichs im März 2015 für 70 Millionen Dollar (63,4 Mio Euro) von der Marke, die nun zum Sportartikelhersteller Wilson gehört, der Teil des finnischen Konzerns Amer Sports ist.

Den meisten Fans im Museum in Louisville dürfte das ziemlich egal sein. Kinder posieren dort mit den Schlägern ihrer Idole und bestaunen die Ritzel, die Babe Ruth für jeden seiner Homeruns in das dunkle Holz gravierte. Im angrenzenden Laden gibt es personalisierte Slugger und Cocktail-Stößel in der Form kleiner Baseballschläger, vor dem Museum bestaunen Besucher vor einem überdimensionalen, 30 Tonnen schweren Schläger aus Stahl, der fünf Stockwerke in den Himmel ragt. Der letzte Homerun mit dem Slugger ist noch lange nicht geschlagen.

Quelle: dpa